Artur P. Schmidt: Generalmobilmachung gegen das Massensterben

Von Artur P. Schmidt
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Auch der Aufbau notwendiger Lazarette scheint völlig ungenügend um ein Mindestmass an Normalität wieder herstellen zu können. Das Land, indem aktuell tausende von traumatisierten Kindern umherirren, versinkt in Ohnmacht und Verzweiflung und bereits streiten sich die USA, Frankreich und Brasilien um die Vorherrschaft im Armenhaus der westlichen Welt. Die Lage in Haiti ist mittlerweile so prekär und die bisherige Regierung derart überfordert, dass Präsident Préval die Hoheit für den Flughafen in Port-au-Prince an die USA abtrat. Dass US-Truppenflüge nun bevorzugt Landeerlaubnis in Haiti erhalten und die Flugzeuge von Hilfsorganisationen aus anderen Ländern in die Dominikanisch Republik umgeleitet werden, hat bereits zu Verstimmung geführt oder anders ausgedrückt: Wie üblich schaffen die USA durch ihre militärische Präsenz Fakten. Dabei droht Haiti, welches wirtschaftlich für die USA bedeutungslos ist, zu allem Elend hinzu auch noch zu einem Spielball internationaler Interessen zu verkommen. Auf der Stecke bleibt dafür eine koordinierte Hilfe, die wie die Berliner Luftbrücke nach dem 2. Weltkrieg eine ausreichende Versorgung der Bevölkerung mit dem Notwendigsten sicherstellt.


Humanität hat Vorrang vor allen anderen Überlegungen
Es ist ein Skandal grössten Ausmasses, dass die mächtigen Industrienationen ihren Banken mit Milliarden helfen können, wenn diese in Schieflagen geraten, jedoch erbärmlich versagen, wenn Hundertausende von Menschen sterben und mehr als 1 Million Menschen obdachlos wird. Selten hat es ein grösseres Versagen der Weltgemeinschaft gegeben, die lieber in alte Kolonialzeiten zurückfällt, als sich um das Wichtigste zu kümmern, nämlich den Menschen in Haiti beim Überleben zu helfen. Sicherlich trug zum Chaos auf der Insel auch bei, dass die UNO-Friedensmission im entscheidenden Moment führungslos war, da der Missionsleiter Hédi Annabi und sein Stellvertreter Luiz Carlos da Costa bei dem Beben ebenfalls getötet wurden. Dennoch hätte die UNO schneller reagieren und Führungskräfte von aussen in das Land bringen müssen. Schliesslich ist die Insel seit 2004 de facto ein UNO-Protektorat und schon deshalb muss die Weltorganisation die Hilfe koordinieren.  


Globale Rettungsaktion unabdingbar
Dem Suchen nach Worten, um das unsägliche Grauen in Haiti zu beschreiben, muss eine gross angelegte Hilfsaktion unter Einsatz weltweiter militärischer Kräfte folgen, um den sterbenden Menschen so schnell wie möglich zu helfen. Wäre Haiti ein boomendes Tourismusland, wäre es von wirtschaftlicher Bedeutung für den Rest der Welt, so hätte die Weltgemeinschaft womöglich schneller reagiert. Wann wachen die Führungskräfte der westlichen Welt endlich auf und machen ihre Hilfsleistungen nicht von ökonomischen, sondern nur noch humanitären Kriterien abhängig.


