US-Schluss: Ausverkauf geht weiter

US-Schluss: Ausverkauf geht weiter

New York – Der Ausverkauf am US-Aktienmarkt hat sich am Mittwoch fortgesetzt. Erneut schwache Konjunkturdaten gaben den Sorgen um die weltgrösste Volkswirtschaft sowie die globale Konjunkturentwicklung neue Nahrung.

Der Dow Jones Industrial schloss 1,06 Prozent im Minus bei 16 141,74 Punkten. Damit kam der Leitindex noch glimpflich davon – bei Kursabschlägen im Handelsverlauf von bis zu 2,82 Prozent hatte ihm zwischenzeitlich der grösste Tagesverlust seit Jahren gedroht. Der marktbreite S&P-500-Index verabschiedete sich 0,81 Prozent tiefer bei 1862,49 Punkten. Im Gegensatz zum Dow ist er auf Jahressicht aber immer noch im Plus, wenn auch nur weniger als 1 Prozent. Der technologielastige Nasdaq-100-Index fiel um 0,64 Prozent auf 3785,97 Punkte.

Die schwachen Daten deuten laut Analyst Johannes Jander von der Helaba eher auf eine spätere als frühere erste Leitzinserhöhung der US-Notenbank Fed seit der Finanzkrise hin. Doch auch das half dem Markt nicht. Die Anleger zweifeln generell zunehmend an der Fähigkeit der grossen Notenbanken, mit einer Fortsetzung oder gar Ausweitung der lockeren Geldpolitik der Konjunktur Impulse zu geben.

Neben den US-Einzelhandelsumsätzen war zur Wochenmitte auch der Empire-State-Index, der die Stimmung in der Industrie des US-Bundesstaats New York misst, überraschend deutlich zurückgegangen. Zudem waren entgegen den Erwartungen die Erzeugerpreise gefallen und die Lagerbestände der amerikanischen Unternehmen hatten weniger zugelegt als von Volkswirten prognostiziert. Zuletzt richteten sich die Blicke noch auf den Konjunkturbericht der Fed, das sogenannte „Beige Book“. Demnach sehen die Währungshüter die konjunkturelle Entwicklung in den USA weiterhin leicht optimistisch.

Auf Unternehmensseite bestimmten Quartalsresultate und Übernahmeaktivitäten das Bild. Die Aktien der Bank of America büssten nach Zahlen zum dritten Quartal 4,60 Prozent ein. Eine Milliardenstrafe wegen dubioser Hypothekendeals vor der Finanzkrise hatte den Nettogewinn gegenüber dem Vorjahr um mehr als 90 Prozent einbrechen lassen. Die Erträge waren leicht zurückgegangen. Unternehmenschef Brian Moynihan zeigte sich dennoch zufrieden und sprach von einem soliden Geschäftsverlauf: „Wir konnten die Profitabilität in den meisten Bereichen verbessern.“ Die Zahlen übertrafen insgesamt etwas die Erwartungen von Analysten.

Besser hielten sich die Aktien von BlackRock, die um 1,18 Prozent zulegten. Der weltweit grösste Vermögensverwalter hatte den Gewinn im dritten Quartal deutlich gesteigert. Beim Halbleiterkonzern Intel stand hingegen ein Kursrutsch von 2,69 Prozent zu Buche. Der am Vortag nach Handelsschluss veröffentlichte Umsatzrekord und ein deutliches Gewinnwachstum halfen den Titeln nicht. Die Aktien des Handelskonzerns Wal-Mart verloren nach einer gesenkten Umsatzprognose 3,57 Prozent.

Für die Aktien des Pharmakonzerns Abbvie ging es um 0,92 Prozent nach oben. Die eigentlich schon sicher geglaubte Übernahme des irisch-britischen Konkurrenten Shire steht überraschend auf der Kippe. Abbvie hatte geplant, durch den Kauf seinen steuerrechtlichen Sitz auf die britischen Inseln zu verlegen und so mit der niedrigeren Steuerquote in Grossbritannien reichlich Geld zusparen. Dem schob nun aber eine im September erlassene neue Regelung der US-Finanzbehörde einen Riegel vor. In London waren die Shire-Aktien daher um über 20 Prozent abgestürzt.

Zu den Gewinnern am US-Aktienmarkt gehörten auch die Anteilsscheine von Chiquita Brands International, die um 5,09 Prozent auf 13,83 US-Dollar anzogen. Im Werben um den Bananenkonzern legt der brasilianische Safthersteller Cutrale Group nun noch eine Schippe drauf. Zusammen mit dem Firmenkonglomerat Safra hob Cutrale sein Angebot um einen Dollar je Aktie auf nun 14 Dollar an. Insgesamt würden sich die beiden Bieter Chiquita damit 658 Millionen Dollar kosten lassen. Ob das Chiquita-Management darauf eingeht, bleibt abzuwarten. Der Konzern hatte sich bereits im März auf ein Zusammengehen mit dem irischen Konkurrenten Fyffes geeinigt.

Die Qualcomm-Papiere hielten sich mit minus 0,92 Prozent besser als der Markt. Der weltgrösste Handychiphersteller will seinen britischen Konkurrenten CSR übernehmen. Für den Pionier der Bluetooth-Technologie, die drahtlos elektronische Geräte verbindet, wollen die Amerikaner knapp 2,5 Milliarden US-Dollar (2 Mrd Euro) zahlen, wie beide Seiten mitteilten. Der Preis liegt 37 Prozent über dem Börsenwert von CSR am Vortag. Die CSR-Titel hatten in London knapp 30 Prozent an Wert gewonnen. (awp/mc/upd/ps)

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