Europa-Schluss: Erholung schwächt sich ab

Boerse

London – Europas wichtigste Aktienmärkte haben am Dienstag ihren klaren Erholungskurs vom Wochenstart gebremst fortgesetzt. Die Anleger werden etwas zuversichtlicher, dass die Coronavirus-Pandemie in den meisten europäischen Ländern ihren Höhepunkt erreicht hat oder schon bald erreichen wird. In vielen Hot Spots der Welt hat das Wachstum der Neuinfektionen bereits nachgelassen.

Der Leitindex der Eurozone, der EuroStoxx 50, schloss 2,21 Prozent höher bei 2857,67 Punkten, nachdem er am Montag noch um rund 5 Prozent in die Höhe geschnellt war. Damit bewegt sich das Börsenbarometer inzwischen wieder auf dem Niveau von Mitte März.

Der französische Cac 40 gewann 2,12 Prozent auf 4438,27 Zähler. Für den Londoner FTSE 100 ging es um 2,19 Prozent auf 5704,45 Punkte nach oben.

Die Anleger schauten zudem auch schon auf das Treffen der OPEC+ am Donnerstag und den G20-Ölgipfel am Freitag. „Es ist jetzt wichtig, dass der Ölpreis stabilisiert wird, um unnötige Kreditrisiken inmitten der ohnehin schon unkalkulierbaren negativen wirtschaftlichen Effekte durch den Corona-Shutdown zu vermeiden“, schrieb Marktanalyst Jochen Stanzl vom Handelshaus CMC Markets. Eine ausbleibende Einigung bei den Fördermengen könne zu einem neuen Ausverkauf am Ölmarkt führen und damit auch den Aktienmarkt wieder belasten.

Mittlerweile haben mehrere europäische Länder erste Lockerungen ihrer in der Corona-Krise ergriffenen Massnahmen angekündigt. Italien hat den dritten Tag in Folge weniger Patienten auf der Intensivstation und einen geringfügigeren Anstieg der Infektionen genannt. Auch in Spanien setzte sich die positive Tendenz im Kampf gegen die Corona-Pandemie weiter fort.

Nun will auch die deutsche Bundesregierung über eine Lockerung der Massnahmen zur Eindämmung des Virus nachdenken. „Damit rückt auch ein Ende des wirtschaftlichen Stillstands in greifbare Nähe“, sagte Marktanalyst Milan Cutkovic von AxiTrader. Insofern dränge sich schon der Verdacht auf, bei der aktuellen Rally könne es sich um mehr als nur eine Bärenmarktrally – also um eine Zwischenerholung in einem grösseren Abwärtstrend – handeln. Andere Experten sind da vorsichtiger und halten eine weitere Verkaufswelle für möglich.

Aus Branchensicht führten die Aktien aus dem Reise- und Freizeitsektor mit plus 6,6 Prozent die Erholung an. Die von der Viruskrise zuletzt besonders stark belasteten Papiere von Safran und Airbus waren mit Gewinnen von 6,9 Prozent beziehungsweise 6,6 Prozent sehr weit oben im EuroStoxx zu finden.

Der Flugzeugbauer Airbus hatte mitgeteilt, die Produktion wegen der Corona-Krise in drei weiteren Werken zu unterbrechen. Analyst Sandy Morris von Jefferies sah darin zwar keine gute Nachricht, hält die bisher ergriffenen Massnahmen aber für weniger schlimm als von ihm noch vor rund drei Wochen befürchtet.

Nach Angaben der Generaldirektorin von Air France, Anne Rigail, ist die Fluggesellschaft Air France-KLM mit Frankreich und den Niederlanden im Gespräch über eine mögliche Finanzhilfe angesichts der Coronavirus-Krise. Die Gruppe verfüge über Geldbestände in Höhe von sechs Milliarden Euro, sagte Rigail der Tageszeitung „Le Figaro“. Die Aktien steigen um rund 4 Prozent.

An der EuroStoxx-Spitze schnellten die Papiere von Amadeus IT um 10,6 Prozent in die Höhe. Die britische Investmentbank HSBC hatte die Aktien des Anbieters von Reisebuchungssystemen zum Kauf empfohlen.

In Kopenhagen zogen die Anteilscheine des Windkraftanlagenbauers Vestas nach vorläufigen Quartalszahlen um knapp sechs Prozent an. Analyst Ajay Patel von der US-Investmentbank Goldman Sachs wertete den Auftragseingang als positiv. (awp/mc/ps)

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