US-Schluss: Minus eingedämmt

US-Schluss: Minus eingedämmt

New York – Gute Wirtschaftsdaten und die gleichzeitige Hoffnung auf eine länger lockere Geldpolitik haben die US-Börsen am Donnerstag gestützt. Der Dow Jones Industrial konnte seine zwischenzeitlichen Gewinne nach einem schwachen Auftakt zwar nicht festhalten. Zum Handelsende stand bei 16’117,24 Punkten aber lediglich noch ein Minus von 0,15 Prozent zu Buche.

Noch am Vortag hatte dem Leitindex wegen anhaltender Konjunktursorgen zeitweise der grösste Tagesverlust seit Jahren gedroht, bevor er zum Schluss sein Minus auf rund ein Prozent eindämmen konnte. Der marktbreite S&P-500-Index ging am Donnerstag 0,01 Prozent fester bei 1’862,76 Punkten aus dem Handel. Für den Nasdaq 100 ging es letztlich um 0,55 Prozent auf 3’765,28 Punkte nach unten. Damit setzte sich der Technologiewerte-Index aber ebenfalls von seinem anfänglichen Tiefstand ab.

Der Chef der regionalen Notenbank von St. Louis, James Bullard, will das Anleihekaufprogramm der US-Notenbank entgegen anderslautenden Ankündigungen weiter fortsetzen. «Die Inflationserwartungen gehen zurück», sagte er im Gespräch mit Bloomberg News. Das sei ein wichtiger Faktor für die Fed. «Die Notenbank sollte daher über eine Verschiebung des Endes der Anleihekäufe nachdenken.» Ursprünglich sollte das milliardenschwere Anleihekaufprogramm zur Stützung der Konjunktur im Oktober auslaufen. Die Aussagen überraschten, da Bullard nicht zu den Fed-Mitgliedern gehört, die sich im Zweifel für eine lockere Geldpolitik aussprechen.

Die US-Industrieproduktion war im September deutlicher als erwartet gestiegen. Dies sollte die jüngsten Konjunktursorgen mildern und sei ein «hilfreicher Hinweis, dass der Himmel uns nicht auf den Kopf fällt», schrieb Ökonom Paul Ashworth von Capital Economics. Auch die anderen Daten fielen überwiegend positiv aus: Die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe waren auf den tiefsten Stand seit mehr als 14 Jahren gesunken, während Experten mit einem Anstieg gerechnet hatten. Dazu hatte der Philly-Fed-Index, der das Geschäftsklima in der Region Philadelphia misst, im Oktober weniger als erwartet nachgegeben. Lediglich die mit dem NAHB-Hausmarktindex ermittelte Stimmung am Immobilienmarkt hatte sich im Oktober entgegen den Prognosen wieder eingetrübt.

Auf Unternehmensseite dominierten wie schon am Vortag Quartalszahlen die Agenda. Obwohl die Investmentbank Goldman Sachs mit ihrem Überschuss im dritten Quartal die Erwartungen der Analysten deutlich übertroffen hatte, sackten die Papier am Dow-Ende um 2,63 Prozent ab. Die Stimmung gegenüber Bankaktien hatte sich bereits in Europa stark eingetrübt, nachdem die Anleiherenditen in Italien, Spanien, Portugal und Griechenland wieder stark angestiegen waren.

Weniger schlimm traf es die Aktien von American Express mit minus 0,85 Prozent. Die Kauflaune der US-Verbraucher hatte beim Kreditkartenriesen die Kassen klingeln lassen. Die ebenfalls im Dow notierten Papiere von UnitedHealth schafften hingegen ein Plus von 3,93 Prozent und eroberten damit den ersten Platz im Leitindex. Die staatlichen Gesundheitsprogramme hatten dem grössten US-Krankenversicherer ein starkes drittes Quartal beschert. Der Konzern schraubte daraufhin seine Jahresziele hoch.

Beim Tabakkonzern Philip Morris International zehrten neben rückläufigen Zigarettenverkäufen zunehmend auch Währungseffekte am Gewinn. Dennoch gewannen die Titel 2,01 Prozent. Bei der Fluggesellschaft Delta Air Lines sorgte die Zahlenvorlage für ein Kursplus von 2,90 Prozent. Zwar hatten ein teurer Konzernumbau und hohe Kerosinkosten den Gewinn kräftigen einbrechen lassen. Bereinigt um Sondereffekte hatte Delta aber besser abgeschnitten als von Analysten erwartet. Zuletzt hatte bereits der schwache Ölpreis die Aktien gestützt.

Technologiewerte gerieten indes einmal mehr teils stark unter Druck: So büssten die Papiere von Ebay 4,70 Prozent ein, nachdem der Onlineriese die Prognosen für das laufende Geschäftsjahr gesenkt hatte. Die Aktien von Netflix brachen als abgeschlagenes Schlusslicht im Nasdaq 100 gar um 19,37 Prozent ein: Bei dem Online-Videodienst liegt die Gewinnprognose für das laufende Quartal deutlich unter den Markterwartungen.

Für die Aktien von Abbvie ging es zuletzt um 3,17 Prozent nach unten. Der Pharmakonzern hat nun definitiv kein Interesse mehr am Konkurrenten Shire. Seinen Aktionären hatte Abbvie am Mittwochabend empfohlen, die Übernahme des irisch-britischen Unternehmens abzulehnen. (awp/mc/upd/ps)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.