Ackermann sieht Anfang vom Ende der Finanzkrise

«Wenn keine weiteren Schocks auftreten, glaube ich, dass wir das Schlimmste jetzt gemeinsam bewältigen können. Aber die Lage ist weiter fragil», sagte Ackermann am Dienstabend bei einem Empfang der Amerikanischen Handelskammer in Deutschland (AmCham Germany) in Frankfurt. «Was wir jetzt brauchen ist eine Phase der Stabilisierung, der Ruhe. Dann bin ich überzeugt, dass wir eher am Beginn des Endes sind.» Ackermann betonte: «Wir müssen mehr Transparenz schaffen über Risikoverteilung. Bis heute weiss man nicht so recht, wo Risiken schlummern.»


Hoffnung nicht erfüllt
Die Banken gäben sich gegenseitig aber noch weiterhin «etwas zögerlich Geld», weil sie zunächst Milliardenbelastungen aus der Krise schultern müssen. Bislang seien im Bankensektor weltweit 160 Milliarden Euro Verluste infolge der Krise am Markt für zweitklassige US-Hypothekenkredite (subprime) gemeldet worden. «Die Hoffnung, dass sich die Lage nach Vorlage der Jahresabschlüsse 2007 stabilisiert, hat sich bislang nicht erfüllt», räumte Ackermann ein.


Absage an Salamitaktik
Er wehrte sich gegen den wiederholt geäusserten Vorwurf, die Banken würden ihre Risiken nur scheibchenweise aufdecken («Salamitaktik»): Die geltenden Bilanzierungsregeln liessen den Instituten keine andere Chance. Nach der Krise sollte nach seiner Ansicht aber beispielsweise nachgedacht werden, «ob es richtig ist, dass man es alles im Handelsbuch hat». Deutschlands grösste Bank war infolge der Turbulenzen an den Finanzmärkten im ersten Quartal 2008 erstmals seit fünf Jahren in die Verlustzone gerutscht. «Das Investmentbanking wird weiter gepflegt und wird Marktanteile ausbauen», betonte der Deutsche-Bank-Chef.


Interesse an Postbank bekräftigt
Im Privatkundengeschäft bekräftigte er das Interesse des DAX-Konzerns an Zukäufen. «Wir brauchen keinen Rettungssprung irgendwo hin. Aber wir haben gesagt, dass wir uns im Privatkundengeschäft verstärken wollen. Wir sind interessiert, wenn es strategisch Sinn macht, von der Struktur Sinn macht und für die Aktionäre Sinn macht.» Ackermann bekräftigte das Interesse an einer Übernahme der Postbank. Einen Kauf der Citibank sei dagegen derzeit kein Thema: Er könne sich nicht vorstellen, dass die US-Citigroup den stärksten Markt in Europa aufgibt, sagte Ackermann. (awp/mc/ps)

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