Arcandor legt Warenhausehe ‹auf Eis›

METRO-Chef Eckhard Cordes hatte erst am Vortag sein Interesse an Karstadt noch einmal bekräftigt. Bei einer möglichen Zusammenlegung von Karstadt und Kaufhof könnten nach den bisherigen Planungen rund 40 der zusammen gut 200 Warenhäuser der beiden Unternehmen geschlossen werden. Noch am Montag hatten Vertreter der beiden Warenhausketten über einen möglichen Zusammenschluss verhandelt.


Arbeit in Arcandor-Zentrale wieder angelaufen
Nach der Vorlage des Insolvenzantrags sei die Arbeit in der Essener Arcandor-Zentrale wieder angelaufen, sagte Koslowski. Zusammen mit dem zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellten Kölner Anwalt Klaus Hubert Görg und dem zum Arcandor-Generalbevollmächtigen ernannten Düsseldorfer Insolvenzspezialisten Horst Piepenburg habe ein Team von über 20 Experten die Arbeit aufgenommen.


Ziel sei es weiterhin, das Unternehmen als Ganzes zu erhalten, sagte Koslowski. Zur Fortführung des Unternehmens werde nun beim Amtsgericht Essen ein Antrag auf Durchführung einer Planinsolvenz in Eigenverantwortung vorgelegt. Am Dienstag hatte das Unternehmen Insolvenzantrag für die Muttergesellschaft Arcandor AG und für ihre Handelstöchter Karstadt Warenhaus GmbH, Primondo GmbH und Quelle GmbH gestellt.


Arbeitnehmervertreter im Gespräch mit Politikern
In Gesprächen mit Bundespolitikern wollen Arbeitnehmervertreter des Konzerns über die Rettung von Arbeitsplätzen bei Arcandor beraten. Insgesamt bangen 43.000 Beschäftigten um ihre Arbeitsplätze. Am Nachmittag ist ein Gespräch mit Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) geplant, wie eine Sprecherin des Ministeriums bestätigte. Danach will sich Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) mit Arbeitnehmervertretern des Arcandor-Konzernes treffen. Die Bundesregierung hatte Hilfen für Arcandor abgelehnt mit der Begründung, neben Gläubigern hätten sich auch die Eigentümer nicht ausreichend für die Arcandor-Rettung engagieren wollen.


Mitarbeiter-Proteste
Die Gewerkschaft ver.di hat am Mittwoch in mehreren Innenstädten Aktionen für die Beschäftigten des Arcandor-Konzerns organisiert, die nach der Insolvenz um ihren Arbeitsplatz fürchten. In Stuttgart plante ver.di eine Menschenkette mit rund 1.500 Teilnehmern rund um das Karstadt-Haus in der Königstrasse. Die Karstadt-Mitarbeiter waren auch am Tag nach dem Insolvenzantrag wütend und geschockt. «Das war ein Nackenschlag. Wir sind zu Tode betrübt», sagte Detlef Wind, Betriebsratsvorsitzender der Essener Karstadt-Filiale mit 250 Mitarbeitern, bei einer Demonstration in der Innenstadt. Politiker und Kapital hätten sich nicht bewegt. Nun gehe es darum, mit allen rechtlichen Optionen so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten.


In München gingen mehrere hundert Karstadt-Mitarbeiter für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze auf die Strasse. Nach dem Insolvenzantrag der Karstadt-Mutter Arcandor machten sie mit Transparenten und Pfiffen ihrem Ärger Luft. Die Wut vieler Mitarbeiter richtete sich vor allem gegen das frühere Arcandor-Management um Thomas Middelhoff, der bis vor drei Monaten Vorstandsvorsitzender war. (awp/mc/pg/24)

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