Soforthilfe für die Schwerverletzten
Erdbebenkatastrophen wie in Haiti können sich jederzeit und überall wiederholen. Deshalb wird zukünftig ein internationaler Krisenstab benötigt, der weltweit ein Eingreifen innerhalb von 48h sicherstellen kann, um möglichst viele Menschen zu retten, wenn diese unter Trümmern von einstürzenden Häusern begraben werden. Dass wie durch ein Wunder auch Tage nach der Katastrophe immer noch Menschen lebend geborgen wurden, zeigt wie wichtig eine solche Massnahme ist. Neben schwerem Bergungsgerät müssen auch Helikopterstaffeln sehr schnell in Katastrophengebiete verlegt werden können, um umgehend vor Ort Hilfe mit Wasser, Lebensmitteln und Medikamenten leisten zu können. Wenn sich die Hilfsgüter am haitianischen Flughafen sammeln, ohne schnell genug bei den Menschen anzukommen, offenbart dies ein ernsthaftes Logistik-Problem. Es darf nicht sein, dass sich eine hoch entwickelte Gemeinschaft von Industrienationen den Luxus leisten kann, angesichts einer Zahl von möglicherweise bis zu 200.000 Toten, bei der Verteilung der Hilfsgüter erbärmlich zu versagen. Zwar sind Forderungen nach einer Aufbaukonferenz gerechtfertig, jedoch geht es aktuell primär um die medizinische Versorgung der vielen Verwundeten und Schwerverletzten. Dies muss höchste Priorität haben.


Marshallplan für den Wiederaufbau
Wenn der Tod des 11-jährigen Mädchens Anaika St. Louis, welches 48 Stunden in den Trümmern eingeklemmt war und dessen Fuss von einem Stahlträger zerschmettert wurde, irgendeinen Sinn haben kann, dann den, dass wir erkennen, dass die bisherige medizinische Versorgung nicht ausreicht um möglichst viele Menschenleben zu retten. Das Mädchen starb auf dem Weg zu einem Lazarett, weil die medizinische Versorgung völlig unzureichend war. Haiti benötigt nach dem vorrangigen Retten der Menschenleben jedoch auch einen Marshallplan zum Wiederaufbau. Mit Spenden und Hilfen in dreistelliger Millionenhöhe ist es nicht getan, es gilt ein zweistelliges Milliardenpaket für Haiti zu schnüren, damit das Land möglichst schnell wieder auf die Beine kommen kann.





Artur P. Schmidt
Der Wirtschaftskybernetiker Dr.-Ing. Artur P. Schmidt wurde in Stuttgart geboren. Er besuchte im Stadtteil Zuffenhausen das Ferdinand-Porsche-Gymnasium und machte dort das Abitur. Das Studium der Luft- und Raumfahrttechnik in Stuttgart und Berlin schloss er im Alter von 27 Jahren mit  der Bestnote im Fachgebiet Raketentechnik ab, so dass ihm von Prof. H.H. Koelle die Promotion angetragen wurde. Im Alter von 30 Jahren erhielt Artur P. Schmidt den Doktortitel für ein kybernetisches Marktanalyse-Verfahren am Beispiel der Strategischen Planung von Airbus Industries. Nach einer Beratungstätigkeit bei Anderson Consulting sowie als Leiter der Strategischen Analyse der Ruhrgas AG war Dr. Schmidt Stipendiant der Stiftung zur Förderung der systemorientierten Managementlehre und letzter Schüler von Prof. Hans Ulrich, dem Begründer des St. Galler Management-Ansatzes. Während dieser Zeit begann Dr. Schmidt seine publizistische Laufbahn, aus denen Bestseller wie «Endo-Management» und «Der Wissensnavigator» sowie Wirtschaftsbücher wie «Wohlstand_fuer_alle.com» oder «Crashonomics» hervorgingen. Sein neuestes Buch, welches im EWK-Verlag (www.ewk-verlag.de ) erschienen ist, heisst  «Unter Bankstern».



Heute ist Artur P. Schmidt Herausgeber des Online-News-Portals www.wissensnavigator.com sowie der Finanz-Portale www.bankingcockpit.com , www.wallstreetcockpit.com , www.futurescockpit.com und www.optioncockpit.com sowie Geschäftsführer der Tradercockpit GmbH (www.cockpit.li ). Dr. Schmidt ist ein gefragter Keynote-Speaker sowie Kolumnist für zahlreiche Finanzpublikationen.

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