CH-Kabelnetzbetreiber diskutieren Verkehrsbeschränkungen

Das Herunterladen von Videos oder die Übertragung von Internet-TV braucht ein Vielfaches der Kapazität, die für das blosse Öffnen einer Website oder das Verschicken von E-Mails nötig ist. Trotzdem werden die Internet-Anbieter im Schweizer Kabelnetz gleich behandelt, ihre Daten gleichberechtigt durchgeleitet. Vorerst jedenfalls: An der Jahrestagung der Kabelnetzbetreiber vom Dienstag in Bern hat der Branchenverband Swisscable den Auftrag erhalten, die Situation zu analysieren und Massnahmen vorzuschlagen, wie der Verband in einem Communiqué mitteilte.


Unterschiedliche Angebote
Eine denkbare Lösung ist, Internet-Portale mit unterschiedlichen Angeboten zu schaffen, wie Swisscable-Geschäftsführerin Claudia Bolla-Vincenz gegenüber der Nachrichtenagentur SDA erläuterte. Wer auf Youtube, Skype oder Zattoo verzichtet, belastet das Netz weniger und müsste darum für sein Abonnement auch weniger bezahlen. Diese Lösung ist in Frankreich bereits umgesetzt, wird aber weltweit diskutiert, wie Bolla-Vincenz sagte. Eine andere Möglichkeit ist, jene Anbieter stärker zur Kasse zu bitten, welche grosse Datenmengen ins Internet einspeisen – eine Variante, die in den USA schon praktiziert wird.


Infrastruktur wird ausgebaut
In der Schweiz wird es Monate dauern, bis Lösungen auf dem Tisch liegen, und Jahre, bis diese umgesetzt wird. Um bis dahin mit der rasch wachsenden Datenflut fertig zu werden, bauen die Schweizer Kabelnetzbetreiber ihre Infrastruktur zügig aus. Hunderte von Millionen Franken werden laut Bolla-Vincenz in den nächsten Jahren investiert. Allein die Cablecom, Nummer 1 in der Schweiz, pumpt bis Ende 2008 gegen 300 Mio CHF in den Ausbau des eigenen Netzes. Hauptgrund dafür sind aber nicht die wachsenden Datenmengen im Internet, sondern die Fernseh-Angebote. Im Kabelnetz laufen nämlich analoges und digitales Fernsehen, das neue HDTV und Breitband-Internet parallel.


Fernsehen braucht am meisten Kapazität
Laut Cablecom-Sprecher Hanspeter Nehmer braucht dabei das Fernsehen am meisten Kapazität, insbesondere das analoge. Auch Nehmer weist aber darauf hin, dass gewisse Internet-Anbieter immer grössere Datenmengen bereitstellten, was dereinst zu Kapazitätsengpässen führen könnte. Deren Angebote würden bisher aber nur von rund 10% der Kunden genutzt. Cablecom hätte die Möglichkeit, diese zur Kasse zu bitten, was das Unternehmen gemäss seinem Sprecher aus Imagegründen aber nicht tut. Eine Lösung für das Problem der grossen Datenmengen erwartet man vom Branchenverband Swisscable. (awp/mc/gh)

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