Julius Bär-Aktien verlieren nach Übernahme deutlich

Privatbank Julius Baer

Zürich – Die Aktien der Vermögensverwalters Julius Bär notieren am Montag im frühen Handel deutlich im Minus. Die Gruppe hat vorbörslich die Übernahme des internationalen (nichtamerikanischen) Wealth Management-Geschäfts (IWM) der Bank of America/Merrill Lynch (BoA/ML) für rund 860 Mio CHF bekannt gegeben. IWM verwaltete per Ende Juni 2012 Vermögen von rund 84 Mrd USD. Bei der Transaktion setzt das Institut auf eine Kombination von Übernahmen rechtlicher Einheiten und von Geschäftsaktivitäten. Analysten reagieren zurückhaltend auf die Nachrichten und verweisen darauf, dass die Übernahme bereits länger erwartet worden sei.

Bis zum Mittag verlieren Julius Bär 5,3%, obwohl im vorbörslichen Handel noch ein Plus von über 2% indiziert worden war.

Erwarteter Deal
Aufgrund der seit mehreren Wochen kursierenden Akquisitionsspekulationen überrasche der Kauf kaum, schreiben die Kommentatoren von Notenstein. Dies wird auch von den Analysten der UBS bestätigt. Der Deal sei gemeinhin erwartet worden, so die zuständigen Analysten. Zum Preis schreiben die Experten der Bank, dieser sei mit 1,2% der transferierten Vermögen im Rahmen der jüngsten Geschäfte, aber sicher unter dem historischen Durchschnitt.

Kommentatoren verweisen auf Risiken
Das Umfeld für die Banken sei durch die geringe Kundenaktivität und die zunehmenden Regulierung sowie den steigenden Protektionismus derzeit alles andere als rosig, heisst es bei Notenstein weiter. Zudem verweisen die Kommentatoren auf die mit der Übernahme verbundenen Risiken. Geldinstitute würden mit zunehmender Grösse immer komplizierter zu führen und zu kontrollieren. Zudem dürften Investoren ein Fragezeichen hinter der Kompatibilität der beiden Unternehmenskulturen setzen.

Verkaufspreis eher hoch eingeschätzt
Auch die Analysten der UBS äussern Vorbehalte. Es bestünden signifikante Unsicherheiten in Bezug auf die Integration und Durchführung der Übernahme über einen Zeitraum von beinahe drei Jahren. Die Bank Vontobel erachtet den Preis als eher teuer, insbesondere wenn man die Integrationskosten, die Umsetzungsrisiken und den höheren Bedarf an zusätzlichem Kapital berücksichtige. Die Risiken seien 2013 und 2014 sehr hoch, so die Analysten der Bank. Sie halten zudem eine EPS-Steigerung um 15% bis 2015 für recht bescheiden.

Aktivitäten in zukunftsträchtigen Wachstumsmärkten
Positiv erwähnen Marktkommentatoren den Fakt, dass rund zwei Drittel der Aktivitäten von IWM in den neuen zukunftsträchtigen Wachstumsmärkten liegen. Auch bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB) heben die Analysten diesen Fakt hervor. Insgesamt würden damit künftig knapp 50% der AuM von Bär aus Wachstumsmärkten stammen und noch ein Drittel aus Europa. Zudem verbessere sich das gegenwärtige Verhältnis von Off- und On-shore-Geldern. (awp/mc/pg)

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