US-Schluss: Zins- und Rezessionsängste verhindern Erholung

Boerse
(Adobe Stock)

New York – Die Unsicherheit mit Blick auf das Ausmass der anstehenden Zinserhöhungen in den USA hat auch am Dienstag die US-Börsen belastet. Einen Tag vor der Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed weiteten die Aktienmärkte die Verluste vom Wochenbeginn noch etwas aus. Für den Dow Jones Industrial ging es um 0,50 Prozent auf 30 364,83 Punkte nach unten. Der Leitindex lotete einen weiteren Tiefstand seit Anfang vergangenen Jahres aus. In den vergangenen vier Börsentagen summiert sich der Verlust auf fast acht Prozent.

Der marktbreite S&P 500 schloss am Dienstag 0,38 Prozent niedriger bei 3735,48 Zählern. Der technologielastige Auswahlindex Nasdaq 100 hielt sich mit einem Plus von 0,21 Prozent auf 11 311,69 Punkte etwas besser.

Untermauert wurden die Zinssorgen der Investoren von neuen Daten zur Inflation. So sind zwar die Erzeugerpreise im Mai auf Jahressicht nicht ganz so stark gestiegen wie befürchtet. Mit einem Plus von 10,8 Prozent ist die Teuerung jedoch nach wie vor ausserordentlich hoch. Eine Zinsanhebung der Fed um 0,50 oder 0,75 Prozentpunkte wird an den Finanzmärkten als möglich angesehen. Der Experte Jan Hatzius von Goldman Sachs sieht im Juli eine weitere Zinserhöhung um 0,75 Prozentpunkte folgen.

Begleitet wurden die neuerlichen Verluste an den Aktienbörsen von kräftig steigenden Renditen am US-Anleihemarkt: Zehnjährige Staatsanleihen rentierten mit knapp 3,47 Prozent erneut auf dem höchsten Stand seit elf Jahren. Der Terminkontrakt für zehnjährige Treasuries (T-Note-Future) fiel im Gegenzug um 0,76 Prozent auf 114,41 Punkte. Mit schnell und stark steigenden Zinsen wächst nach Ansicht von Beobachtern die Gefahr einer konjunkturellen Abschwächung. «Die Notenbanken sind zu einer selbst verursachten Rezession gezwungen, um so die Inflation einzufangen», schrieb Anlagestratege Sean Darby von der US-Bank Jefferies.

Hohe Kursgewinne verzeichneten die Papiere von Oracle . Nach den Ergebnissen des Schlussquartals des Geschäftsjahres ging es um mehr als zehn Prozent nach oben. JPMorgan-Analyst Mark Murphy sprach von überraschend solidem Wachstum mit dem höchsten Tempo seit 2011.

Noch stärker schnellten die Anteile von Fedex nach oben, sie legten um gut 14 Prozent zu. Das war der höchste Tagesgewinn seit 1986. Die Aktionäre des US-Logistikkonzerns können sich über eine deutlich höhere Dividende freuen. Die Quartalsausschüttung soll um mehr als die Hälfte erhöht werden.

Aktien von Boeing lagen mit einem Aufschlag von 5,4 Prozent an der Spitze des Dow. Zwar hat der Flugzeughersteller im Mai weniger Bestellungen erhalten als im April. Allerdings war der Aktienkurs in diesem Börsenjahr bereits um mehr als 40 Prozent eingebrochen.

Coca-Cola verloren als schwächster Titel im Dow 3,4 Prozent. Der Getränkehersteller verschiebt den Börsengang der Beteiligung Coca-Cola Africa Bottler wegen der starken Schwankungen an den Märkten und der anhaltenden konjunkturellen Unwägbarkeiten. Mit Procter & Gamble , Johnson & Johnson , Pepsico und Colgate-Palmolive zeigten weitere Konsumtitel Schwächen.

Der Euro stabilisierte sich im späten New Yorker Handel knapp über 1,04 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,0452 (Montag: 1,0455) Dollar festgesetzt; der Dollar hatte damit 0,9568 (0,9565) Euro gekostet. (awp/mc/pg)

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