Europa-Verlauf: Moderate Verluste nach schwachen Vorgaben aus den USA

Boerse

Paris / London – Die europäischen Börsen haben am Freitag im Sog schwacher Vorgaben aus Übersee nachgegeben. Allerdings verringerten sie die Verluste bis zur Mittagszeit wieder etwas. Zum einen drückten wegen des Anstiegs der Anleiherenditen wieder aufgeflammte Inflationssorgen auf die Stimmung. Zum anderen sorgten politische Misstöne zwischen China und den USA für Nervosität, denn das Treffen zwischen den Aussenministern der beiden Grossmächte begann mit gegenseitigen Vorwürfen.

Der grosse Verfall an den Derivatebörsen an diesem Freitag wirbelt die Kurse an den Börsen zudem wohl auch etwas auf, denn im Tagesverlauf laufen Terminkontrakte auf Indizes und einzelne Aktien aus und können zu grösseren Schwankungen an den Börsen führen.

Der EuroStoxx50 sank nach einem deutlicheren Minus zum Handelsauftakt zuletzt nur noch um 0,26 Prozent auf 3857,49 Punkte. Tags zuvor noch war der Leitindex der Eurozone dank einer weiter sehr lockeren US-Geldpolitik auf den höchsten Stand seit 13 Jahren geklettert. Der Pariser Leitindex Cac 40 gab um 0,33 Prozent auf 6042,59 Punkte nach. Für den Londoner FTSE 100 ging es um 0,61 Prozent auf 6738,13 Punkte nach unten.

Unter den 19 Sektoren war die Einzelhandelsbranche an diesem Tag Schlusslicht mit minus 1,9 Prozent, während die der Versorger mit plus 0,8 Prozent der Favorit war. Hier ragten die Aktien von Enel heraus, die nach einem kräftigen Kursverlust zum Handelsauftakt nun mit einem Plus von 2,1 Prozent Spitzenwert im Sektor und auch im EuroStoxx 50 waren. Italiens grösster Versorger steigerte im abgelaufenen Jahr trotz Schwierigkeiten auf dem Heimatmarkt unter dem Strich den Gewinn. Nun soll es eine höhere Dividende als im Jahr 2019 geben. Zudem wurde der Gewinnausblick 2021 bestätigt, was Barclays-Analyst Jose Ruiz «ermutigend» nannte. In Italien gewannen zudem im Gefolge auch die Papiere von Terna und Italgas jeweils etwa ein Prozent hinzu.

Valeo waren unterdessen Schlusslicht im Cac 40. Sie litten mit minus 2,8 Prozent wohl vor allem unter einer Studie der britischen Investmentbank Barclays. Analyst Erwann Dagorne senkte die Anlageempfehlung von «Overweight» auf «Equal Weight». Eine Erholung sollte zwar in den kommenden Jahren die Gewinne von Autozulieferern deutlich antreiben, auf dem gegenwärtigen Kursniveau der Branchenwerte sei aber wohl nicht mehr viel zu holen, schrieb er.

Tui gaben im FTSE 100 um 4,7 Prozent nach. Marktbeobachter verwiesen insbesondere auf charttechnische Signale. Das Papier steuere auf eine klassische «make or break»-Situation hin, wie die HSBC schreibt. Die Marschroute «hopp oder top» sei selten derart zutreffend gewesen. (awp/mc/pg)

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