Europa-Schluss: Stabilisierungsversuch nach dem Kurseinbruch

Boerse
(Adobe Stock)

Paris / London – Nach einem tiefroten Wochenauftakt haben sich die europäischen Börsen am Dienstag stabilisiert. Der EuroStoxx 50 legte um 0,59 Prozent auf 4078,26 Punkte zu, nachdem er am Montag um mehr als vier Prozent eingebrochen war. Dabei wurden die Nerven der Anleger am Nachmittag aber nochmals auf eine harte Probe gestellt: Kurzzeitig war der Eurozonen-Leitindex mit der erneut schwankungsreichen Wall Street ins Minus abgedreht. Auch in New York stabilisierte sich der Handel aber schnell wieder.

Im Vergleich zu den beiden verlustreichen Vortagen blieb die Erholung denn auch überschaubar. Vor der Sitzung der US-Notenbank und den in dieser Woche anstehenden Quartalszahlen grosser US-Technologiekonzerne war die Bereitschaft, neue Risiken einzugehen, begrenzt. Positive Signale gab es von konjunktureller Seite: Das Geschäftsklima in Deutschland hatte sich im Januar stabilisiert. Im Januar stieg der ifo-Index erstmals wieder seit Sommer 2021.

Auch an den grossen Länderbörsen war Erholung angesagt. In Paris rückte der Cac 40 um 0,74 Prozent auf 6837,96 Punkte vor. Der FTSE 100 in London zog sogar um 1,02 Prozent auf 7371,46 Zähler an.

Gefragt waren im Sektorvergleich vor allem die Bankenwerte. Unter diesen rückten die Titel von BNP Paribas um 3,3 Prozent vor, aber auch andere Schwergewichte der Branche wie Banco Santander oder ING waren mit Kursgewinnen von mindestens 2,4 Prozent unter den besonders grossen Gewinnern im EuroStoxx.

Aus dem Sektor scherten jedoch die Papiere von Credit Suisse in Zürich mit Abgaben von knapp einem Prozent aus. Die schweizerische Grossbank muss weitere deutliche Belastungen hinnehmen. Rückstellungen für bedeutende Rechtsstreitigkeiten dürften das vierte Quartal belasten, teilte das Geldinstitut mit.

Sehr gefragt war ausserdem der Ölsektor. Mit einer Ölpreis-Erholung als Treiber gehörten Eni und Total im EuroStoxx auch zu den Spitzenwerten. Die BP-Aktien fielen in London ausserdem positiv auf mit mehr als vier Prozent Plus. Rohstoffanalyst Carsten Fritsch von der Commerzbank wertete eine vorangegangene Korrektur am Ölmarkt nicht als Zeichen einer Trendwende. Themen wie der Russland-Ukraine-Konflikt dürften einem stärkeren Preisrückgang entgegenstehen, urteilte der Experte.

Ganz unten in der Sektortabelle tauchten einmal mehr die Technologiewerte auf, die damit weiter keinen Boden finden. Der Branchenindex fiel auf den tiefsten Stand seit Ende Mai 2021. Seit Tagen findet dort in Erwartung schnell steigender US-Zinsen ein Abverkauf statt im Schlepptau der New Yorker Nasdaq-Börse. Die Papiere des Tech-Investors Prosus waren am Dienstag denn auch im EuroStoxx das Schlusslicht mit einem Kursverlust von 3,8 Prozent. (awp/mc/ps)

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