Adecco: Sondereffekt begünstigt Gewinn – Aktie tendiert schwächer

Während der Umsatz insgesamt relativ bescheiden zulegte, waren Betriebs- und Reingewinn – vor allem getrieben von Sondereffekten in Frankreich – deutlich höher als im Vorjahr. Adecco verfehlte zwar die Konsensschätzungen auf Stufe Umsatz relativ deutlich, erhielt von der Analystengilde aber trotzdem eher freundliche Kommentare. Die Aktie verlor in einem schwachen Gesamtmarkt aber mehr als der Durchschnitt.


Umsatz um 3 Prozent erhöht
Der Konzern erzielte im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2007 einen 3% höheren Umsatz von knapp 5,3 Mrd EUR, wie der Konzern am Freitag mitteilte. Das operative Ergebnis (EBIT) für die Berichtsperiode wurde mit 322 (202) Mio EUR ausgewiesen, der Reingewinn mit 222 (135) Mio EUR. Der starke Anstieg ist allerdings in erster Linie auf einen Sondereffekt in Zusammenhang mit der modifizierten Berechnung der Sozialabgaben in Frankreich zurückzuführen.


Reingewinn um 66 Mio EUR gesteigert
Dieser hat sich im zweiten Quartal 2007 auf den Bruttogewinn mit +144 Mio, auf den operativen Gewinn mit +101 Mio und auf den Reingewinn mit +66 Mio EUR ausgewirkt. Der Effekt werde allerdings `voraussichtlich` ab September 2007 ausbleiben, hiess es bei Adecco. Für das dritte Quartal dürfte der Effekt auf den operativen Gewinn noch etwa +10 Mio EUR betragen.


Bruttomarge verbessert
Die Bruttomarge (auf bereinigter Basis) verbesserte sich in der Berichtsperiode um 40 Basispunkte auf 17,6%, die operative Marge um 30 Basispunkte auf 4,2%.


Umsatzwachstum in Frankreich verlangsamt
Im wichtigsten Markt Frankreich nahm der Umsatz in der Berichtsperiode um 3% auf 1,786 Mrd EUR zu, wobei sich das Wachstum gegenüber dem ersten Quartal (+8%) allerdings verlangsamt hat. Das Adecco-Management zeigte sich über die Performance aber trotzdem sehr zufrieden. «Wir sind bewusst etwas langsamer gewachsen und haben uns vermehrt auf die Profitabilität konzentriert», sagte Konzernchef Dieter Scheiff gegenüber den Medien. Er verwies denn auch vor allem auf die deutliche Verbesserung der Brutto- und EBIT-Marge in diesem Land. Preisdisziplin, höhere Umsätze in der Vermittlung von Festanstellungen und Kosteneffizienz hätten zu den Verbesserungen beigetragen.


Umsatz in USA/Kanada gesunken
In der ebenfalls sehr wichtigen Region USA/Kanada sank der Umsatz um 12% auf 822 Mio EUR (-6% zu konstanten WK), wobei sich das Tempo des Rückgangs gegenüber dem ersten Quartal nicht mehr akzentuierte. Vor allem das Geschäft mit Industriekunden sei stark rückläufig gewesen, wogegen der Büropersonalbereich nur eine leichte Abnahme verzeichnet habe. «Wir dürften in den USA den Tiefpunkt erreicht haben; zudem wachsen wir dort schneller als der Gesamtmarkt», beruhigte aber Scheiff.


Noch unzufrieden mit UK/Irland
Noch nicht zufrieden ist man mit der Entwicklung in UK/Irland, dem drittwichtigsten Markt, wo bezüglich Kundenstruktur und Kosteneffizienz noch Reorganisationsaufgaben anstehen. Adecco rechnet dabei mit 5 Mio EUR in der zweiten Jahreshälfte. Stark gewachsen ist der Konzern dagegen in Deutschland, den Nordischen Staaten oder auch in Japan.


Wachstum und Akquisitionen angestrebt
Der Geschäftsbereich Büropersonal und Industriekunden verzeichnete im Berichtszeitraum ein Umsatzwachstum von 2% auf 4,05 Mrd EUR, in der noch viel weniger gewichtigen Fachkräftevermittlung stieg er um 3% auf 952 Mio EUR. In diesem – deutlich profitableren – Bereich will Adecco denn auch noch deutlich wachsen und strebt dazu auch Akquisitionen vor allem in den USA, Europa oder Japan an.


Optimistisch für die Zukunft
Adecco zeigt sich ingesamt für die Zukunft optimistisch. Die Schlüsselindikatoren für den weltweiten Personalvermittlungsmarkt deuteten auf eine `unverändert günstige Entwicklung der Branche` hin, hiess es. Der Konzern bestätigte die Ziele, nämlich den Umsatz jährlich um 7 bis 9% zu erhöhen und bis 2009 die operative Marge auf über 5% und die Kapitalrendite (ROCE) auf über 25% zu steigern.


Adecco-Aktie verlor deutlich an Terrain
Die Adecco-Aktie, die bereits seit Mitte Juli stark unter Druck steht, verlor – in einem sehr schwachen Marktumfeld – aber noch einmal deutlich an Terrain. Bis um 12.30 Uhr gab das Papier 4,3% auf 78,55 CHF her. Die Kommentare der Analysten waren allerdings nicht unbedingt negativ: Zwar wurde der etwas enttäuschende Umsatz bemängelt, doch wurden auch die Anstrengungen zur Steigerung der Profitabilität goutiert. (awp/mc/ab)

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