Europa-Schluss: Neujahrs-Rally kommt zum Erliegen

Europa-Schluss: Neujahrs-Rally kommt zum Erliegen
(Adobe Stock)

Paris/London/Zürich – Nach der Rekordjagd an Europas Börsen seit Jahresbeginn hat zur Wochenmitte eine Konsolidierung eingesetzt. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx50 , der zuletzt drei Börsentage in Folge Höchstmarken erreicht hatte, schloss am Mittwoch mit 0,14 Prozent leicht im Minus bei 5.923,57 Punkten.

Grund für das Durchatmen an den Börsen könnte sein, dass am Freitag in den USA die Arbeitsmarktdaten für Dezember veröffentlicht werden. «Nach dem Ende des Shutdowns werden Konjunkturdaten wieder regulär veröffentlicht. Das sorgt zwar für mehr Transparenz, erhöht aber gleichzeitig die Sensitivität der Märkte gegenüber neuen Zahlen», schrieb Maximilian Wienke von der Handelsplattform eToro.

Ausserhalb des Euroraums verlor der britische Leitindex FTSE 100 0,74 Prozent auf 10.048,21 Zähler und litt damit unter der Schwäche der Öl- und Rohstoffaktien. Der Schweizer SMI trat mit 13.324,03 Zählern quasi auf der Stelle. Der Züricher Leitindex hatte gegen Mittag ein weiteres Rekordhoch markiert, konnte das Niveau aber nicht halten.

Schwächster Sektoren waren die Ölwerte. Die Gefangennahme des venezolanischen Staatschefs Nicolás Maduro durch die Vereinigten Staaten hallte nach. Zwar verfügt das südamerikanische Land über die grössten Ölreserven der Welt, die Öllieferungen aus Venezuela tragen aber weniger als ein Prozent zur Versorgung des globalen Ölmarkts bei. US-Präsident Donald Trump hat nun jedoch Subventionen für Ölkonzerne in Aussicht gestellt, die den Wiederaufbau der Energieinfrastruktur Venezuelas unterstützen. Damit könnte ein Überangebot drohen.

«Die Botschaft am globalen Ölmarkt ist unmissverständlich: Die US-Einmischung in Venezuela droht das ohnehin übervolle globale Ölangebot weiter anschwellen zu lassen – exakt zu einem Zeitpunkt, an dem die Nachfrage ohnehin schwächelt», merkte Analyst Jochen Stanzl von der Consorsbank dazu an. Dadurch könnten die Ölpreise weiter unter Druck kommen.

Gegen die Verluste des ebenfalls schwächelnden Rohstoffsektors stemmten sich die Stahlwerte. ArcelorMittal gewannen 4,5 Prozent auf den höchsten Stand seit 14 Jahren. Die Analysten der US-Bank Morgan Stanley hatten sich positiv geäussert und das Papier auf «Übergewichten» hochgestuft.

Pharmawerte waren erneut gefragt. Das Schwergewicht Roche kletterte um 2,5 Prozent, nachdem die britische Investmentbank Barclays die Empfehlung auf «Übergewichten» erhöht und das Kursziel von 275 auf 390 Franken angehoben hatte. Für die Schweizer sehe er eine starke operative Entwicklung und Umsatzchancen durch weitere Produkteinführungen, schrieb der Analyst James Gordon.

Stärkster Sektor waren Immobilienaktien , die stark von der Zinsentwicklung abhängig sind. «Venezolanisches Öl könnte ein Katalysator für neue Zinsspekulationen werden, wenn es dazu beiträgt, die Benzinpreise in den USA zu drücken», so Consorsbank-Analyst Stanzl. Gleichzeitig könne ein neuer Chef der US-Notenbank fallende Inflationsraten als Rechtfertigung nutzen, den geldpolitischen Kurs zügiger zu lockern. Dies öffne Spekulationen auf aggressivere Zinssenkungen Tür und Tor. (awp/mc/pg)

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