Europa-Schluss: Volatiler Handelstag endet unspektakulär

Boerse

Paris / London – Europas wichtigste Börsen haben sich am Donnerstag nach einigen Kursschwankungen unspektakulär aus dem Handel verabschiedet. Laut Analyst David Madden von CMC Markets UK entsprachen die von der Europäischen Zentralbank (EZB) beschlossenen Massnahmen gegen die Auswirkungen der Corona-Pandemie mehr oder weniger den Erwartungen der Ökonomen.

Der EuroStoxx 50 knickte am frühen Nachmittag zu Beginn der EZB-Pressekonferenz zum Zinsentscheid und den geldpolitischen Beschlüssen zwar deutlich ein. Zum Handelsschluss notierte er aber nur noch 0,19 Prozent im Minus bei 3522,31 Punkten. Damit blieb der Leitindex der Eurozone in der seit Monatsbeginn bestehenden, engen Handelsspanne zwischen 3500 und 3550 Punkten gefangen.

Für den französischen Cac 40 ging es am Donnerstag letztlich um 0,05 Prozent auf 5549,65 Zähler hoch. Der britische FTSE 100 schlug sich mit einem Plus von 0,54 Prozent auf 6599,76 Punkte sichtlich besser. Er profitierte von der Schwäche des Pfund, die britische Produkte für ausländische Käufer tendenziell verbilligt.

Nach wie vor gibt es keinen Durchbruch im angestrebten Handelsabkommen zwischen Grossbritannien und der Europäischen Union, das nach dem Brexit Ende des Jahres gelten soll. In einem Spitzengespräch am Mittwochabend hatten sich beide Seiten eine Frist bis Sonntagabend gesetzt. Die EU-Kommission schlug derweil Notmassnahmen vor, die im Falle eines Brexit ohne ein Abkommen über die künftigen Beziehungen in Kraft treten sollen.

Europas Währungshüter erhöhen derweil den Schutzwall gegen die wirtschaftlichen Folgen der zweiten Corona-Welle. Die EZB weitet ihr Notkaufprogramm für Staatsanleihen und Wertpapiere von Unternehmen deutlich um 500 Milliarden auf 1,85 Billionen Euro aus. Die Laufzeit wird um neun Monate bis mindestens Ende März 2022 verlängert. Das beschloss der EZB-Rat bei seiner letzten regulären Sitzung in diesem Jahr am Donnerstag in Frankfurt. Zugleich versorgt die Notenbank Geschäftsbanken mit weiteren besonders günstigen Langfristkrediten (PELTROs) und lockert die Bedingungen für bereits laufende Langfristkredite.

Im europäischen Branchenvergleich hatten die Aktien der Öl- und Gaskonzerne die Nase vorn: Deren Subindex im marktbreiten Stoxx Europe 600 gewann rund anderthalb Prozent. Er profitierte davon, dass der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Ölsorte Brent erstmals seit März wieder auf 50 US-Dollar stieg. Dagegen rutschte der Index der Banken mit gut zwei Prozent Minus ans Ende des Branchentableaus.

Die wenigen Unternehmensnachrichten wurden negativ aufgenommen. Die Sorge vor einer scheiternden Übernahme drückte die Aktien des Optik-Einzelhändlers Grandvision mit knapp dreieinhalb Prozent ins Minus. Der französisch-italienische Brillenkonzern EssilorLuxottica überdenkt offenbar die milliardenschwere Übernahme, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg zuvor unter Berufung auf informierte Kreise berichtet hatte. Für die Papiere von EssilorLuxottica ging es um fast ein halbes Prozent nach unten.

Beim Halbleiterhersteller STMicroelectronics sorgte die überraschende Senkung der mittelfristigen Ziele vom Vortag für einen weiteren Kursverlust von rund 1,7 Prozent. Einige Analysten äusserten sich skeptisch zu der Aktie und senkten ihre Kursziele. Am Vortag hatten die Papiere bereits fast 12 Prozent verloren.

In London sackten Anteile des Touristikkonzerns Tui nach Zahlen am Donnerstag um nahezu vier Prozent ab. Die schwindenden Buchungen in der Corona-Krise hatten dem weltgrössten Reiseanbieter im vergangenen Geschäftsjahr einen Verlust von mehr als 3,1 Milliarden Euro eingebrockt. Im Tagesgeschäft habe der Konzern noch schlechter abgeschnitten als ohnehin befürchtet, schrieben mehrere Analysten. (awp/mc/ps)

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