Europa-Schluss: Zins- und Konjunktursorgen verunsichern Anleger

Boerse
(Adobe Stock)

Paris / London – Europas wichtigste Aktienmärkte haben zum Start der neuen Woche nahtlos an ihre schwache Vorstellung vom Freitag angeknüpft. Börsianer begründeten die erneut deutlichen Verluste mit zunehmenden Zins- und Konjunkturängsten. Analyst Konstantin Oldenburger von CMC Markets sprach von einem «erdrückenden Mix aus Belastungsfaktoren».

Der EuroStoxx50 sackte am Montag um 2,15 Prozent auf 3757,59 Punkte ab und fiel auf den tiefsten Stand seit Mitte März. Am Freitag war der Eurozonen-Leitindex bereits um rund 2,2 Prozent abgerutscht. Der französische Cac 40 fiel am Montag um 2,01 Prozent auf 6449,38 Punkte. Der britische FTSE 100 büsste 1,88 Prozent auf 7380,54 Punkte ein.

Eine hohe Inflation, der Krieg in der Ukraine, die fortdauernden Lieferketten-Probleme und die sich zuspitzende Corona-Situation in China riefen Händlern zufolge Rezessionsängste wach. «Die Börsen belastet die Angst, dass die zur Bekämpfung der hartnäckigen Inflation notwendigen Zinserhöhungen den Konjunkturmotor endgültig abwürgen», betonte Kapitalmarktstratege Jürgen Molnar von Robomarkets.

Aus Branchensicht standen vor allem Minenwerte sowie Öl- und Gasaktien unter Verkaufsdruck. Sie litten unter sinkenden Öl- und Rohstoffpreisen. Entsprechend standen die Sektorindizes Stox Europe 600 Basic Resources und Stoxx Europe 600 Oil & Gas mit Verlusten von 6,0 Prozent beziehungsweise 4,8 Prozent ganz unten im europäischen Branchentableau.

Unter den Einzelwerten im EuroStoxx stachen Philips nach Quartalszahlen mit minus 11,3 Prozent negativ hervor. Der Medizintechnikkonzern sieht sich weiterhin Lieferkettenproblemen ausgesetzt. Gestiegene Kosten sowie weitere Rückstellungen für den Rückruf und Austausch von Beatmungsgeräten führten zu einem noch höheren Verlust. Analysten verwiesen zwar auf den leicht über den Erwartungen liegenden Umsatz, doch wie die US-Bank JPMorgan schrieb, ist dieser von geringer Qualität.

Die Papiere des Flughafen- und Mautstrassenbetreibers Vinci gehörten dagegen mit plus 1,3 Prozent zu den Top-Werten des Leit-Index der Eurozone. Anleger reagierten Marktbeobachtern zufolge erleichtert auf den Wahlsieg Macrons. Seine Widersacherin, die rechts gerichtete Marine Le Pen hatte für den Fall ihrer Wahl davon gesprochen, die französischen Autobahnen zu verstaatlichen.

Deutlich besser als der Gesamtmarkt hielten sich auch die Titel des Medienunternehmens Vivendi und schlossen 0,4 Prozent höher. Vivendi hatte vor der Hauptversammlung an diesem Montag seine Umsatzzahlen zum ersten Quartal veröffentlicht, die überraschend stark ausgefallen waren.

Roche gaben um 1,2 Prozent nach. Der Pharmakonzern wuchs im ersten Quartal zwar etwas stärker als erwartet, doch das war einmal mehr der kleineren Diagnostik-Sparte zu verdanken. Diese übertraf dank reissender Absätze mit Corona-Tests die durchschnittlichen Markterwartungen. Dagegen enttäuschte nach Ansicht von Analysten das weitaus grössere Pharma-Geschäft.

Valneva brachen an der Pariser Euronext-Börse um 16 Prozent ein. Der Impfstoffforscher hatte zuvor mitgeteilt, dass der Ausschuss CHMP der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) noch kein grünes Licht für die Zulassung des Corona-Impfstoffs gegeben habe. Stattdessen seien mehr Daten angefordert worden. (awp/mc/pg)

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