US-Schluss: Zinssorgen belasten weiter

Boerse
(Adobe Stock)

New York – Nach dem verpatzten Wochenauftakt haben die Anleger am Dienstag weiter einen Bogen um amerikanische Aktien gemacht. Die Befürchtung einer weiter gehenden Zinsspirale hat die Märkte derzeit wieder im Griff: Der US-Leitindex Dow Jones Industrial sackte erstmals seit Oktober wieder unter die 21-Tage-Linie ab, die unter Anlegern ein beliebter kurzfristiger Trendindikator ist. Zwischenzeitlich stand er auf dem niedrigsten Stand seit Mitte November.

Der Dow fiel am Ende um 1,03 Prozent auf 33’596,34 Punkte. Für die übrigen Indizes ging es sogar noch etwas deutlicher bergab: Der marktbreite S&P 500 verlor 1,44 Prozent auf 3941,26 Punkte. Wegen der wachstumsbremsenden Wirkung hoher Zinsen sackte der technologielastige Nasdaq 100 besonders stark um 2,01 Prozent auf 11’549,69 Zähler ab. Die Titel von Tech-Riesen wie Apple , Alphabet , Netflix , Amazon und litten unter Abgaben zwischen 2,3 und 3,0 Prozent.

Anleger verarbeiteten weiter die relativ guten US-Konjunkturdaten, die in den vergangenen Tagen veröffentlicht wurden. Laut dem Anlagestrategen Mark Haefele von der UBS-Vermögensverwaltung werden solche Nachrichten, die auf den ersten Blick gut klingen, zuletzt als eher schlechte Nachricht für Aktien interpretiert. Er verwies dabei auf die Schlussfolgerung, dass die US-Notenbank Fed so schnell nicht dazu übergehen wird, ihre Geldpolitik wieder zu lockern.

Laut Haefele zeichnet es sich zwar ab, dass sich die Inflation verlangsamt, aber aufgrund des Lohnwachstums nicht auf dem Weg ist, um das Ziel von 2 Prozent zu erreichen. «Wir glauben, dass dies letztendlich dazu führen könnte, dass die Fed die Zinsen über die derzeit in den Märkten eingepreiste Endverzinsung von 5 Prozent hinaus anhebt», so der Experte. Mit Blick auf die kommende Woche geht er aber davon aus, dass die Fed das Tempo der Zinserhöhungen wie allgemein erwartet auf 0,50 Prozentpunkte drosseln wird.

Unter den Tech-Werten besonders negativ fiel die Meta-Aktie auf, die um 6,8 Prozent abrutschte. Hier lastete ein Kreise-Bericht im «Wall Street Journal» auf der Anlegerstimmung, wonach es die Europäische Union dem Facebook- und Instagram-Besitzer untersagen will, die Zustimmung der Nutzer zum Erhalt personalisierter Werbung zu verlangen. Sollte dies so kommen, könnte dies das damit verbundene Vermarktungspotenzial einschränken, hiess es.

Im Nebenwertebereich hoben sich die Aktien des Rüstungskonzerns Textron positiv ab mit einem Anstieg um 5,3 Prozent. Das Unternehmen erhielt in den USA den Zuschlag für die Lieferung einer neuen Generation von Kampfhubschraubern. Das Nachsehen hatte der Kontrahent Lockheed Martin, dessen Aktien im Gegenzug um 1,4 Prozent nachgaben.

Gesprächsstoff lieferte ansonsten ein Übernahmevorhaben: Die Papiere von Vivint Smart Home schnellten um fast ein Drittel nach oben, weil der Hersteller smarter Haustechnik ein Übernahmeangebot des Energieversorgers NRG Energy erhalten hat. Der Vivint-Kurs näherte sich bis auf wenige Cent den gebotenen 12 Dollar je Aktie. Den NRG-Aktionären gefiel der Plan jedoch nicht, der Kurs rutschte hier um 15 Prozent ab.

Der Euro gab am Dienstag nochmals etwas nach. Zuletzt kostete die Gemeinschaftswährung 1,0466 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs zwischenzeitlich noch höher auf 1,0516 (Montag: 1,0587) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,9509 (0,9446) Euro.

Anders als die Aktienkurse haben sich US-Staatsanleihen am Dienstag etwas erholt. Der Terminkontrakt für zehnjährige Anleihen legte zuletzt um 0,41 Prozent auf 114,06 Punkte zu. Die Rendite in der zehnjährigen Laufzeit fiel im Gegenzug auf 3,52 Prozent. (awp/mc/ps)

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