Europa-Schluss: Aussicht auf Zinserhöhung belastet erneut

Boerse
(Adobe Stock)

Paris/London – An Europas Börsen haben auch am Dienstag Vorsicht und Zurückhaltung geherrscht. Vor einer absehbaren neuerlichen kräftigen Zinserhöhung der US-Notenbank Fed am Mittwoch wollten Anleger kein Risiko eingehen. Der Eurozone-Leitindex EuroStoxx 50 verlor 0,78 Prozent auf 3475,18 Punkte und lotete ein weiteres Tief seit Anfang März aus. Damit setzte sich die Kursschwäche der vergangenen Börsentage fort.

Die Fed könnte den Kampf gegen die hohe Inflation intensivieren. An den Finanzmärkten wird eine Zinserhöhung um 0,50 oder 0,75 Prozentpunkte als möglich angesehen. «Wegen der unerwartet hohen Inflation im Mai besteht erneut die Möglichkeit einer Erhöhung um 0,75 Punkte», schrieb Volkswirt Gilles Moëc von Axa Investment Managers. Die Frage sei, wie viel Wirtschaftsleistung die Fed zu opfern bereit sei, um die Inflation unter Kontrolle zu bekommen.

Für den französischen Leitindex Cac 40 ging es um 1,20 Prozent auf 5949,84 Punkte abwärts. Der britische FTSE 100 hielt sich mit einem Minus von 0,25 Prozent auf 7187,46 Zähler besser. Hier stützen die Kursgewinne von Banken wie Standard Chartered , Lloyds und HSBC , die von steigenden Zinsen profitieren.

Europaweit waren die Banken mit einem Plus von gut einem Prozent stärkster Sektor. ING legten an der Spitze des EuroStoxx 50 um gut drei Prozent zu. Analysten äusserten sich positiv zu dem Kapitalmarkttag der niederländischen Bank. Der jüngste Kursrückgang eröffne mittelfristig orientierten Investoren eine Kaufgelegenheit, schrieb Analyst Raul Sinha von JPMorgan. Stabile Kurse verzeichnete mit den Versicherern ein weiterer Sektor, dem steigende Zinsen tendenziell helfen.

Verluste verbuchten dagegen Sektoren, denen höhere Zinsen und die daraus resultierenden konjunkturellen Risiken eher schaden. So lag der konsumorientierte Einzelhandelssektor auf einem hinteren Platz des Sektortableaus, grösster Verlierer waren die stark konjunkturabhängigen Bauwerte .

Die Anteile von Akzo Nobel büssten mehr als vier Prozent ein und belasteten auch den europäischen Chemiesektor. Die Niederländer hatten sich weniger zuversichtlich zum Gewinn im Geschäft mit Farben im zweiten Quartal geäussert und dies mit den Lockdowns in China begründet.

Aktien des französischen IT-Dienstleisters Atos brachen um fast ein Viertel ein. Das angeschlagene Unternehmen erwägt eine Aufspaltung in zwei börsennotierte Firmen. Aus Atos hervorgehen könnte ein Unternehmen für die Verarbeitung grosser Datenmengen (Big Data) und Cyber-Sicherheit namens Evidian. Das schwächelnde IT-Outsourcing und IT-Management würde unter dem Namen Atos weiterlaufen. (awp/mc/pg)

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