US-Schluss: Erneut Verluste wegen steigender Renditen

US-Schluss: Erneut Verluste wegen steigender Renditen
(Adobe Stock)

New York – Die weiter steigenden Anleiherenditen haben die zeitweise deutliche Kurserholung am US-Aktienmarkt am Donnerstag ausgebremst. Der Leitindex Dow Jones Industrial drehte ins Minus und verlor zum Schluss 0,30 Prozent auf 30 333,59 Punkte. Für den marktbreiten S&P 500 ging es letztlich um 0,80 Prozent auf 3665,78 Punkte bergab und der technologielastige Nasdaq 100 sank um 0,51 Prozent auf 11 046,71 Punkte. Damit knüpften die Indizes an ihre schwache Vortagsentwicklung an, nachdem sie am Montag und Dienstag noch deutlich angezogen hatten

Zunächst hatte die Wall Street am Donnerstag positiv auf durchwachsene US-Konjunkturdaten und den Rücktritt der britischen Premierministerin Liz Truss reagiert. Als Belastung erwiesen sich mit der Zeit aber die weiter steigenden Renditen für US-Staatsanleihen. Die viel beachtete Rendite für Papiere mit einer Laufzeit von zehn Jahren kletterte zuletzt auf 4,24 Prozent. Damit setzte sie sich noch weiter von der Vier-Prozent-Marke nach oben ab, nachdem sie schon am Mittwoch auf dem Niveau zu Zeiten der Finanzkrise im Jahr 2008 notiert hatte.

«Die runde Marke, die viele als Signal für eine bevorstehende Trendwende sowohl in den Marktzinsen als auch im geldpolitischen Straffungskurs der Notenbanken gedeutet hatten, war demnach nur eine Pause im laufenden Aufwärtstrend», kommentierte Kapitalmarktstratege Jürgen Molnar vom Broker Robomarkets.

Durchwachsene heimische Wirtschaftsdaten gaben zumindest den Ängsten vor weiteren deutlichen US-Leitzinsanhebungen im Kampf gegen die Inflation keine zusätzliche Nahrung. Während die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe überraschend zurückgingen und die Verkäufe bestehender Häuser moderater als erwartet sanken, hellte sich das Geschäftsklima in der US-Region Philadelphia weniger deutlich als erwartet auf. Zudem sank der Index der Frühindikatoren deutlicher als prognostiziert.

Im Fokus der Anleger standen auch einige Quartalsberichte. Trotz hoher Inflation und der weltweiten Konjunktursorgen steigerte der Elektroautobauer Tesla seinen Quartalsgewinn kräftig. Die Erlöse blieben aber unter den Markterwartungen. Die Aktien sackten als Schlusslicht im Nasdaq 100 um über sechseinhalb Prozent ab.

Bei der Fluggesellschaft American Airlines reichten nach der Kursrally der vergangenen Tage auch optimistische Zukunftserwartungen nicht für weitere Gewinne: Die Aktien verloren 3,8 Prozent. Die Fluggesellschaft geht für das Schlussquartal angesichts der Reiselust der Kunden von einer Fortsetzung der schwungvollen Erholung aus. Damit folgt das Unternehmen der Konkurrenz, die trotz allgemeiner Sorgen über das Kaufverhalten der Verbraucher in Zeiten hoher Inflation ebenfalls mit einer weiterhin guten Reisenachfrage rechnet.

Dagegen waren die Papiere des Computer-Urgesteins IBM mit plus 4,7 Prozent Dow-Spitzenreiter. Umsatz und Betriebsgewinn im dritten Quartal übertrafen die Analystenerwartungen. Zudem hob IBM die Umsatzprognose für das Jahr an.

Sogar um 7,7 Prozent legten die Anteile des Telekomriesen AT&T zu. Nach einem besser als erwartet ausgefallenen Kundenwachstum im dritten Quartal erhöhte das Unternehmen die Gewinnprognose.

Für die Aktien von Philip Morris und seines Konkurrenten Altria ging es indes um 1,7 beziehungsweise 2,5 Prozent bergab. Der Tabakhersteller Philip Morris erhöhte sein Angebot für den Wettbewerber Swedish Match von 106 auf 116 schwedische Kronen je Aktie in bar. Das Angebot für den Hersteller rauchfreier Produkte soll aber nicht noch weiter aufgestockt werden. Mit der Übernahme sollen die Aktivitäten abseits des klassischen Tabakgeschäfts ausgebaut werden, weshalb auch eine Vereinbarung mit dem US-Tabakkonzern Altria über die US-Rechte an dessen Tabakerhitzer-System IQOS für 2,7 Milliarden Dollar vor Steuern geschlossen wurde. Die Quartalszahlen von Philip Morris wurden von diesen Nachrichten in den Hintergrund gedrängt.

Der Euro litt ebenso wie die Aktienmärkte unter den weiter anziehenden Anleiherenditen und kostete im New Yorker Handel zuletzt 0,9784 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs auf 0,9811 (Mittwoch: 0,9778) Dollar festgesetzt und der Dollar damit 1,0193 (1,0227) Euro gekostet. (awp/mc/pg)

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