Britische Finanzmärkte reagieren verschnupft auf Schottland-Umfrage

London Stock Exchange

London – An den Finanzmärkten hat sich das erhöhte Risiko einer Loslösung Schottlands von Grossbritannien bemerkbar gemacht. Das britische Pfund geriet am Montag ebenso unter Druck wie britische Aktien und Staatsanleihen. Heftige Reaktionen blieben aber aus.

Am Wochenende hatte eine Umfrage des Forschungsinstituts YouGov erstmals eine Mehrheit für eine Abspaltung Schottlands vom Vereinigten Königreich ergeben. Auch Analysten wiesen auf die grössere Gefahr einer Spaltung Grossbritanniens hin. Zugleich relativierten sie, dass die Umfrage lediglich eine von mehreren sei, die regelmässig durchgeführt würden.

Analysten beruhigen
Das Pfund gab zum Wochenauftakt jedoch klar nach. Am Montagvormittag fiel die britische Währung gegenüber dem amerikanischen Dollar um 0,9 Prozent auf 1,6145 Dollar zurück. Das ist der tiefste Stand seit November 2013. Auch zum Euro gab das Pfund nach. Am britischen Aktienmarkt fiel der Börsenindex FTSE 100 um gut 0,3 Prozent zurück. Die Rendite zehnjähriger britischer Staatsanleihen erhöhte sich moderat auf 2,48 Prozent.

Die Schotten werden am 18. September darüber entscheiden, ob sie weiter zu Grossbritannien gehören oder einen eigenständigen Staat haben wollen. Bisher waren die Gegner einer Loslösung in allen Umfragen in der Überzahl gewesen.

Folgen einer Abspaltung
«Ein Umfrageergebnis allein bedeutet nicht, dass eine Abspaltung jetzt sehr wahrscheinlich ist», kommentierte Robert Wood, Chefökonom für Grossbritannien bei der Berenberg Bank. Wie Experte Malcolm Barr von JP Morgan verwies er auf das knappe Ergebnis, das im Rahmen gewöhnlicher Messfehler liege. «Allerdings haben die Befürworter einer Abspaltung Schwung gewonnen», sagte Wood. Analysten unterstrichen, dass es weitere Umfragen anderer Institute gebe, die immer noch eine Mehrheit gegen die Loslösung Schottlands zeigten.

Sollte es anders kommen, sehen Beobachter Risiken sowohl für Schottland als auch das Vereinigte Königreich. Viele Fragen, die sich aus einer Abspaltung ergeben würden, sind bisher unbeantwortet. Wirtschaftlich gilt es unter anderem als fraglich, welche Währung ein eigenständiges Schottland haben würde. Die Befürworter einer schottischen Unabhängigkeit möchten gerne das Pfund behalten, was die Londoner Regierung aber strikt ablehnt. Politisch sehen Beobachter im Falle einer Loslösung Schottlands ein erhöhtes Risiko, dass sich der Rest des Vereinigten Königreichs weiter von der Europäischen Union abwendet und eventuell ganz austritt. (awp/mc/ps)

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