Andreas Heusler, CEO Precious Woods

von Patrick Gunti


Herr Heusler, Precious Woods ist 2007 kräftig gewachsen. Das Betriebsergebnis konnte verdoppelt werden, ebenso der Reingewinn. Der Umsatz stieg um 66 %. Wie werten Sie das Resultat?


Precious Woods ist ein Wachstumsunternehmen. Im vergangenen Jahr haben wir eine grössere und eine kleinere Akquisition getätigt. Die grössere, sehr erfolgreiche in Gabun und eine finanziell noch nicht so spektakuläre, aber mit einem umso grösseren Entwicklungspotential in der Demokratischen Republik Kongo. Auch organisch sind wir gewachsen, was zeigt, dass wir noch Entwicklungspotential in unseren angestammten Tätigkeiten und geographischen Gebieten haben. Das Resultat ist erfreulich, denn unmittelbar wirtschaftlich erfolgreiches Wachstum zeigt, dass wir unsere Investitionsobjekte gut ausgesucht haben. Auch operativ haben wir Verbesserungen realisiert, was insbesondere in Brasilien ausserordentlich wichtig war. Hier liegen aber auch noch grosse Herausforderungen vor uns.


Die Holz- und Stromverkäufe erhöhten sich um 48,3 Mio. Dollar, wovon 41,4 Mio. Dollar auf die neu erworbenen Gesellschaften in Gabun entfallen. Im März 2007 hat Precious Woods ausserdem die von Ihnen angesprochene Minderheitsbeteiligung an einem Unternehmen in Kongo erworben. Wie wichtig war der Schritt nach Afrika in strategischer Hinsicht?


Der Schritt nach Afrika war und ist fundamental, weil auf diesem Kontinent die grössten und besten Holzvorkommen zu finden sind. Auch aus der Sicht der geographischen Diversifizierung war dieser Schritt äusserst sinnvoll; damit konnten wir unsere Abhängigkeit von Brasilien mit seinen inhärenten Risiken reduzieren. Damit einher geht auch eine klare Verschiebung des Schwergewichts von den Pflanzungen in Zentralamerika zur nachhaltigen Forstwirtschaft bestehender Tropenwälder.


«Ein Unternehmen, das in Gebieten tätig ist, in denen der Staat kaum präsent ist und es keine wirtschaftliche Entwicklung gibt, kann nicht an der Bevölkerung vorbei arbeiten.» (Andreas Heusler, CEO Precious Woods)


Welche weiteren Pläne verfolgen Sie in Afrika?


Der Schritt in den Kongo war ein erster, kleiner Schritt mit einem enormen Entwicklungspotential. Wenn wir zur Überzeugung kommen, dass sich das Unternehmen, an dem wir heute nur eine kleine Minderheitsbeteiligung haben, nach unseren Kriterien und Zielen zertifizieren und ausbauen lässt, dann ist der nächste und in diesem Ausmass bisher grösste Wachstumsakzent von Precious Woods für die kommenden Jahre gesetzt.


Mit dem Kauf des Forstunternehmens und des Furnierwerks in Gabun hält Precious Woods in einem bewohnten Gebiet staatliche Forstkonzessionen. Welche neuen Herausforderungen bringt das mit sich?

Ein Unternehmen, das in Gebieten tätig ist, in denen der Staat kaum präsent ist und es keine wirtschaftliche Entwicklung gibt, kann nicht an der Bevölkerung vorbei arbeiten. Wir müssen die Bedürfnisse der Bevölkerung einbeziehen – das Gebiet unserer Konzessionen ist ihr Lebensraum. Wir beziehen die Dörfer in unsere Planung ein, besprechen gemeinsam die Bedürfnisse und suchen Lösungen, die es uns ermöglichen, zu arbeiten, ohne in Konflikt mit den Interessen der «communautés» zu kommen. Das gilt nicht nur für Gabun, auch in Brasilien arbeiten wir mit diesen Ansatz. Es ist allerdings oft auch eine Gratwanderung, denn Precious Woods soll und kann ja nicht den Staat ersetzen.


