Europa-Schluss: Zinshoffnungen treiben die Märkte weiter an

Europa-Schluss: Zinshoffnungen treiben die Märkte weiter an
(Adobe Stock)

Paris / London – Die europäischen Börsen haben nach den deutlichen Vortagesgewinnen am Donnerstag weiter zugelegt. Die Hoffnungen auf ein absehbares Ende des Zinserhöhungszyklus in den Vereinigten Staaten, die die US-Inflationsdaten am Vortag geweckt hatten, stützten erneut.

Der EuroStoxx 50 als Leitindex der Eurozone gewann 0,72 Prozent auf 4391,76 Punkte. Der französische Cac 40 stieg um 0,50 Prozent auf 7369,80 Punkte, während der britische FTSE 100 ein Plus von 0,32 Prozent auf 7440,21 Zähler schaffte.

Mit den US-Daten hatten sich die Hoffnungen des Marktes erfüllt. Zwar rechne die Mehrheit der Marktteilnehmer in den USA mit einer Leitzinserhöhung von 0,25 Prozentpunkten auf der nächsten Notenbanksitzung am 26. Juli, dennoch werde ein Ende des Zinserhöhungszyklus immer wahrscheinlicher, schrieb Analyst Christian Henke vom Handelshaus IG Markets und resümierte. «Eine gute Nachricht für die Finanzmärkte.»

Etwas gebremst wurde der Vorwärtsdrang von enttäuschenden Wirtschaftsdaten aus China. «Die Exporte aus dem Reich der Mitte brachen im Juni um mehr als zwölf Prozent ein, es ist der grösste Rückgang seit dem Corona-Crash», betonte Kapitalmarktstratege Jürgen Molnar vom Handelshaus Robomarkets. Allerdings liessen die Daten auch eine positive Interpretation zu. Sie könnten darauf hindeuten, «dass die Weltwirtschaft bereits im Tief der Delle angekommen ist und so die Nachfrageschwäche nach chinesischen Produkten verursacht.»

Die zinssensiblen Technologiewerte waren europaweit erneut gesucht. Starke Vorgaben aus den USA stützten den Sektor. Dies- und jenseits des Atlantiks profitierten Tech-Aktien von den aktuell sinkenden Renditen am Anleihenmarkt. Dadurch werden die in ferner Zukunft erwarteten, hohen Gewinne der Tech-Unternehmen am Markt aktuell wieder höher bewertet.

Günstige Signale gab es auch für die Luxusgüterbranche. Aktien von Swatch legten dank starker Halbjahreszahlen deutlich zu und schoben auch andere Werte des Sektors an. Die Aktien schlossen 6,9 Prozent im Plus. Der Uhrenkonzern hatte mit dem Umsatz und den Ergebnissen die bereits hohen Erwartungen der Analysten übertroffen. Konzernchef Nick Hayek rechnet zudem mit einem weiterhin «ausgezeichneten» Geschäftsverlauf.

Nicht ganz so gut sah es bei einem anderen schweizerischen Unternehmen aus. Der weltgrösste Schokoladenproduzent Barry Callebaut hatte in den ersten neun Monaten seines Geschäftsjahres (per Ende Mai) weniger Schokolade verkauft. Die Papiere fielen um 1,5 Prozent.

Im Autosektor ragten unterdessen Valeo mit 3,2 Prozent Aufschlag hervor und profitierten damit von einem positiven Analystenkommentar der Investmentbank Stifel. Mitte Juni habe der Autozulieferer mit seinen Margensignalen bereits jegliche Unsicherheit bezüglich der Halbjahresergebnisse beseitigt, schrieb Experte Pierre-Yves Quemener. Das zweite Halbjahr dürfte durch die Bank noch besser werden.

Dagegen liess mit Schneider Electric ein anderer französischer Standardwert Federn, nachdem sich die Bank of America kritisch zu den Papieren des Elektrokonzerns geäussert hatte. Analyst Alexander Virgo verwies auf die stagnierende Ertragsdynamik und die rekordhohe Bewertung der Anteilscheine im Vergleich zum Sektor. Diese fielen um 2,1 Prozent und waren damit das klare Schlusslicht im EuroStoxx. (awp/mc/ps)

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