Airbus modernisiert Kassenschlager A320

«Die A320neo wird 15 Prozent weniger Treibstoff verbrauchen», kündigte Airbus am Mittwoch in Toulouse an. Der erste dieser Flieger soll im Jahr 2016 ausgeliefert werden. Einen komplett neu entwickelten Nachfolger will Airbus frühestens 2025 auf den Markt bringen. Die im MDax notierte Aktie des Airbus-Mutterkonzerns EADS reagierte mit einem Kurssprung auf die Nachrichten. Zuletzt lag sie an der Pariser Börse mit 2,00 Prozent im Plus bei 17,605 Euro und gehörte damit zu den stärkeren Werten im CAC-40.


Bislang 4’400 Exemplare gebaut
Die A320-Familie mit den Typen A318, A319, A320 und A321 ist für Airbus das Basisgeschäft. Die Mittelstreckenjets mit zwischen gut 100 und 220 Sitzen verfügen über einen Mittelgang und einen Standardrumpf. 4.400 Exemplare sind bereits gebaut, gut 6.700 bestellt. Von der Neuauflage A320neo erwartet sich Verkaufschef John Leahy weitere 4.000 Bestellungen – «vielleicht auch mehr». Die Modernisierung will sich Airbus gut eine Milliarde Euro kosten lassen. Die Fluggesellschaften sollen für jeden neo-Flieger sechs Millionen US-Dollar mehr bezahlen als für die bisherigen Modelle. Bislang kosten die Maschinen laut Preisliste im Schnitt zwischen 63 und 96 Millionen Dollar.


Sharklets helfen Sprit sparen
Bei dem neuen Antrieb setzt Airbus auf zwei Modelle. Bei dem ersten handelt es sich um das PW 1100G von Pratt & Whitney, an dem der deutsche Triebwerkshersteller MTU voraussichtlich mit 15 Prozent beteiligt ist. Als Alternative steht der LEAP-X-Motor von CFM International zur Auswahl, einem Gemeinschaftsunternehmen des französischen Triebwerksbauers SNECMA und dem US-Konzern General Electric. Die neuen Triebwerke sollen für die ganze A320-Familie ausser dem A318 erhältlich sein. Die Sharklets, die den Treibstoffverbrauch alleine schon um mindestens 3,5 Prozent senken sollen, will Airbus den A320-Fliegern schrittweise schon ab Ende 2012 verpassen.


Geringerer CO2-Ausstoss
Angesichts steigender Treibstoffpreise schauen Fluggesellschaften verstärkt auf den Verbrauch ihrer Maschinen. Wenn der Verbrauch um 15 Prozent sinke, seien das pro Flugzeug 1,4 Millionen Liter im Jahr, sagte Leahy. Der CO2-Ausstoss reduziere sich damit um 3.600 Tonnen pro Flugzeug und Jahr. Auch Konkurrent Boeing hat das Interesse an Sprit sparenden Jets erkannt und denkt über neue Triebwerke für den A320-Konkurrenten Boeing 737 nach. Die Marktführer müssen sich gegen wachsende Konkurrenz aus Kanada, Brasilien, China, Russland und Japan wappnen. Von dort drängen Hersteller wie Bombardier, Embraer, Comac, Kawasaki und UAC mit neuen Modellen auf den Massenmarkt.


A350 im Projektstadium
Für einen von Grund auf neu entwickelten Nachfolger für den A320 ist es nach Darstellung Leahys noch viel zu früh. «Es gibt die Technik für ein komplett neues Flugzeug heute einfach noch nicht», sagte er. «Manche Leute denken, es gäbe sie – wir sind da anderer Ansicht.» Die Nachfolger der A320-Familie dürften nicht vor dem Jahr 2025 oder 2026 auf den Markt kommen, sagte der Manager. Derzeit arbeitet Airbus an dem neuen Grossraumflieger A350. Die Maschine, dessen Rumpf zu grossen Teilen aus Kohlenstofffasern besteht, soll Platz für bis zu 370 Passagiere bieten und voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2013 auf den Markt kommen. (awp/mc/ps/34)

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