BP stimmt 20-Mrd-USD-Fonds für Ölpestschäden zu

Dies heisst es unter Berufung auf einen hohen US-Regierungsbeamten. Der Ölmulti soll mehrere Jahre Zeit bekommen, das Geld aufzubringen, schreibt die «New York Times» in ihrer Online-Ausgabe. Die Verwaltung des Fonds solle Kenneth Feinberg übernehmen, der zuletzt als Sonderbeauftragter der Regierung im Zuge der Finanzkrise die Bezahlung hunderter Topmanager überwachte. Er war auch Verwalter des Kompensationsfonds für Hinterbliebene von Opfern der Terroranschläge am 11. September.


BP-Führung ins Weisse Haus zitiert
US-Präsident Barack Obama hatte die BP-Führung ins Weisse Haus zitiert, um mit ihr über die Auszahlung von Schadensersatz an Fischer, Arbeiter und andere von der Ölpest Betroffene zu verhandeln. Der Präsident bemängelt, dass BP mit den Zahlungen nicht nachkomme. Er forderte den britischen Energieriesen auf, rechtmässige Ansprüche «angemessen, gerecht und zügig» zu begleichen.


Dividende gestrichen
Bei dem Konzern sind seit der Explosion der Bohrinsel «Deepwater Horizon» vor acht Wochen mehr als 51.000 Forderungen eingegangen. Für BP kamen der Aufsichtsratsvorsitzende Carl-Henric Svanberg und Chef Tony Hayward und andere Manager ins Weisse Haus. Die US-Regierung war mit einem grossen Aufgebot vertreten. Neben Obama und Vizepräsident Joe Biden waren mindestens fünf Minister anwesend. Im Anschluss an die Unterredung im Weissen Haus teilte Svanberg mit, dass BP angesichts der Katastrophen-Kosten in diesem Jahr keine Dividenden an seine Teilhaber auszahlen wird. Er entschuldigte sich ausserdem im Namen der BP-Beschäftigten für die Tragödie. Die Streichung der Dividenden gelte zunächst nur für die ersten drei Quartale dieses Jahres. Über eine Zahlung für das vierte Quartal wird im kommenden Frühjahr entschieden, wenn der Geschäftsbericht vorgelegt wird. Bis dahin wolle der Konzern ein klareres Bild über die eigenen Langzeitfolgen der Explosion seiner Bohrinsel «Deepwater Horizon» am 20. April mit elf Toten haben.


BP-Chef Hayward «am Boden zerstört»
BP-Chef Tony Hayward ist nach eigenen Angaben wegen der Explosion der Bohrinsel mit elf Toten und der anschliessenden Ölpest am Golf von Mexiko «am Boden zerstört». Es tue ihm «zutiefst leid», dass die Katastrophe passiert sei, heisst es nach US-Medienberichten in einer schriftlichen Erklärung, die er für seinen Auftritt am Donnerstag vor einem Kongressausschuss vorbereitet hat. In dem Papier, über das der Sender CNN am Mittwoch vorab berichtete, gibt Hayward ferner zu, dass die Sicherheitsmassnahmen und -technologien bei Tiefseebohrungen «deutlich» verbessert werden müssten. Er erklärt, dass die Katastrophe «niemals hätte geschehen dürfen». BP werde tun, «was wir können, um sicherzustellen, dass das nicht noch einmal passiert».


Sturm der Kritik erwartet
Trotz dieser Schritte kommt auf Hayward am Donnerstag ein schwerer Gang zu: Der BP-Chef muss sich bei der geplanten Anhörung im Energie- und Handelsausschuss des Abgeordnetenhauses auf einen Sturm der Kritik einstellen. Hayward ist in den acht Wochen seit Beginn der Katastrophe in den USA sozusagen zum «Gesicht der bösen BP» geworden. Nicht nur spielte er das Ausmass des Desasters zunächst herunter, er beklagte sich auch darüber, wie zeitaufwändig der Kampf gegen die Katastrophe sei: «Ich will mein Leben zurückhaben.» Obama selbst war so wütend auf Hayward, dass er noch vor kurzem in einem Interview sagte, dass er den BP-Chef schon längst gefeuert hätte – wenn er es könnte.


«Noch nie dagewesene Kombination von Problemen»
In seiner vorbereiteten Erklärung zum Auftakt der Anhörung entschuldigt sich auch Hayward nun, so der Sender CNN: «Ich begreife die schreckliche Realität der Situation voll und ganz.» Die Unglücksursache ist nach seinen Worten noch nicht geklärt. Der BP- Chef spricht von einem komplexen Vorfall und einer noch nie dagewesenen Kombination von Problemen. Seine «Trauer» über das Unglück sei mit jedem Tag gewachsen, schildert er weiter.


BP regelt Fahrplan für Ölpest-Zahlungen
Inzwischen hat BP die ungefähre finanzielle Belastung der Ölpest für seine Bilanzen verdeutlicht. Die Einzahlung von 20 Milliarden Dollar in den US-Fonds zur Entschädigung der Ölpestopfer werde dreieinhalb Jahre dauern, teilte der Ölmulti am Donnerstag in London mit. Im dritten Quartal werden demnach drei Milliarden Dollar überwiesen, im vierten Quartal zwei Milliarden Dollar. Bis Ende 2013 werde BP 1,25 Milliarden Dollar vierteljährlich einzahlen. Solange der Zahlungsplan läuft, will BP genauso viel Geld beiseitelegen.


«Berechtigte Forderungen» begleichen
Aus dem Treuhandfonds sollen «berechtigte Forderungen» beglichen werden. Dazu zählen laut BP-Angaben Zerstörungen der natürlichen Ressourcen und Kosten für staatliche und regionale Einsätze. Geldbussen und Strafmassnahmen sind ausgenommen. Wer wie viel Geld aus dem Fonds erhält, sollen eine unabhängige Schadensersatzbehörde, Gerichte oder BP selbst entscheiden. Sollte Geld übrig bleiben, erhält BP es zurück. Die BP-Aktien sind am Donnerstag nach der Ankündigung des Hilfsfonds gestiegen. Am Vormittag legten die Anteilscheine in London um 8,43 Prozent auf 366,34 Pence zu.


Einnahmen sprudeln weiter
Die Einnahmen sprudeln weiterhin gut, teilte BP ausserdem mit. Ohne die Belastungen der Ölpest rechnet der Konzern in diesem Jahr mit mehr als 30 Milliarden Dollar aus der Förderung und Produktion. Im vergangenen Jahr waren es 24,8 Milliarden Dollar. Um die verfügbaren Geldmittel zu erhöhen, will der Aufsichtsrat Investitionen deutlich drosseln und geplante Veräusserungen auf rund 10 Milliarden Dollar in den kommenden zwölf Monaten erhöhen.   (awp/mc/ps/33) 

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