Banken-Trojaner erpressen Hunderte Millionen Euro

«Traditionelle Virenattacken und Epidemien gehören im Prinzip der Vergangenheit an», so Unternehmensgründer Eugene Kaspersky gegenüber pressetext. «Was früher das Werk von harmlosen Kids und Internet-Freaks war, ist heute zum knallharten Geschäft von Cyberkriminalisten geworden», so Kaspersky weiter. Neben der anhaltenden Trojanerflut, die es auf sensible Daten von Anwendern abgesehen hat, bereitet den Sicherheitsexperten vor allem der Trend zu unternehmensinternen Angriffen Kopfzerbrechen.


«Die Vorfälle bei Banken und anderen grossen Unternehmen häufen sich, bei denen Mitarbeiter eine Schwachstelle der internen Antiviren- und Firewall-Lösung ausnützen, um Malware einzuschleusen. In einzelnen Fällen, die letztlich glimpflich ausgegangen sind, standen Hunderte von Mio. Euro auf dem Spiel», so Kaspersky.


Anstieg kryptischer Trojaner
Für 2007 wird zudem ein Anstieg von kryptischen Trojanern erwartet. Diese verschlüsseln Daten auf dem gekaperten Computer und erpressen ihre Opfer mit Geldforderungen für einen entsprechenden Dechiffrierungsschlüssel. Als weiterer Trend zeichnet sich auch das Stehlen von wertvollen Online-Games-Bestandteilen durch Trojaner ab. So sind besonders wertvolle Online-Charaktere und Objekte, die nur nach monatelangem Spielen frei geschaltet werden können, mittlerweile zig-Tausende Dollar auf dem Schwarzmarkt wert.


Kein umfassender Schutz
Die von Microsoft in Windows Vista implementierten Sicherheitsverbesserungen bewertet man bei Kaspersky grundsätzlich positiv, wenngleich auch sie keinen umfassenden Schutz gegen die neuen Angriffszenarien bieten könnten. Weniger begeistert zeigt man sich hingegen von der im Mai 2006 gelaunchten Microsoft-Lösung Onecare, deren Markteintritt vor allem bei der Konkurrenz von Symantec und McAfee für einige Nervosität gesorgt hatte . «Microsofts Onecare ist unseren Tests zufolge höchstens mittelmässig. Das Positive aber ist, dass durch die verstärkten Aktivitäten Microsofts alle Anwender zu mehr Sicherheit erzogen werden», so Kaspersky. Das eigene Geschäft sieht man von dem neu erwachsenen Konkurrenten nicht betroffen, da Microsoft in besagtem Bereich derzeit einfach nicht genügend Reputation und Vertrauen besitze.


2/3 aller Internet-Anwender ohne Antiviren-Schutz
«Vista implementiert eine Reihe von innovativen Technologien. Man muss sich aber bewusst sein, dass ein Virus oder Trojaner all das machen kann, was dem Anwender selbst erlaubt ist», warnt auch der Kaspersky-Virenanalytiker Alexander Gostev. Eingeschränkte Administratorenrechte würden zwar einen gewissen Schutz bieten. Solange man selbst in der Lage sei, ein E-Mail zu senden, könne dies aber auch ein Trojaner tun, so Gostev im pressetext-Interview. Erschwerend für Vista komme naturgemäss hinzu, dass alle Cyberkriminellen sich im kommenden Jahr auf das neue Betriebssystem stürzen werden, um Lücken aufzuspüren und Schutzmassnahmen zu knacken. «Die Grundproblematik ist allerdings, dass zwei Drittel aller Internet-Anwender weltweit immer noch keine Antiviren-Lösung auf ihrem Computer installiert haben», ortet Gostev grossen Nachholbedarf im Anwenderbereich. (pte/mc/pg)


 

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