Ölpreise geben deutlich nach – Situation im Iran dominiert Geschehen
London – Die Ölpreise haben am Donnerstagmorgen wegen der Hoffnung auf einen erst mal ausbleibenden Militärschlag der USA gegen den Iran kräftig nachgegeben. Sie gaben rund ein Drittel ihrer Kursgewinne, die sie infolge der Eskalation im Iran erzielt hatten, ab. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent fiel in London im frühen Handel um knapp zwei Dollar oder fast drei Prozent auf 64,65 Dollar. Am Mittwoch war er noch bis auf fast 67 Dollar und damit den höchsten Stand seit Oktober gestiegen.
Vor einer Woche, also bevor sich die Lage im Iran zunehmend verschärft hatte, kostete Brent-Öl noch rund 60 Dollar. Der Preis für US-Öl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) entwickelte sich in den vergangenen Tagen ähnlich. Am Donnerstagmorgen fiel er rund 2 Dollar auf 60 Dollar. Die Entwicklung der Ölpreise hängt derzeit vorwiegend an der Situation im Iran.
Nach dem brutalen Vorgehen iranischer Sicherheitskräfte gegen die Massenproteste wächst grundsätzlich die Sorge vor einem militärischen Konflikt. Entwicklungen in der Region wie Warnungen diplomatischer Vertretungen, aber auch Massnahmen des US-Militärs und Flugstreichungen lösten Befürchtungen aus, dass US-Präsident Donald Trump seine Drohungen gegen die politische Führung in Teheran wahr machen könnte.
Investoren am Ölmarkt deuteten Aussagen von Trump am Mittwochabend als Zeichen dafür, dass ein militärisches Vorgehen der Vereinigten Staaten nicht unmittelbar bevorsteht. Trump hatte erklärt, dass ihm zugesichert worden sei, dass der Iran die Tötung von Demonstranten einstellen werde. Dies deutet womöglich darauf hin, dass er von einer angedrohten militärischen Reaktion auf die Niederschlagung der landesweiten Demonstrationen absehen könnte.
Neben der Lage im Iran steht weiter die Situation im ölreichen südamerikanischen Land Venezuela im Blickpunkt. Hier hatte sich Trump zuletzt zufrieden mit der aktuellen Führung Venezuelas gezeigt. Er habe ein langes Telefonat mit der geschäftsführenden Präsidentin Delcy Rodríguez gehabt. Trump nannte sie eine grossartige Person. Worauf er sich bei seiner Einschätzung konkret bezog, machte Trump nicht deutlich.
Der US-Präsident schrieb auf der Plattform Truth Social, man habe bei dem Telefonat mehrere Themen diskutiert, darunter Öl, Mineralien, Handel und Nationale Sicherheit. Trump schrieb, dass die Partnerschaft zwischen den USA und Venezuela «FÜR ALLE» spektakulär sein werde. Das südamerikanische Land werde bald wieder grossartig und wohlhabend sein, versprach er.
Die USA hatten Anfang Januar bei einem Militäreinsatz in Caracas den autoritär regierenden Staatschef Nicolás Maduro entmachtet und gefangengenommen. Sie werfen ihm vor, die USA mit Drogen überschwemmt zu haben. Er weist die Vorwürfe zurück. Er sitzt in den USA im Gefängnis. (awp/mc/ps)