CH-Schluss: Abgerutscht – UBS stark unter Druck

Ein Händler sprach gar von einer zweiten Ausverkaufswelle. Hierzulande wurden die Finanztitel von den Unsicherheiten über die Entwicklung in Sachen Bankgeheimnis zusätzlich belastet. Am Nachmittag setzte sich die Talfahrt an der Wall Street fort, was am heimischen Markt für weiteren Druck sorgte. Der US-Leitindex Dow Jones sackte zum ersten Mal seit 1997 wieder unter die psychologisch wichtige Marke von 7’000 Punkten. US-Konjunkturdaten fielen uneinheitlich aus und konnten nicht für eine Trendwende sorgen.


Bis um 17.30 Uhr verlor der SMI 252,40 Punkte bzw. 5,38% auf 4’438,27 Punkte und schloss damit auf einem neuen Mehrjahrestief. Zuletzt stand das Bluechips-Barometer im Sommer 2003 so tief. Der 30 Titel umfassende, gekappte Swiss Leader Index (SLI) gab um 5,62% auf 627,78 Stellen ab und der breite SPI 5,17% auf 3’726,90 Einheiten.


Bei einzelnen Finanztiteln kam es zu regelrechten Kurseinbrüchen. Hier hatten laut Händlern neben allgemeinen Unsicherheiten die angekündigte Kapitalerhöhung der HSBC und die Angst im Vorfeld des AIG-Zahlenausweises auf die Stimmung gedrückt. Auch wurden die Aussagen des neuen UBS-Konzernchefs Oswald Grübel als negativ gesehen. In der Wochenendpresse hatte er erklärt, die Grossbank könnte in zwei bis drei Jahren nachhaltig profitabel arbeiten.


UBS (-10,7% auf 9,88 CHF) erlitten die grössten Verluste im SMI/SLI und rutschten erneut unter die Marke von 10 CHF. Auch Swiss Re (-8,5% auf 13,30 CHF) und Julius Bär (-8,7% auf 24,86 CHF) gaben massiv nach. Kaum besser standen CS (-7,1% auf 26,88 CHF) und ZFS (-8,3% auf 153 CHF) da.


Bâloise (-5,0% auf 63,30 CHF) hielten sich unter den Assekuranzen noch am besten. Marktbeobachtern zufolge schürte der Beteiligungsausbau auf 3,88% durch den deutschen Krankenversicherer Signal Iduna Spekulationen. Daneben rutschten Petroplus (-10,0% auf 16,55 CHF) deutlich ab. Auch konjunktursensitive Titel wie Clariant (-10,2% auf 3,95 CHF), Geberit (-8,7% auf 96,10 CHF) und ABB (-7,6% auf 13,20 CHF) lagen stark im Minus.


Actelion (-6,3% auf 51,90 CHF) gaben ebenfalls nach. Händler verwiesen darauf, dass die US-Gesundheitsbehörde im Zulassungsverfahren für das Hauptmedikament Tracleer für eine Indikationserweiterung zusätzliche Informationen angefordert hat. Letztlich werde dies zu weiteren Verzögerungen führen, hiess es. Syngenta notierten 6,4% tiefer auf 234,40 CHF. Der Agrochemikonzern wurde als möglicher Käufer für den Bereich Agro Science von Dow Chemical genannt. Marktbeobachtern zufolge belastete die Angst vor einer teuren Grossübernahme.


Etwas besser standen die defensiven Nestlé (-3,8% auf 36,90 CHF) und Novartis (-3,4% auf 41,24 CHF) da. Anlässlich eines Kommentars zum europäischen Pharmasektor bestätigte die Société Générale die Papiere des Pharmakonzerns als Favoriten. Als negativ für die Branche werteten Händler die Reformpläne von US-Präsident Obama. Roche (-6,7% auf 124,10 CHF) wurden von den Anlegern deutlich tiefer gestellt.


Im Plus gingen unter den 30 Bluechips einzig Synthes (+0,1% auf 135,90 CHF) aus dem Handel. Swisscom (-2,0% auf 345 CHF) schlossen vor dem Zahlenausweis am Mittwoch überdurchschnittlich.


Im breiten Markt gaben Oridion (-13,0%) nach Zahlen massiv nach, Uster Technologie (+0,3%) beendeten den Tag dagegen leicht fester. Publigroupe (-5,4%) litten unter der Ankündigung des wichtigen Kunden Edipresse (Aktie ungeh.), die Medienprodukte künftig selbst zu vermarkten.


Schaffner (-4,0%) verloren nach der Information über Stellenabbau im Ausland und Kurzarbeit in der Schweiz. Swisslog (-5,6%) konnten von einem Grossauftrag aus China nicht bis Börsenschluss profitieren. Valora (Aktie -5,2%) gab den vorzeitigen Abschluss ihres Aktienrückkaufprogramms bekannt. (awp/mc/ps/32)

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