US-Schluss: Verluste nach Fed-Sitzung – Nasdaq im Höhenrausch

Boerse

New York – Die Rekordjagd von Apple, Amazon, Microsoft & Co ist auch am Mittwoch nicht abgerissen. Die Schwergewichte an der Technologiebörse Nasdaq schwangen sich erneut zu Höchstkursen auf. Der Nasdaq 100 Index rückte in der Folge um 1,28 Prozent auf 10 094,26 Punkte vor. Am Vortag hatte das Börsenbarometer erstmals die Marke von 10 000 Zählern geknackt.

Bei den Standardwerten ging es hingegen nach der Sitzung der US-Notenbank wieder abwärts. Der Leitindex Dow Jones Industrial büsste 1,04 Prozent auf 26’989,99 Zähler ein und rutschte damit wieder unter die 27 000er Marke. Für den marktbreiten S&P 500 ging es um 0,53 Prozent auf 3190,14 Zähler etwas weniger stark nach unten.

Die Corona-Krise dürfte die Leitzinsen in den USA über Jahre hinaus an der Nulllinie halten. Dies signalisierte am Mittwoch die US-Notenbank Fed. Die Pandemie und ihre Folgen dürften die Wirtschaft, den Arbeitsmarkt und die Inflation stark belasten. Es bestünden erhebliche konjunkturelle Risiken. Für dieses Jahr rechnet die Notenbank mit einer Schrumpfung der Wirtschaft um 6,5 Prozent – gefolgt von einem Wachstum um 5,0 Prozent im kommenden Jahr.

„Nach der aktuellen Wachstumsprognose der Fed wird die US-Wirtschaft ihren Stand von 2019 auch im nächsten Jahr noch nicht wieder erreichen“, schrieb Analyst Thomas Altmann von QC Partners in einer Einschätzung. Der Realitätssinn der Notenbank könne „so manchen Optimisten am Aktienmarkt enttäuschen“, der auf eine raschere Belebung der US-Wirtschaft gehofft habe.

Die Kurse der Tech-Giganten Apple, Amazon, Microsoft und Facebook erreichten am Mittwoch weitere Rekordstände. „Die Nasdaq bleibt der Liebling der Anleger im Monat Juni“, konstatierte Analyst Edward Moya vom Broker Oanda. Investoren wollten hier investiert sein, selbst wenn in den USA eine zweite Welle der Coronavirus-Pandemie drohen sollte. Bei Apple, Amazon und Microsoft reichten die Aufschläge von 1,8 bis 3,7 Prozent. Facebook-Aktien konnten die frühen Gewinne allerdings nicht halten und drehten wieder ins Minus.

Auch Tesla-Aktien erklommen ein Rekordhoch und stiegen erstmals seit dem Börsengang von vor zehn Jahren über die Marke von 1000 Dollar. Zur Schlussglocke legten die Papiere um 9 Prozent auf gut 1025 Dollar zu. Kurstreiber war am Mittwoch eine E-Mail des Chefs und Grossaktionärs Elon Musk an die Mitarbeiter, in der dieser die Massenproduktion elektrisch betriebener Sattelzug-Zugmaschinen in Aussicht stellte.

Der Hersteller von Elektroautos ist nach der jüngsten Kurs-Rally rund 190 Milliarden Dollar oder umgerechnet 167 Milliarden Euro wert. Zum Vergleich: Die drei deutschen Autobauer Volkswagen, BMW und Daimler bringen es zusammen auf knapp 156 Milliarden Euro.

Aktien von Uber fielen um 4,8 Prozent. Einem Medienbericht zufolge könnte der Vermittler für Personenbeförderung die Gespräche über eine Übernahme des US-Lieferdienstes Grubhub beenden. Gleichzeitig bestätigte der Essenauslieferer Just Eat Takeaway, mit Grubhub über eine Übernahme zu verhandeln. In London brachen die Aktien von Just Eat Takeaway daraufhin um gut 13 Prozent ein. Papiere von Grubhub schlossen derweil 2 Prozent fester.

Papiere von Fiat Chrysler fielen um 3,8 Prozent. Hier belastete ein Bericht der „Financial Times“, wonach die EU-Wettbewerbshüter bei der geplanten Fusion mit der französischen PSA Group genauer hinschauen wollen.

Der Aktienkurs der Kaffeehauskette Starbucks fiel um 4,1 Prozent. Wegen der Corona-Pandemie rechnet das Unternehmen mit milliardenschweren Belastungen im laufenden Quartal.

Der Dollar geriet nach den Aussagen der Fed-Sitzung auf breiter Front unter Druck. Im Gegenzug stieg der Eurokurs erstmals seit März über die Marke von 1,14 US-Dollar, notierte zuletzt aber mit 1,1384 Dollar wieder knapp darunter. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,1375 (Dienstag: 1,1294) US-Dollar festgesetzt, der Dollar hatte damit 0,8791 (0,8854) Euro gekostet. Am US-Rentenmarkt sorgte die Aussicht auf längerfristig niedrige Leitzinsen und milliardenschwere Bondkäufe durch die Fed für Gewinne: Richtungweisende zehnjährige Staatsanleihen stiegen um 30/32 Punkte auf 99 1/32 Punkte. Sie rentierten mit 0,726 Prozent. (awp/mc/ps)

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