BP beginnt im Golf von Mexiko mit Aufräumarbeiten

Derweil forderten Naturschützer den britischen Konzern BP auf, beim Kampf gegen die Ölpest nicht nachzulassen. Die auf Tausenden Kilometern Länge ausgelegten schwimmenden Begrenzungen sollten das Öl davon abhalten, an die Küsten geschwemmt zu werden. Sie könnten aber bei Tropenstürmen, die sich nun in der laufenden Hurrikan-Saison häufen, zu zerstörerischen Geschossen werden. „Die Barrieren werden zum Risiko, weil sie Schäden im Marschland verursachen können, auf Strassen landen oder sich in den Docks verfangen“, sagte BP-Topmanager Doug Suttles.


Entlastungsbohrung fortgesetzt
Gleichzeitig wurde die Entlastungsbohrung zum Öl-Reservoir vier Kilometer unter dem Meeresgrund fortgesetzt. Nachdem das Steigrohr in der vergangenen Woche von oben mit Zement versiegelt wurde, soll die Quelle zusätzlich ab kommenden Freitag auch von unten abgedichtet werden. Allerdings sei es – anders als bisher geplant – dabei wohl nicht nötig, das rund 18 Zentimeter dicke Steigrohr anzubohren, sagte der von der US-Regierung ernannte Einsatzleiter, Admiral Thad Allen. Es genüge, lediglich den äusseren Ring um das Rohr herum mit Zement zu füllen. Damit solle verhindert werden, dass Öl aus möglichen kleinen Lecks unten in der Quelle nach oben drängen kann.


„Verpflichtungen von BP noch längst nicht erfüllt“
Trotz der jüngsten Erfolgsmeldungen warnen Umweltschützer davor, die Folgen der Katastrophe zu unterschätzen. „Das Desaster der „Exxon Valdez“ ist 20 Jahre her und die Gemeinden und das Ökosystem in Alaska leiden immer noch darunter“, sagte Kristina Johnson von der US-Naturschutzgruppe „Sierra Club“. Die Verpflichtungen von BP in dem Katastrophengebiet seien deshalb längst nicht erfüllt.


Öl grösstenteils auf natürliche Weise verschwunden?
Grosse Zweifel herrschen in der Fachwelt weiter an den Angaben der US-Regierung, dass drei Viertel der rund 660’000 ausgeströmten Tonnen Öl auf natürlich Weise verschwunden sind. „Bakterien können durchaus Öl im Meer abbauen, aber das ist ein Prozess, der sich über Monate oder gar Jahre hinzieht“, sagte Prof. Friedrich Widdel vom Max- Planck-Institut für Marine Mikrobiologie in Bremen der dpa. Zudem sei auch der natürliche Abbau problematisch für die Natur, weil dafür Sauerstoff benötigt werde. „Wenn die Bakterien ihn vollständig aufbrauchen, kippt das Meer um. Damit stirbt alles Leben ab.“ BP hat die Unglücks-Erdölplattform „Deepwater Horizon“ von der Zuger Transocean Ltd geleast.


BP: Kosten bis jetzt von gut 6 Milliarden US-Dollar
Die Ölpest im Golf von Mexiko hat BP inzwischen mehr als sechs Milliarden Dollar gekostet. Den bisherigen Aufwand bezifferte das Unternehmen am Montag in London auf 6,1 Milliarden Dollar. Darin enthalten sind die Ausgaben für die Versiegelung des defekten Bohrlochs, die Beseitigung der Umweltschäden und erste Ausgleichszahlungen für Betroffene. Ein Grossteil der Kosten kommt aber noch auf das Unternehmen zu. So drohen massive Schadensersatzforderungen. Zudem muss BP auf Drängen von US-Präsident Barack Obama in den kommenden dreieinhalb Jahren 20 Milliarden Dollar in einen Entschädigungsfonds einzahlen.


Rückstellungen von über 32 Milliarden Dollar
In seiner Bilanz hat der Konzern bereits Rückstellungen von 32,2 Milliarden Dollar gebildet. Diese Summe kann aber noch ansteigen, wie das Unternehmen Ende Juli deutlich machte. Finanzieren will BP das mit Verkäufen von Unternehmensteilen. Bis zu 30 Milliarden Dollar sollen so in die Kassen fliessen. Das Leck in der Ölquelle, aus dem seit Mitte April Öl praktisch ungehindert ins Meer strömte, ist nach monatelangem Kampf inzwischen abgedichtet und die Aufräumarbeiten haben begonnen. Parallel laufen noch Entlastungsbohrungen.&(awp/mc/ps/01)

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