CH-Schluss: SMI verliert 0,9% auf 9’657 Punkte

Boerse

Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt hat am Montag vorerst seinen Gipfelsturm unterbrochen. Die überraschende Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, höhere Zölle auf chinesische Produkte verhängen zu wollen, hat Investoren auf dem falschen Fuss erwischt und sorgte weltweit für nachgebende Kurse. Der Schweizer Leitindex verlor zeitweise fast 1,9 Prozent, erholte sich bis Handelsschluss aber wieder spürbar.

Von Marktteilnehmern wurden die Drohungen teilweise als Verhandlungstaktik gewertet. Trump wolle möglichst rasch zu einem Ergebnis kommen. Aber auch China habe grosses Interesse an einer Übereinkunft. Aus Peking hiess es, man wolle vorerst an weiteren Handelsgesprächen mit den USA festhalten. Das chinesische Verhandlungsteam bereite sich darauf vor, zu Gesprächen in die USA zu reisen, wurde der Aussenamtssprecher Geng Shuang am Montag in Peking in Medien zitiert. Den bisher ins Auge gefassten Termin am Mittwoch wollte der Sprecher allerdings nicht bestätigen.

Der Swiss Market Index (SMI) schloss 0,87 Prozent tiefer auf 9’657,24 Punkten (Tagestief 9’561). Erst am Freitag hatte der Leitindex bei 9’786,51 Punkten eine neue Rekordmarke erreicht. Der 30 Aktien umfassende Swiss Leader Index (SLI) fiel um 1,35 Prozent auf 1’504,10 Zähler zurück und der breite Swiss Performance Index (SPI) um 0,39 Prozent auf 11’676,14 Punkte. Von den 30 Top-Werten schlossen 23 im Minus, vier im Plus und drei unverändert.

Die höhere Nervosität zeigte sich auch am Schweizer Volatilitätsindex VSMI. Er quantifiziert das erwartete Risiko am Schweizer Aktienmarkt. Er schnellte zeitweise um mehr als 20 Prozent auf 14,21 Punkte nach oben, so hoch wie zuletzt Ende März.

Wie ein Händler kommentierte, reagierte der Markt bisher wie in Krisenzeiten üblich: Zykliker mit hoher China-Abhängigkeit gaben am meisten nach, defensive Werte hielten sich vergleichsweise gut oder waren sogar gefragt.

So waren die Aktien des Halbleiterherstellers AMS (-5,3%), des Industriekonzerns ABB (-3,7%), der Mäuseherstellerin Logitech und des Logistikers Kühne + Nagel (je -2,60%) in der Spitzengruppe der Verlierer zu finden. Auch andere Zykliker wie LafargeHolcim (-2,1%) Lonza (-2,0%) oder Clariant (-1,4%) büssten deutlicher ein. Die Uhrenhersteller Swatch (-2,4%) und Richemont (-1,2%) gaben ebenfalls ab.

Grösste Verlierer waren nach dem Dividendenabgang um 70 Rappen die UBS-Valoren mit -5,9 Prozent auf 12,77 Franken. Bereinigt betrug das Minus jedoch nur 0,7 Prozent. Andere wichtige Finanzwerte wie Julius Bär (-2,2%), CS, Swiss Re (je -2,0%) oder Swiss Life (-1,6%) schwächelten ebenfalls.

Demgegenüber schlossen die Titel des Pharmariesen Novartis unverändert und Roche gaben mit -0,5 Prozent vergleichsweise wenig ab. Die beiden Pharmawerte standen mit der aktuell in Philadelphia laufenden Neurologen-Fachtagung AAN im Fokus. Novartis hatte am Sonntag erste Daten präsentiert, die von Händlern überwiegend positiv bewertet werden.

Zu den defensiven Titeln gehörten auch die Swisscom-Aktien, die mit -0,3 Prozent nur leicht tiefer schlossen. Hier stützten Meldungen, wonach kantonale Moratorien zum Mobilfunkstandard 5G mit dem Gesetz kollidieren. Swisscom-Chef Urs Schaeppi hatte bereits vor einer Woche betont, dass die Moratorien diverser Kantone gegen Bundesrecht verstiessen.

Die Titel des Lebensmittelmultis Nestlé (+0,6%) konnten sogar zulegen, ebenso wie Alcon (+0,5%), Givaudan und Geberit (je +0,2%). Adecco und Sika schlossen unverändert.

Im breiten Markt gehörten etwa Arundel (-8,2%), BVZ (-6,0%) oder Schlatter (-4,7%) zu den grösseren Verlieren.

Dagegen konnten die Aktien von Landis+Gyr nach überraschend publizierten Jahreszahlen um 9,6 Prozent zulegen. Der Stromzählerproduzen hat im Geschäftsjahr 2018/19 etwas mehr Umsatz erzielt und die Profitabilität stärker als erwartet verbessert. Im neuen Geschäftsjahr soll es ähnlich weitergehen. (awp/mc/ps)

SIX Swiss Exchange

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