Aktienfokus: Roche leiden klar unter negativen Studiendaten zu Diabetesmedikament

Positive Studiendaten zur Wirksamkeit von Roactemra bei juveniler Arthritis fallen denn auch bei den Kaufentescheidungen kaum ins Gewicht.


Die Aktie verliert gegen 9.45 Uhr um 2,4% auf 155,10 CHF. Das Tagestief liegt bei 154,50 CHF. Bislang wurden 3,0 Mio Titel gehandelt. Der durchschnittliche Umsatz der vergangenen Tage liegt bei 2,2 Mio CHF. Händler verweisen allerdings hinsichtlich des hohen Umsatzes auf den Grossen Verfall. Der Gesamtmarkt (SMI) steigt unterdessen um 0,23%.


Unerwünschte Nebenwirkungen eines der wichtigsten Hoffnungsträger von Roche veranlassen die Analysten zu negativen Kommentaren und die Investoren geben verstärkt Verkaufsaufträge. Roche führt für Taspoglutid im T-emerge-Programm ein Risikomanagementprogramm ein. Grund seien die in den Tests verzeichneten Fälle von hypersensitiven Reaktionen. Diese fielen höher aus als erwartet, obwohl die Anzahl der Vorfälle mit einem Anteil von unter einem Prozent der Probanden selten geblieben seien.


Die Analysten der ZKB setzen denn auch bei dieser Inzidenz an. Diese betrage zwar nur weniger als 1%, dennoch sei Roche zu dem Schluss gekommen, dass global an alle Gesundheitsbehörden eine Meldung über diesen nicht zu unterschätzenden Nebeneffekt gemacht werden sollte. Die ZKB erinnert, dass genau wegen erhöhten Blutdrucks das Pharmaunternehmen Pfizer kurz vor der Zulassung und nach knapp 1 Mrd USD investierten Entwicklungskosten einen potenziellen Blockbuster gegen Cholesterinerhöhung komplett zurückziehen musst.


Auf der positiven Seite ist aus ZKB-Sicht festzuhalten, dass Roche sogleich auch die Ursache für die Nebenwirkungen feststellen konnte. Der Vorteil für Roche besteht nun darin, mit der eigenen Diagnostikabteilung gleichzeitig einen Test entwickeln und so die risikobehafteten Patienten vorselektionieren könne. «Insofern ist das bisher grösste Entwicklungsprogramm für ein Diabetesmedikament nicht zum Scheitern verurteilt, jedoch verzögert sich so die Marktzulassung um 12 bis 18 Monate», so die Analysten, die immer noch von einer Zulassung ausgehen, nun allerdings nicht vor 2013.


«Die Verspätung ist für Roche eine enttäuschende Neuigkeit», urteilt die Bank Vontobel. Die Analysten merken jedoch an, die Effizienz und Sicherheit von Taspoglutide sei bis heute gut und in einigen Fällen besser als beim wöchentlich einzunehmenden Medikament von Eli Lilly. Bis seien Vorfälle von Hypersensitivität ungewöhnlich. Es wird erwartet, dass Roche Ende 2010/Anfang 2011 einen Antrag für Taspoglutide stellen wird. Die Änderung im Phase-III-Protokoll dürfte beim Zulassungsantrag zu einer Verspätung von bis zu 18 Monaten führen, was eine Enttäuschung für Roche bedeute. «Unserer Ansicht nach dürfte die Effizienz von Roche immer noch die beste im Mark sein», kommentiert Analyst Andrew Weiss.


Die positiven Ergebnisse bei Roche-Medikament Roactemra, welches sich als stark wirksam bei der Behandlung juveniler Arthritis erwiesen habe, werden unterdessen als Durchbruch von den Experten gefeiert. Da sonst noch keine andere Therapie für die junge Patientengruppe zugelassen sei, sieht die ZKB eine starke Marktakzeptanz und schnelle Durchdringung auch in diesem Altersegment für dieses neue biologische Arthritis-Medikament.


Damit dürfte sich die Chancen auf eine erweiterte Zulassung für eine neue Patientengruppe erhöhen, urteilen die Marktbeobachter von Wegelin.


Vontobel bestätigt insgesamt das «Hold»-Rating und die ZKB stuft die Titel mit «Übergewichten» ein.


(awp/mc/hfu/15)

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