Beni Stöckli, CEO Stöckli AG: „Nur mit absoluten High-End Produkten können wir den Ansprüchen der Kunden entsprechen“

Beni Stöckli, CEO Stöckli AG: „Nur mit absoluten High-End Produkten können wir den Ansprüchen der Kunden entsprechen“

von Patrick Gunti


Moneycab: Herr Stöckli, in welche Richtung ist die Entwicklung der Stöckli-Skimodelle für den Winter 2006/07 verlaufen?


Beni Stöckli: In Richtung Diversifikation. Die Bedürfnisse der Schneesportler haben sich ausgeweitet. Ich nenne da speziell die Bereiche „Freestyle und Backcountry“. Weiter haben wir die Produktelinie für die Frauen um ein weiteres Modell erweitert. Zusammengefasst gilt es zu sagen, dass wir die Skipalette weiter ausgebaut haben und für jeden Anspruch den optimalen Ski anbieten können.


Race, All Mountain, Multi Condition, Freeride ? wie viele Segmente sind eigentlich nötig?


Jedes Segment hat seine Berechtigung. Unsere Aufgabe ist es, Trends zu erkennen und dementsprechend auch auf diese Veränderungen angepasste Skis anzubieten. Der heutige Konsument wird auch immer anspruchsvoller. Mit den angebotenen Segmenten können wir optimal auf die Kundenwünsche eingehen.


In welchen Segmenten erwarten Sie in den kommenden Jahren das grösste Wachstum?


Gerade im den Bereichen Multi Condition und Freestyle erwarten wir ein grosses Wachstum. Zum einen ist die Zeit der kurzen Skis vorbei. Die Leute suchen nach einem polyvalenten Pistenski. Zum anderen entdecken die Skifahrer auch den Park. Diese Szene (vorwiegend junge Leute) wird in den nächsten Jahren stark wachsen.



„Wir wollen auch in Zukunft in der Schweiz Skis produzieren und investieren daher viel in die Forschung und Entwicklung.“  Beni Stöckli, CEO Stöckli AG


Wie wichtig ist es für eine Skifirma wie Stöckli, mit Innovationen aufwarten zu können?


Überlebenswichtig! Nur mit absoluten High-End Produkten können wir den Ansprüchen der Kunden entsprechen. Als einziger Schweizer Skihersteller können wir auch dank dem Standortvorteil Schweiz die Qualität garantieren. Unsere Skis werden täglich von der Entwicklungsabteilung analysiert und weiterentwickelt. Weiter fliessen ständig auch die Erkenntnisse aus dem alpinen Weltcup mit ein.


Wieviel investiert Ihr Unternehmen in Forschung und Entwicklung?


Zahlen geben wir nicht bekannt. Doch jede Unternehmung lebt von innovativen Produkten mit hoher Qualität. Wir wollen auch in Zukunft in der Schweiz Skis produzieren und investieren daher viel in die Forschung und Entwicklung.


Zum Saisonstart präsentierte Stöckli den Alinghi-Ski. Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Ernesto Bertarelli?


Die beiden Unternehmen Alinghi und Stöckli haben ein Image mit vergleichbaren Grundwerten: Passion ? Spitzensport ? Hightech ? Teamspirit. Diese Werte werden auch im ausgewählten Skimodell übernommen: ein Freeride-Ski für extreme Anforderungen und Verhältnisse ? ein Ski mit einem einzigartigen Design. Den ersten Kontakt zwischen den beiden Partnern stellte ein gemeinsamer Freund her, der Freerider des Jahrhunderts Dominique Perret, welcher jeweils für Stöckli das Pro-Modell der Freeride-Linie mitentwickelt. Zudem sind die beiden „Kapitäne“ Ernesto Bertarelli und Beni Stöckli durch die persönliche Leidenschaft zum Segel- und Skisport verbunden.

Wo sehen Sie die Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Unternehmen?

Alinghi und Stöckli stehen für sportliche Leidenschaft in den extremen Elementen: Alinghi mit Wasser, Wellen und Wind ? Stöckli in den Bergen, Schnee und Kälte. Beide Firmen stehen für sportliche Spitzenleistungen im Renneinsatz: America?s Cup im Segeln ? Weltcuprennen im Skirennsport. Weiter stehen sowohl Alinghi wie auch Stöckli für Schweizer Präzision, Technologie und Hightechprodukte auf höchstem Niveau, für ein Teamwork zwischen extrem motivierten Sportlern und Wissenschaftlern. Beide Unternehmen leben einen Spirit, der weit mehr bedeutet als einfach gute Produkte.


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Stöckli ist das einzige verbliebene grosse Schweizer Skiunternehmen. Wie schwer ist es, sich im hartumkämpften internationalen Markt zu behaupten?


Dank unserer hohen Qualität und der Tatsache, dass wir in der Schweiz produzieren (Malters bei Luzern), gelten unsere Skis als High-Quality Produkt. Das „Swiss Made“ auf unseren Ski hilft uns vor allem im Ausland. Mit einer Produktionsmenge von 50’000 Paar Ski pro Jahr decken wir die Nachfrage nach unserem Produkt ab und können auf Markbedürfnisse flexibel reagieren.


