Europa-Verlauf: Vorsichtiges Geschäft vor dem Wochenende
Paris/London/Zürich – Europas Aktienmärkte haben am Freitag weiter nachgeben. Vor dem Wochenende hielten sich Marktteilnehmer angesichts des Irak-Krieges und des weiter gestiegenen Ölpreises zurück. «Die jüngste Verlängerung des Ultimatums durch Donald Trump sorgt nicht für Entspannung», so Timo Emden, Marktanalyst von Emden Research. «Die erneute Fristverlängerung wirkt wie weniger ein diplomatischer Fortschritt als vielmehr wie ein Zeichen dafür, dass eine tragfähige Einigung weiterhin auf sich warten lässt.»
Der EuroStoxx50 sank am Mittag um 1,09 Prozent auf 5505,16 Punkte. Der Schweizer SMI hielt sich dank der Stärke der defensiven Schwergewichte mit einem Minus von 0,59 Prozent auf 12.566,98 Zähler etwas besser, während der britische FTSE 100 um 0,4 Prozent auf 9.932,40 Punkte fiel.
Dabei warfen auch die Inflationsdaten für den Euroraum in der kommenden Woche ihre Schatten voraus. «Höhere Inflationszahlen für März dürften nur ein Vorgeschmack dessen sein, was bei einem andauernden Iran- bzw. Energiekrieg in den kommenden Wochen droht», sagte Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck. Einen ersten Eindruck lieferten Zahlen aus Spanien. Dort hatte sich die Inflation im März wegen des Ölpreisschocks im Zuge des Iran-Kriegs deutlich verstärkt. Die nach europäischen Standards berechneten Verbraucherpreise (HVPI) legten im Jahresvergleich um 3,3 Prozent zu.
Schwächster Sektor waren die Medienwerte. Hier brachen die Aktien von CTS Eventim wegen eines enttäuschenden Jahresausblicks um 19 Prozent ein. JPMorgan-Analystin Lara Simpson rechnet damit, dass die Ziele des Ticketvermarkters «für Diskussionen sorgen dürften».
Chemiewerte profitierten dagegen von der Stärke des Schwergewichts BASF . Die US-Investmentbank Morgan Stanley hatte das Kursziel für von 52 auf 58 Euro angehoben und die Einstufung auf «Overweight» belassen. Die Probleme in der Rohstoffversorgung im Zuge des Nahost-Kriegs dürften die asiatischen Chemiekonzerne kostenseitig härter treffen als die europäische Konkurrenz. BASF gewannen knapp ein Prozent.
Vergleichsweise stabil präsentierten sich auch die defensiven Pharmawerte. Hier gab es eine Übernahme. Der Schweizer Pharmakonzern Novartis will für bis zu zwei Milliarden US-Dollar das US-Biotechunternehmen Excellergy kaufen.
Auch im ansonsten unspektakulären Nahrungs- und Getränkesektor sorgte eine Unternehmensnachricht für Aufmerksamkeit. Pernod Ricard und der Jack-Daniels-Hersteller Brown-Forman führen Gespräche über einen möglichen Zusammenschluss, um sich in einem schwächeren Spirituosenmarkt besser aufzustellen. Pernod kletterten darauf um drei Prozent. Allerdings hat die Aktie seit den bisherigen Jahreshochs rund 30 Prozent verloren, was den Anstieg relativiert. (awp/mc/pg)