Wird die Bedeutung von bewohnten Konzessiongebieten zunehmen?

Das hängt von der Region ab. In gewissen Teilen Brasiliens ist die Bevölkerungsdichte sehr gering, in  gewissen Ländern Afrikas aber schon recht bedeutend. Aber grundsätzlich nimmt der Bevölkerungsdruck auf die Waldgebiete zu. «La forêt vierge», den unberührten Urwald  gibt es fast nicht mehr – und deshalb gilt es, die Bewohner von Anfang an einzubeziehen und sie an der Entwicklung, die wir bringen,  teilhaben zu lassen.


Die Holzverkäufe von Precious Woods in Brasilien reduzierten sich 2007 um 22 %. Was war der Grund dafür?


Die Erlöse aus dem Verkauf von Holz und Energie an Dritte nahmen in Brasilien von 2006 zum Jahr 2007 in USD um rund 46% zu. Der Hauptzweck unserer Aktivitäten in Brasilien ist die nachhaltige Bewirtschaftung und Verarbeitung von Rundhölzer. Dieses Schnittholz ist für den Export und den Vertrieb durch unsere Handelsgesellschaft in Holland bestimmt. Der Innenumsatz wird konsolidiert und nicht ausgewiesen. Daneben produzieren wir aus dem Holz, das auf den Exportmärkten Europas keinen Absatz findet, Produkte für die lokalen Märkte des Amazonasgebietes (Manaus, Belém) und vermehrt auch für die grösseren Agglomerationen im Zentrum Brasiliens, wo der Gedanke des FSC zertifizierten Holzes allmählich Fuss fasst. Neben dem Energieverkauf ist der lokale Holzverkauf an Dritte nur eine komplementäre Aktivität mit bedeutend geringeren Margen. Dies wird sich erst ändern, wenn auch auf diesen Märkten zertifizierte Produkte verlangt werden. 


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Im laufenden Geschäftsjahr plant Precious Woods Investitionen von 20 Mio. Dollar. In welche Projekte und Regionen fliessen diese Gelder und von welcher Geschäftsentwicklung gehen Sie 2008 aus?


Mittelfristig will Precious Woods ihre Ressourcenbasis für Hartholz erweitern. Der Erwerb von Eigentum in Tropenwäldern ist kaum mehr möglich, normalerweise vergeben Staaten Konzessionen an Forstunternehmen. 


In Brasilien kauft Precious Woods 70’000 ha Privatwald. Dieses Land verbindet zwei Waldflächen, die bereits in unserem Besitz sind. Damit können wir unsere Erntefläche vergrössern. In Zentralamerika möchten wir mehr Land für die Wiederaufforstung erwerben. Weil wir grundsätzlich und aus Risikoüberlegungen neue Ressourcen ausserhalb Brasilien erschliessen wollen, sind wir dabei, einige Projekte in verschiedenen Ländern Südamerikas zu prüfen (Peru, Bolivien und Surinam).


In Gabun möchten wir – analog zu Brasilien, nur etwas kleiner – ein Holzschnitzelkraftwerk zur Eigenversorgung mit Strom und den Ersatz von Dieselgeneratoren bauen. Mit diesem Projekt werden wir auch Emissionszertifikate erhalten. Im Zusammenhang mit unserer Tätigkeit in Gabun haben wir im März 2008 den Minderheitsanteil des Furnierwerks TGI gekauft und rückwirkend auch die Vertriebsaktivitäten der holländischen Firma  van Hout übernommen, um damit die Exklusivrechte am Verkauf zu erhalten und dadurch Synergien zu schaffen. Zudem steht zur Diskussion, die Firma GWW, die unserer Tochter Precious Woods Europe schon zur Hälfte gehört, ganz zu übernehmen; GWW vertreibt Holzprodukte für den Wasserbau.