Wieviele dieser 50’000 Paar Skis werden in der Schweiz abgesetzt, wie viele sind für den Export bestimmt?


In der Schweiz verkaufen wir pro Jahr ca. 30’000 Paar Ski. Der Rest geht in den Export. Wir sehen gerade im Export noch Potenzial und werden diesen Anteil in den nächsten Jahren sicherlich noch erhöhen.


Sie vertreiben Ihre Produkte in der Schweiz über ein relativ schmales Händlernetz. Welche Überlegung steckt dahinter?


Qualität vor Quantität. Es handelt sich um ein selektives Distributionskonzept. Wir beliefern pro Station nur einen Händler. Dank diesem Konzept entsteht für beide Seiten eine Win-win Situation. Wir pflegen mit unseren Partner einen intensiven Austausch und können somit Qualität der Skis wie auch der Beratung auf sehr hohem Niveau halten.



Der Weltcup hat die Akzeptanz für unsere Produkte in der Schweiz massiv gestärkt und die Nachfrage im Export hätte sich nicht so gut entwickelt. (Beni Stöckli)


Stöckli rüstet seit über 10 Jahren verschiedene Schweizer Skirennfahrer aus. Wie sehr spürt das Unternehmen die Auswirkungen von Erfolg oder Misserfolg der Fahrer?


Der Weltcup hat die Akzeptanz für unsere Produkte in der Schweiz massiv gestärkt und die Nachfrage im Export hätte sich nicht so gut entwickelt. Der Export existiert bei uns erst seit wir im Weltcup vertreten sind. Die Erfolge der Athleten haben natürlich einen positiven Effekt auf den Absatz der Produkte.


Stöckli ist nicht nur Ski- und Bikefabrikant sondern betreibt auch Sportfachgeschäfte, in denen Fremdprodukte wie Snowboards, Helme oder Sportbekleidung verkauft werden. Wie können Sie in diesem Bereich gegen die auch hier grosse Konkurrenz wie Athleticum oder Ochsner behaupten?


Als eigenes Handelsunternehmen führen wir u.a. die grösste Skimode- und Skischuhauswahl der Schweiz und konkurrieren so direkt mit den Grossisten. Bei den Skischuhen bieten wir den Konsumenten über 100 Modelle zu Auswahl an. Mit den eigenen Verkaufspunkten realisieren wir in der Schweiz bereits einen Marktanteil von fünf Prozent.

Ein wichtiger Erfolgsfaktor sind sicherlich unsere Mitarbeiter. Wir investieren laufend in interne Weiterbildungen und können daher unsere Kunden professionell beraten. Weiter sind unsere Angestellten selber sehr sportlich und können selbst gemachte Erfahrungen in das Beratungsgespräch einbringen. Jeder Kunde erhält bei einem Einkauf ab SFr. 350.- eine Fahrtentschädigung (in der Höhe der Benzinkosten). Wir haben noch viele weitere Dienstleistungen. Kommen Sie doch vorbei und lassen sich von unserer einmaligen Beratungsqualität überzeugen!


Das werde ich bei Gelegenheit gerne tun. Zur letzten Frage: Stöckli ist seit über 70 Jahren ein Familienunternehmen. Ist es denkbar, dass Stöckli einmal in andere Besitzverhältnisse übergeht?


Im übernächsten Frühling gebe ich die operative Leitung an einen meiner beiden Söhne ab. Sie sehen also, die Nachfolge ist geregelt. Ich freue mich, dass die Familientradition beibehalten und unsere Firma auch in Zukunft als Familienunternehmen geführt wird.


Herr Stöckli, besten Dank für das Interview.





Zum Unternehmen:
Qualitativ hochwertige und innovative Produkte sind das Markenzeichen von Stöckli Ski, dem einzigen Schweizer Skihersteller. Mit viel Herzblut setzt die Firma die Tradition im Skibau fort. Das Unternehmen wurde 1935 durch Josef Stöckli gegründet und befindet sich auch heute noch in Familienbesitz. Stöckli beschäftigt insgesamt 215 Mitarbeiter, produziert seine Skis in Malters/LU, betreibt sieben Filialen in Wolhusen, Heimberg, Wädenswil, Wil/SG, Zuchwil, St-Légier s/Vevey und Kloten sowie vier Miet- & Servicecenter in Sörenberg, Melchsee Frutt (Stöckalp, Hoch-Ybrig und Engelberg.


Ein starkes Markenimage steht bei Stöckli im Mittelpunkt. Mit dem Bau der Fabrikation in Malters 1986 konnte der Absatz auf heute rund 50?000 Paar Ski pro Jahr gesteigert werden. Durch den Ausbau 2002 hat Stöckli die gesamte Entwicklung zentralisiert, um der Schnelllebigkeit der Produktlebenszyklen entgegenzuwirken und die Innovationskraft zusätzlich zu erhöhen. Inzwischen steht der Name Stöckli nicht nur für Ski, sondern auch für eine grosse Auswahl in den Bereichen Wintermode, Snowboard, Skischuhe, Langlauf und einer Vielzahl dazugehöriger Accessoires. Der Sommersport wird bei Stöckli hauptsächlich durch die eigene Bike-Linie getragen, welche sich in der Szene (inkl. Rennsport) sehr schnell etabliert hat.

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