US-Schluss: Rekordrally hält an – Dow über 28’000 Punkten

Boerse

New York – Nach einer kurzen Verschnaufpause am Vortag hat neue Hoffnung im Handelsstreit mit China am Freitag die Rekordrally an den US-Börsen wieder aufleben lassen. Als Treiber für neue Bestmarken bei den bedeutenden New Yorker Indizes nannten Börsianer Aussagen des US-Wirtschaftsberaters Larry Kudlow. Dieser sieht ein erstes Abkommen zwischen den USA und China in Reichweite.

Der Dow Jones Industrial nahm zunächst die Marke von 27 900 Punkten und schaukelte sich dann immer weiter hoch. In den Schlussminuten fiel mit 28 000 Punkten sogar noch die nächste Tausenderschwelle. Am Ende rückte der Leitindex der Wall Street um 0,80 Prozent auf 28 004,89 Punkte vor, womit er sein Wochenplus noch auf mehr als 1 Prozent steigerte.

Auch der S&P 500 und der Nasdaq 100 schraubten ihre Rekorde weiter nach oben: Der marktbreite S&P rückte am Ende um 0,77 Prozent auf 3120,46 Zähler vor. Der technologielastige Nasdaq 100 gewann 0,70 Prozent auf 8315,52 Punkte.

Kudlow sagte am späten Donnerstagabend vor Journalisten in Washington, dass die Gespräche in die finale Phase gingen. „Wir stehen jeden Tag mit ihnen in Verbindung“, ergänzte der Berater von US-Präsident Donald Trump mit Blick auf die chinesische Handelsdelegation. In trockenen Tüchern sei ein Abkommen aber noch nicht, fügte er hinzu. Entsprechend warnten Experten davor, dass jede Hoffnung zuletzt immer wieder enttäuscht worden sei.

Eine Reihe eher schwacher Konjunkturdaten konnte der Rally am Aktienmarkt nichts anhaben. Zuerst hatte sich der Empire State Index, der die Industriestimmung im Bundesstaat New York misst, überraschend eingetrübt. Anschliessend wurde die US-Industrieproduktion für Oktober deutlicher rückläufig vermeldet als erwartet. Experten sprachen davon, dass dies wieder den Handlungsdruck auf die US-Notenbank Fed erhöhe.

Auf Unternehmensseite spielte die Musik im Chipsektor, wo Applied Materials seine Anleger mit einem überraschend guten Ausblick auf das laufende Quartal in Feierlaune versetzte. Die Papiere schossen an der Nasdaq um 9 Prozent hoch. Analyst Ingo Wermann von der DZ Bank sprach von einem Indiz dafür, dass eine Durststrecke für Halbleiterausrüster vor dem Ende steht. Davon profitierte auch die 3 Prozent festere Aktie des Konkurrenten Lam Research .

Allerdings gab es im Halbleitersektor auch eine klar negative Ausnahme: Bei Nvidia reichte den Anlegern ein solides Ergebnis im dritten Quartal nicht aus. Die Aktien des Prozessorherstellers fielen als Schlusslicht im Nasdaq 100 um 2,7 Prozent. Im Gegensatz zu Applied Materials überzeugten hier die Aussagen zum kurzfristigen Umsatzausblick die Anleger nicht.

Im Dow waren vor allem Gesundheitswerte gefragt. Die Aktien des Krankenversicherers UnitedHealth profitierten an der Dow-Spitze mit plus 5,3 Prozent von einem Erlass des US-Präsidenten Donald Trump für mehr Preistransparenz im Pharmasektor.

Der Gesundheitssektor war derweil insgesamt gefragt, nachdem die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Elizabeth Warren ihre Pläne für eine Reform des Gesundheitssystems vorstellte. Die Pfizer -Aktien zählten im Dow ungeachtet der Trump-Verfügung mit 2 Prozent zu den grösseren Gewinnern.

Aktien von Walt Disney dagegen zollten ihrer jüngsten Rally wegen der vielversprechenden Einführung des Streaming-Dienstes Disney+ mit einem Abschlag von 1,7 Prozent Tribut.

Aufgehellt wurde ansonsten die Stimmung unter den Anlegern von JC Penney , die Aktien der Kaufhauskette schnellten um 6 Prozent auf den höchsten Stand seit zwei Monaten nach oben. Der angeschlagene Einzelhändler hatte im dritten einen niedriger als befürchtet ausgefallenen Verlust verzeichnet und machte so Hoffnung auf Besserung.

Der Kurs des Euro ist am Freitag im Tageshoch bis auf 1,1057 US-Dollar gestiegen, zuletzt wurden dann 1,1055 Dollar bezahlt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zwischenzeitlich auf 1,1034 (Donnerstag: 1,0997) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,9063 (0,9093) Euro.

Die Kurse von US-Staatsanleihen sind am Freitag etwas von ihrem jüngsten Anstieg zurück gekommen. Richtungsweisende zehnjährige Anleihen fielen um 4/32 Punkte auf 99 8/32 Punkte. Sie rentierten mit 1,83 Prozent. (awp/mc/pg)

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