US-Schluss: Dow unter Druck – Inflation unerwartet hoch

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(Adobe Stock)

New York – Der US-Leitindex Dow Jones Industrial hat am Mittwoch seine jüngsten Verluste ausgeweitet. Die Rezessionssorgen hatten zugenommen, nachdem das Arbeitsministerium überraschend hohe Verbraucherpreise für Juni gemeldet hatte. Die Entwicklung spricht zwar für weitere deutliche Zinsanhebungen durch die US-Notenbank Fed zur Bekämpfung der Teuerung. Selbst ein Zinsschritt um einen Prozentpunkt wie zur Wochenmitte von der Notenbank Kanadas unternommen erscheint derzeit möglich. An der grundsätzlichen Erwartung, dass die Fed ihren begonnenen Kurs zügig und entschlossen fortsetzen dürfte, änderten die Zahlen aber nichts Wesentliches.

Vor diesem Hintergrund konnte der Aktienmarkt die Inflationszahlen insgesamt relativ gut verkraften. So fiel der Dow am Ende nur um 0,67 Prozent auf 30 772,79 Punkte, nachdem er im frühen Handel noch rund 1,5 Prozent eingebüsst hatte. Für den marktbreiten S&P 500 ging es nach kurzen Ausflügen in die Gewinnzone letztlich um 0,45 Prozent auf 3801,78 Zähler nach unten. Der Technologie-Auswahlindex Nasdaq 100 verlor 0,14 Prozent auf 11 728,53 Punkte.

Die Verbraucherpreise stiegen im Juni auf Jahressicht um 9,1 Prozent. Es ist der höchste Wert seit über 40 Jahren. Damit verstärkt sich der Druck auf die Fed, die Leitzinsen kräftig anzuheben. Höhere Zinsen aber verteuern Verbraucherkredite sowie Investitionen von Unternehmen und können so die wirtschaftlichen Aktivitäten erheblich dämpfen.

«Die Juni-Daten zu den Verbraucherpreisen haben die Inflationssorgen der Fed nicht gemindert», schrieb Johannes Mayr, Chefvolkswirt beim Vermögensverwalter Eyb & Wallwit. Zudem stiegen die Rezessionssorgen am Markt. Denn der Druck auf die Konjunktur habe bereits deutlich zugenommen und werde sich – getrieben durch die erheblichen Kaufkraftverluste und die bereits deutliche Straffung der Finanzierungskonditionen – weiter verstärken.

Mit Blick auf die Einzelwerte gerieten die am Vortag noch sehr starken Aktien von Fluggesellschaften deutlich unter Druck. Anleger reagierten verärgert darauf, dass Delta Air Lines im zweiten Quartal beim Ergebnis schlechter abgeschnitten hatte als erwartet und auch für den Rest des Jahres mit hohen operativen Kosten rechnet. Denn am Dienstag hatte American Airlines mit robusten Geschäftszahlen für gute Laune im Sektor gesorgt. Nun sackten die Papiere von Delta Air Lines unter den schwächsten Werten im S&P 500 um 4,5 Prozent ab. Die Anteilscheine von American Airlines büssten einen Teil ihrer Vortagesgewinne ein und fielen um 3,1 Prozent.

Twitter fordert von Tech-Milliardär Elon Musk vor Gericht, die vereinbarte Übernahme des Online-Dienstes umzusetzen. Dafür reichte das Unternehmen eine Klage im Bundesstaat Delaware ein. Das zuständige Gericht kann den Vollzug einer Übernahme anordnen, was Twitter auch ausdrücklich fordert. Die Aktien stiegen um fast acht Prozent.

Unter den weiteren Tech-Werten legten die Papiere von Netflix um gut ein Prozent zu. Das Unternehmen hatte sich für die zukünftige Version des Streamingdienstes mit Werbeanzeigen für Microsoft als Technologie-Partner entschieden. Netflix hatte im April angesichts sinkender Kundenzahlen angekündigt, eine günstigere Variante mit Werbung zu entwickeln. Microsoft verloren 0,4 Prozent.

Der Euro notierte zuletzt bei 1,0056 US-Dollar. Im Handelsverlauf war die Gemeinschaftswährung angesichts der hohen Inflation in den USA erstmals seit etwa zwanzig Jahren weniger als einen Dollar wert gewesen. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,0067 (Dienstag: 1,0042) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,9933 (0,9958) Euro.

Am US-Rentenmarkt legte der Terminkontrakt für zehnjährige Treasuries (T-Note-Future) um 0,20 Prozent auf 118,89 Punkte zu und profitierte damit von den anhaltenden Rezessionssorgen. Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen fiel im Gegenzug auf 2,92 Prozent. (awp/mc/pg)

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