Das FSC-Label wird zu einem immer besser bekannten Begriff, gerade jetzt wieder bei Terrassenmöbeln aus Holz ist es sehr häufig zu sehen. Was aber bedeutet die FSC-Klassifizierung genau?


Die FSC-Zertifizierung ist die einzige vollständig unabhängige, hauptsächlich von NGOs getragene Zertifizierung für Holz. Als wichtige Trägerorganisationen stehen neben WWF und Greenpeace auch soziale Institutionen im Dienst dieser Zertifizierung. Diese beinhaltet die ökologisch und sozial nachhaltige Bewirtschaftung von Wäldern in gemässigten wie in Tropenzonen. Holz bzw. Holzprodukte einschliesslich Cellulose und Papier aus einem FSC zertifizierten Wald (Naturwald oder Plantagenwald) können Sie bedenkenlos kaufen. Im Weiteren beinhaltet die FSC-Zertifizierung die sogenannte «Chain of Custody», d.h. ein Holzprodukt kann immer bis zum Wald als Standort des Baumes zurückverfolgt werden; es ist somit ausgeschlossen, dass anderes Holz als FSC zertifiziertes Holz auf den Markt kommt.


Die Holzpreise sind in den letzten Jahren stark gestiegen, nun haben sich die Preise etwas stabilisiert. Ist das nur die Ruhe vor einem weiteren Anstieg?


Die Holzpreise sind aus zwei Gründen gestiegen. Einerseits ging das Angebot aus dem asiatischen Raum wegen Übererntung zurück und auch in Lateinamerika ist speziell das Angebot aus Brasilien leicht zurückgegangen. Hier hat die schärfere Kontrolle des Staates gegen den Raubbau und die starke Aufwertung des brasilianischen Real die Exporte erschwert. Auf der anderen Seite ist die Nachfrage strukturell (aus dem asiatischen Raum, speziell aus China) und konjunkturell in Europa deutlich gestiegen. Das Bewusstsein für Nachhaltigkeit ist ebenfalls gewachsen, so dass das FSC zertifizierte Holz einer zusätzlichen Nachfrage bei nur schwach ansteigendem Angebot ausgesetzt war. Im Rahmen genereller Erhöhung natürlicher (auch erneuerbarer) Rohstoffe ist ein weiterer Anstieg durchaus denkbar, allerdings sind diesem Anstieg auch Grenzen durch Substitutionsprodukte gesetzt. Wenn diese auf Rohölbasis oder mit viel Energie erzeugt werden, steigt natürlich auch der Referenzpreis für die Substitution.


«Die Nachhaltigkeit ist bei Precious Woods nicht nur Kernkompetenz sondern unser Markenzeichen.» (Andreas Heusler, CEO Precious Woods)


Holz wird oft auch als «braunes Gold» bezeichnet. Das Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern führt zu einer erhöhten Nachfrage, Holz gilt wieder als attraktiver Brennstoff und gleichzeitig schrumpft die Holzanbaufläche. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?


Holz als erneuerbarer Baustoff hat ganz sicher eine grosse Zukunft, auch als Energieträger; wir sehen das von uns geerntete Edelholz als Energieträger jedoch nur als Komplementärprodukt aus der Restholzverwertung. Als Biotreibstoff ist das Holz vermutlich aus sozialer Sicht am unbedenklichsten, aber wirtschaftlich nicht unbedingt der effizienteste. 


Das Umweltbewusstsein in unseren Breitengraden ist gestiegen, Nachhaltigkeit zu einem oft benutzten Wort geworden. Glauben Sie an eine wirkliche gesellschaftliche Veränderung?


Ja, ganz sicher. Deshalb ist es auch so wichtig, ein klar als nachhaltig gekennzeichnetes Produkt zu produzieren und zu vertreiben. Die Nachhaltigkeit ist bei Precious Woods nicht nur Kernkompetenz sondern unser Markenzeichen. Das schätzen nicht nur unsere Kunden sondern auch die Anleger auf dem Kapitalmarkt, die Precious Woods jedes Jahr zu einem der nachhaltigsten Unternehmen erküren und die Aktie auch entsprechend bewerten.


