BP gerät immer tiefer in den Schlamassel – CEO geht segeln

Als die Panne passierte, segelte BP-Konzernchef Tony Hayward gerade auf seiner Yacht «Bob» vor der englischen Küste. US-Präsident Barack Obama und seine Vize Joe Biden entspannten beim Golfen. Für die Teilnahme an einer Regatta um die Isle of Wight im Ärmelkanal erntete Hayward beissende Kritik. Der republikanische US-Senator Richard Shelby nannte das Verhalten Haywards den «Gipfel der Arroganz». Hayward solle mit seiner Yacht lieber im Ölpest-Gebiet sein und «saubermachen». Kritik kam auch von Greenpeace. Der BP-Chef «reibt Salz in die Wunden» der Menschen, die mit den Folgen der Katastrophe leben müssen, sagte Greenpeace-Berater Charlie Kronick am Sonntag.


BP verteidigt Chef gegen Kritik aus dem Wissen Haus
Das Weisse Haus in Washington kritisierte den Ausflug als «einen weiteren aus einer ganzen Reihe von PR-Ausrutschern und Fehlern». Der enge Vertraute von Präsident Barack Obama, Stabschef Rahm Emanuel, sagte dem US-Sender ABC: «Ich glaube, wir kommen alle zu dem Schluss, das Tony Hayward nicht vor einer Zweitkarriere als PR-Berater steht.» US-Küstenbewohner kritisierten dagegen den Ausflug von Obama und Biden zum Golfplatz, während weiter tonnenweise Öl ausläuft. BP verteidigte seinen Chef. Haywards Ausflug sei sein erster freier Tag seit Beginn der Ölpest vor knapp neun Wochen gewesen, sagte ein BP- Sprecher. Hayward hatte nach Firmenangaben auch seinen Sohn mit an Bord, für den er zuletzt kaum Zeit hatte.


Nadarko geht auf Distanz 
Auch wirtschaftlich wird es immer schwieriger für BP. Der US- Erdölkonzern Anadarko, Miteigentümer der gesunkenen Bohrinsel «Deepwater Horizon», geht auf Distanz zu seinem Partner und will Folgeschäden durch ausgelaufenes Öl nicht zahlen. Dafür komme nur der Energieproduzent auf, teilte der US-Konzern mit. BPs Massnahmen und Krisenmanagement «verkörpern wahrscheinlich grobe Fahrlässigkeit oder vorsätzliches Missverhalten». Gemäss einer Klausel in einer gemeinsamen Vereinbarung müsse in solchen Fällen nur BP als Betreiber für Schäden haften. Die Briten wiesen die Anschuldigungen zurück. Alle Kosten würden geteilt, auch die einer Ölpest. BP will Anadarko Berichten zufolge rechtlich zur Haftungsbeteiligung zwingen. Der dritte Partner, die japanische Mitsui-Gruppe, äusserte sich bislang nicht.


«Sunday Times»: BP will 50 Milliarden Dollar eintreiben
Der Energiekonzern will sich laut einem Zeitungsbericht ausserdem stärker für die explodierenden Kosten der Ölpest wappnen. Der Konzern will laut «Sunday Times» 50 Milliarden US-Dollar (40 Mrd Euro) eintreiben. Damit sollten ausreichend Barreserven für mögliche Schadensforderungen zur Verfügung stehen. Bislang hiess es, der Konzern sei finanziell stark genug. Die Ratingagenturen Fitch und Moody’s stuften zuvor BPs Kreditwürdigkeit herab. Bislang zahlte BP nach eigenen Angaben bereits 104 Millionen Dollar Schadensersatz.


Hayward aus der Schusslinie genommen
Unternehmensintern war der BP-Chef am Freitag aus der Schusslinie genommen worden. Das Tagesgeschäft im Kampf gegen die Ölpest wird nun von Bob Dudley übernommen, seit 2009 geschäftsführender Direktor des Ölkonzerns. Dies bedeute nicht, dass Hayward zurücktrete, betonte eine Unternehmenssprecherin. «Bis die akute Phase dieser Krise vorbei ist, bis das Leck geschlossen ist, ist Tony Hayward eindeutig zuständig für die Beantwortung dieser Krise.»


Täglich strömen bis zu 9,5 Mio Liter Öl ins Meer
Nach jüngsten Schätzungen fliessen täglich 35.000 bis 60.000 Barrel (zwischen 5,5 und 9,5 Millionen Liter) Rohöl aus dem beschädigten Bohrloch in das Randmeer. Das Abpumpen von einem Teil des auslaufenden Öls erfolgt laut BP nun wieder planmässig. Wie viel Öl aufgefangen wird, sagt BP nicht. Der Tanker kann täglich 18.000 Barrel auffangen.


Kosten für Ölkatastrophe steigen weiter
Derweil steigen die Kosten für die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko stetig an. BP bezifferte am Montag seine bisherigen Kosten auf rund zwei Milliarden Dollar. Darin enthalten seien die Ausgaben, um das Öl aufzufangen und den Ausfluss zu stoppen, für die Entlastungsbohrungen sowie Zahlungen an die betroffenen Anrainerstaaten und Geschädigte. Bislang seien mehr als 65.000 Anträge eingereicht worden und mehr als 32.000 Zahlungen erfolgt, hiess es weiter. Sie summierten sich auf bislang mehr als 105 Millionen Dollar. Grundsätzlich sei es aber noch zu früh, die Gesamtkosten zu beziffern, teilte das Unternehmen mit. (awp/mc/ps/01) 

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