Allianz bewältigt Finanzmarktkrise besser als erwartet

Nachdem die Tochtergesellschaft Dresdner Bank infolge der Krise Abschreibungen in Höhe von 575 Millionen Euro vornehmen musste, rechnet Vorstandsmitglied Helmut Perlet für das letzte Jahresviertel allerdings mit weiteren Abschreibungen. Dennoch hielt der Vorstand am Freitag an seiner Prognose fest, im Gesamtjahr einen operativen Gewinn von elf Milliarden und einen Überschuss von acht Milliarden Euro zu erreichen.


Zahlen mit Erleichterung aufgenommen
An der Börse wurden die Zahlen mit Erleichterung aufgenommen, nachdem in den vergangenen Wochen mehrfach über eine bevorstehende Gewinnwarnung spekuliert worden war. Die Allianz-Aktie kletterte bis zum Mittag um 2,14 Prozent auf 144,40 Euro und zählte damit zu den Favoriten im DAX . Die Allianz sei momentan gut aufgestellt, um die Ziele für das Nettoergebnis und den operativen Gewinn zu übertreffen, schrieb UniCredit-Analyst Lucio Di Geronimo. Ausserdem werde die Allianz seiner Einschätzung nach im Mai 2008 damit beginnen, Aktienrückkäufe zu tätigen.


Mittelfristiges Ziel bestätigt
Im dritten Quartal sei das operative Ergebnis um 2,1 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro gefallen. Von der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX befragte Experten hatten mit einem Rückgang auf 2,44 Milliarden Euro gerechnet. Auf Basis des um die niedrigen Naturkatastrophenschäden bereinigten Ergebnisses von 2006 soll der operative Gewinn bis zum Jahr 2009 weiterhin um durchschnittlich zehn Prozent pro Jahr wachsen.


Steigerung statt Rückgang beim Überschuss
Beim Überschuss verzeichnete das Unternehmen anstelle des von Experten erwarteten Rückgangs eine Steigerung um fast 21 Prozent auf 1,921 Milliarden Euro. Der Umsatz wuchs um 1,8 Prozent auf 23,0 Milliarden Euro und übertraf die Prognose von 22,9 Millionen Euro. Das Eigenkapital des Konzerns ging von 50,5 auf 49,1 Milliarden Euro zurück, vor allem durch die Übernahme der bisherigen Minderheitsanteile an der französischen Tochtergesellschaft AGF. Die nun geringer ausgefallenen Minderheiten steuerten auch 144 Millionen Euro zum Konzernüberschuss bei, wie Perlet in einer Telefonkonferenz mit Journalisten erläuterte.

Dresdner Bank in den roten Zahlen
Bei der krisengeschüttelten Dresdner Bank brach das operative Ergebnis von 391 Millionen Euro im Vorjahresquartal auf 87 Millionen Euro ein. Unter dem Strich geriet das Institut sogar mit 52 Millionen Euro in die roten Zahlen. «Unser Bekenntnis zur Investmentbank steht nach wie vor», sagte Perlet. Allerdings müsse überprüft werden, was in diesem Bereich strategisch geändert werden solle. Zu konkreten Plänen oder möglicherweise bevorstehenden Entlassungen wollte er aber keine Aussagen treffen.


Gewinnrückgang bei der grössten Sparte
Die grösste Sparte Schaden- und Unfallversicherung verzeichnete bei höheren Bruttoprämieneinnahmen einen operativen Gewinnrückgang um 13,9 Prozent auf 1,487 Milliarden Euro. Die kombinierte Schaden-Kosten-Quote verschlechterte sich von 90,2 auf 94,1 Prozent. Damit befinde sie sich weiterhin auf Zielniveau von 94 Prozent, sagte Perlet. Je weiter der Wert – ein zentraler Indikator für die Ertragskraft im reinen Versicherungsgeschäft – unter 100 Prozent liegt, desto mehr sind Aufwendungen für Schäden und Kosten allein durch Prämieneinnahmen gedeckt. Für das vierte Quartal rechnet Perlet durch die Waldbrände in Südkalifornien mit einer Schadenbelastung von rund 60 Millionen US-Dollar.


Gewinnsprung bei Lebens- und Krankenversicherungen
Die Lebens- und Krankenversicherungen verzeichneten nach schwachem Wachstum in den Vorquartalen nun einen Schub um 4,3 Prozent bei den Beitragseinnahmen. Der operative Gewinn sprang im dritten Quartal teilweise dank eines Einmaleffekts um 41,5 Prozent auf 873 Millionen Euro. «Der wichtigste Ergebnisträger im Lebensversicherungsgeschäft ist das Kapitalanlagegeschäft», sagte Perlet.


Vermögensverwaltung legte zu
In der Vermögensverwaltung legte das operative Ergebnis von 294 auf 330 Millionen Euro zu, während das verwaltete Fremdvermögen von 764 auf 775 Milliarden Euro wuchs. «Trotz des insgesamt schwierigen Marktumfeldes sehen wir uns gut positioniert», sagte Perlet. (awp/mc/ab)

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