Herr Heusler, besten Dank für das Interview.





Zur Person:
Andreas Heusler (Jahrgang 1951) ist seit 1. Januar 2006 Chief Executive Officer von Precious Woods.


2000 – 2003
Seconstruye.com S.A., Santiago, Chile: Gründungsmitglied und VR-Präsident von Seconstruye.com, einer E-Commerce Vertriebs- und Servicegesellschaft für Grossverteiler, Einzelhändler und Endverbraucher im Baugewerbe
2003 – 2004
CEO von Holcim (Colombia) S.A., Bogotá und Holcim (Venezuela) C.A., Caracas
1993 – 2003
CEO von Cemento Polpaico S.A., Santiago, Chile
1988 – 1992
CFO und Mitglied der Geschäftsleitung von CIBA-GEIGY Química S.A., São Paulo, Brasilien
1987 – 1988
Controller bei CIBA-GEIGY Química S.A.
1985 – 1987
Treasurer bei CIBA-GEIGY Química S.A.
1984 – 1985
Ländersachbearbeiter, Abteilung für Finanzwesen der CIBA-GEIGY-Konzernzentrale, Basel
1982 – 1984
Schweizerisches Institut für Unternehmerschulung im Gewerbe: Dozent für den Bereich Finanzierung
1979 – 1984
Schweizerischer Bankverein: Unternehmensberater für F&A sowie Unternehmens- und Finanzplanung, Abteilung für Spezialfinanzierungen der Generaldirektion, Basel
1976 – 1979
Institut für Sozialwissenschaften der Universität Zürich: Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Assistent


Von 2003 bis 2004 war Andreas Heusler Mitglied des Vorstandes von FUNDES (Fundación para el Desarrollo Económico y Social) in Bogotá, Kolumbien. Von 1999 bis 2003 war er Präsident des Vorstandes der Chilenisch-Schweizerischen Handelskammer in Santiago, Chile.


Ausbildung
Andreas Heusler studierte Volks- und Betriebswirtschaft an der Universität Basel und doktorierte 1979 über ein finanzwirtschaftliches Thema.


Zum Unternehmen:
Precious Woods ist ein international führendes Unternehmen im Bereich der nachhaltigen Bewirtschaftung und Nutzung von Tropenwald. Unser Unternehmen mit Hauptsitz in der Schweiz beschäftigt weltweit rund 2’300 Mitarbeitende und besitzt Tochtergesellschaften in Brasilien, Costa Rica, Nicaragua, Gabun, Holland und der Schweiz.


Nachhaltigkeit im wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Bereich bildet den Grundgedanken im Geschäftsmodell von Precious Woods. Precious Woods zeigt, dass die nachhaltige Waldnutzung und Holzverarbeitung viele ökologische und soziale Vorteile aufweist und auch ökonomisch interessant ist. Durch die schonende, streng nach FSC reglementierte Waldbewirtschaftung in Brasilien werden bestehende, stark gefährdete Waldgebiete langfristig erhalten. Durch Aufforstungen in Zentralamerika werden unfruchtbare, verlassene Weideflächen wieder zu Waldökosystemen.


Diese Tätigkeiten schaffen jedoch nicht nur ökologischen Mehrwert. In den wirtschaftlich benachteiligten Regionen entstehen Arbeitsplätze, die zahlreichen Familien eine würdige Lebensperspektive geben. Für die lokale Bevölkerung kann ein wirtschaftlicher Anreiz geschaffen werden, den Wald zu erhalten, anstatt ihn mangels anderweitiger wirtschaftlicher Perspektiven zu zerstören. Mit weiteren Dienstleistungen bemüht sich Precious Woods das soziale und ökonomische Wohlergehen der im Wald Beschäftigten und der lokalen Bevölkerung zu vergrössern und langfristig zu erhalten.


http://www.preciouswoods.com


 

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