Akku-Misere: Rückrufe am laufenden Band

Nachdem Lenovo Ende vergangener Woche den Laptopherstellern Dell, Apple und Toshiba gefolgt war, kamen in dieser Woche Fujitsu mit 287.000 und Hitachi mit fast bescheidenen 16.000 Stück hinzu. Grund sei die Gefahr einer Überhitzung, es seien aber noch keine Probleme berichtet worden, wird ein Hitachi-Sprecher im Wall Street Journal zitiert. Sony hat unterdessen angekündigt, die Rückrufe nicht nur finanziell zu stützen, sondern ein eigenes Recall-Programm ins Leben zu rufen.


Über 8 Mio. Akkus müssen ersetzt werden
Insgesamt müssen die Firmen weltweit mittlerweile über acht Mio. Akkus aus tragbaren Computern ersetzen. Die Probleme seien laut Sony darauf zurückzuführen, dass in seltenen Fällen mikroskopisch kleine Metallpartikel in den Batteriezellen mit anderen Teilen der Batterie in Kontakt treten könnten. Dadurch könnte ein Kurzschluss in der Zelle entstehen und das Energiepaket im schlimmsten Fall in Flammen aufgehen, erklärt Sony.


Fehler seit Dezember 2005 bekannt?
Laut der japanischen Tageszeitung Yomiuri Shimbun soll Sony bereits im Dezember von den Produktionsfehlern gewusst haben. Damals geriet erstmals ein Dell-Laptop mit Sony-Akku in Brand. Bei der anschliessenden Untersuchung wurden die Metallteile gefunden, die den Defekt verursachten. Aufgrund von fehlenden Vergleichsfällen sah man damals von einer umfangreicheren Untersuchung ab, schreibt die Zeitung unter Berufung auf firmeninterne Kreise.


Kooperation mit US Consumer Product Safety Commission
Mit dem nun von selbst lancierten Batterie-Rückrufprogramm will Sony die weiter ausufernde Misere endgültig hinter sich bringen. Obwohl nach jeder neuen Recall-Ankündigung beteuert wurde, es wäre nun erledigt, kamen kurz darauf die nächsten Probleme. Sony werde sich nun mit allen Unternehmen in Verbindung setzen, die betroffene Akkus in ihren Produkten verbaut haben. „Wir sind immer bemüht, das höchste Mass an Sicherheit und Zufriedenheit für unsere Kunden zu bieten“, so der Konzern in einer entsprechenden Aussendung. Das Unternehmen kooperiert dabei mit der US-Konsumentenschutzorganisation US Consumer Product Safety Commission.


„Reine Vorsichtsmassnahme“
Trotz der mittlerweile enormen Dimension des Rückrufs ist man auf allen Seiten um Beruhigung bemüht. „Der Rückruf ist eine reine Vosichtsmassnahme“, meinte kürzlich Michael Widter, PR-Beauftragter von Lenovo, gegenüber pressetext. Sony betont wiederholt, dass es nur in den allerseltensten Fällen tatsächlich zum Brand des Notebooks kommen kann. Der Meinung schloss sich auch Rolf Zinniker, Akku-Experte an der ETH Zürich, an: „Im Prinzip sind die Akkus sehr sicher, zumal die Produkte eine Schutzschaltung – die allerdings auch defekt sein kann – eingebaut haben, die bei Problemen den Akku lahm legt.“ Den Umfang der Rückrufaktion hielt der Akku-Experte im pressetext-Gespräch für übertrieben: „Es ist jedoch verständlich, dass sich die betroffenen Unternehmen absichern wollen, damit ihnen nachträglich nicht Untätigkeit vorgeworfen werden kann.“ (pte/mc/pg)

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