US-Schluss: Gewinnmitnahmen – Trump contra China

Boerse

New York – Die Angst vor einem Wiederaufflammen des Konflikts zwischen den USA und China hat Anlegern am Freitag den Appetit auf Aktien verdorben. Der Leitindex Dow büsste 2,55 Prozent auf 23’723,69 Punkte ein. Zudem kamen die Quartalszahlen von Schwergewichten wie Amazon , Chevron und ExxonMobil bei den Investoren nicht gut an. Im Verlauf der Woche hat der Dow Jones Index einen kleinen Verlust erlitten.

US-Präsident Donald Trump hat nach eigenen Angaben Hinweise darauf, dass die Corona-Pandemie ihren Ursprung in einem chinesischen Forschungslabor genommen haben könnte. Auf die Frage eines Journalisten, ob er Informationen gesehen habe, die ihm ein „hohes Mass an Zuversicht“ in dieser Hinsicht gäben, sagte Trump am Donnerstagabend (Ortszeit) im Weissen Haus: „Ja, habe ich.“ Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete derweil unter Berufung auf eine mit der Sache vertraute Person, dass Trump erwäge, einem Pensionsfonds der Regierung Investitionen in chinesische Aktien zu verbieten.

Der marktbreite S&P 500 gab um 2,81 Prozent auf 2830,71 Zähler nach. Der Nasdaq 100 verlor 3,14 Prozent auf 8718,18 Punkte. Analyst Edward Moya vom Broker Oanda vermutete hinter diesen Verlusten aber auch Gewinnmitnahmen, „vor allem bei Schwergewichten wie Apple und Amazon“.

„Die Stimmung für Aktien ist wieder angeschlagen“, schrieb CMC-Analyst David Madden mit Blick auf die Aussage Trumps. Angesichts von 30 Millionen Arbeitslosen in den USA infolge der Corona-Krise versuche der US-Präsident, China für die Pandemie verantwortlich zu machen. Nun drohe womöglich ein neuer Handelsstreit zwischen den beiden Ländern.

Amazon-Aktien fielen um 7,6 Prozent, nachdem sie am Vortag noch auf ein Rekordhoch geklettert waren. Die Corona-Krise beschert dem Online-Händler zwar einen regen Kundenzustrom, führt aber auch zu höheren Ausgaben – etwa aufgrund einer Einstellungsoffensive wegen des Kundenansturms. Der Konzern warnte nun vor Sonderkosten.

Für die Papiere von Chevron ging es um 2,8 Prozent abwärts. Der US-Ölkonzern streicht im Zuge der Corona-Krise und fallender Rohölpreise die Investitionen erneut zusammen. Die Anteilscheine des Branchenkollegen ExxonMobil knickten gar um 7,2 Prozent ein. Der Ölpreiseinbruch hatte dem Konzern im ersten Quartal einen dicken Verlust eingebrockt.

Apple-Aktien gaben nach Quartalszahlen um 1,6 Prozent nach. Analysten attestierten dem iPhone-Hersteller, bislang gut durch die Corona-Krise gekommen zu sein. Allerdings war der Aktienkurs vom Crash-Tief Mitte März bereits um fast 40 Prozent gestiegen.

Aktien von Tesla büssten mehr als zehn Prozent ein. Auslöser des Kursdrucks war ein Tweet des Chefs Elon Musk, dem der Aktienkurs zu hoch erschien. Vom Crash-Tief am 18. März bei gut 350 Dollar bis zum Hoch vom Vortag waren diese um fast 150 Prozent nach oben geschossen.

Am Ende des Leitindex Dow fanden sich die Aktien des Chemiekonzerns Dow Inc mit einem Verlust von 7,5 Prozent wieder. Sowohl die Citigroup als auch die Bank Credit Suisse hatten die Kaufempfehlungen für die Titel gestrichen.

Der Kreditkartenriese Visa hatte zwar Gewinn und Erlöse im jüngsten Geschäftsquartal deutlich gesteigert, warnte aber, dass die nächsten Quartale wegen der Corona-Pandemie schwierig werden könnten. Der Aktienkurs gab um 1,8 Prozent nach.

Am US-Rentenmarkt gab es kaum Bewegung, richtungweisende zehnjährige Staatsanleihen legten um 4/32 Punkte auf 108 08/32 Punkte zu. Sie rentierten mit 0,63 Prozent. Der Euro konnte Gewinne zum US-Dollar nicht halten und notierte zum Börsenschluss an der Wall Street auf 1,0977 Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs zuletzt am Donnerstag auf 1,0876 festgesetzt. Der Dollar hatte damit 0,9195 Euro gekostet. (awp/mc/ps)

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