CH-Schluss: Deutliche Abschläge trotz diverser Leitzinssenkungen

Der EZB-Entscheid danach fiel dagegen wie erwartet aus und liess die Notierungen wieder stärker ins Minus zurückfallen.


Im späteren Handel sorgte dann die schwache Performance an der Wall Street für neue Tiefststände. Die Abgaben in Amerika begründen Händler damit, dass nach dem Wahlsieg des Demokraten Barack Obama nun eine gewisse Ernüchterung eingekehrt sei. Die Anleger hätten realisiert, dass es selbst mit einem neuen Präsidenten eine gewisse Zeit dauern werde, bis eine Trendwende in der Wirtschaftsentwicklung erreicht werden könne. Daneben lasteten auch schwächere Konjunkturdaten auf der Stimmung.


Bei Börsenschluss um 17.30 verliert der SMI 252,25 Punkte oder 4,08% auf 5’924,90 Zähler. Der 30 Titel umfassende, gekappte Swiss Leader Index büsst 5,39% auf 835,93 Punkte ein und der breite Gesamtmarkt (SPI) sinkt um 4,03% auf 4’881,31 Zähler.


Die rote Laterne im SMI/SLI hielten am Berichtstag Petroplus (-16,1% auf 29,72 CHF). Die Raffineriebetreiberin hat mit den Drittquartalszahlen beim operativen Gewinn und Nettoergebnis schlechter abgeschnitten als erwartet, verweist jedoch auf negative Lagerbewertungseffekte durch die IFRS-Bilanzierung und auf den rückläufigen Ölpreis.


Deutlich verkauft wurden auch die Finanzwerte. Mit den grössten Verlusten gingen Swiss Life (-14,2% auf 113,20 CHF) aus dem Handel. Neben dem negativen Branchensentiment belasteten die schlechten Zahlen des Finanzdienstleister MLP, an dem Swiss Life mit knapp einem Viertel an MLP beteiligt ist. Daneben verloren auch Swiss Re deutlich (-12,8% auf 46,90 CHF); im Handel wurde auf die Probleme bei den US-Anleihenversicherern verwiesen. Aber auch Baloise (-7,3% auf 63,50 CHF) und ZFS (-7,2% auf 223,00 CHF) verloren überdurchschnittlich.


Mit grossen Verlusten schlossen auch die Bankenwerte Julius Bär (-10,4% auf 43,00 CHF), CS (-7,4% auf 37,70 CHF) und UBS (-6,7% auf 18,00 CHF). Unter anderem dürfte die Wahl des neuen US-Präsidenten Barack Obama für erhöhten Druck im Sektor gesorgt haben. Allgemein wird erwartet, dass sich mit dem neuen Präsidenten die US-Position gegenüber dem Bankengeheimnis in der Schweiz verhärten wird.


Mit zu den grössten Verlieren zählten auch konjunktursensitive Werte wie OC Oerlikon (-13,1% auf 102,00 CHF), ABB (-12,7% auf 13,88 CHF) oder Holcim (-8,4% auf 58,40 CHF).


Besser erging es SGS (-3,5% auf 1’084 CHF). Die Aktien des Warenprüfers profitierten Händlern zufolge etwas durch die guten Neunmonatszahlen und die Erhöhung der Guidance des Konkurrenten Bureau Veritas.


Unterdurchschnittlich erniedrigten sich auch die defensiven Werte Roche (-1,5% auf 165,30 CHF), Novartis (-1,2% auf 56,05 CHF) und Nestlé (-2,1% auf 45,84 CHF). Die Pharmawerte profitierten dabei nicht nur von ihrem defensiven Charakter, sondern auch von einer technischen Erholung nach dem gestrigen Ausverkauf. Die Branche kam gestern mit Blick auf den erwarteten politischen Wandel in den USA verstärkt unter Druck.


Mit noch geringeren Abschlägen gingen Ciba (-1,0% auf 48,80 CHF) und Actelion (-1,0% auf 59,20 CHF) aus dem Handel; Synthes (+0,1% auf 139,70 CHF) waren im SMI/SLI die einzigen Kursgewinner.


Am breiten Markt verloren trotz guter Zahlen Lem Holding (-6,8%) und Compagnie Financière Tradition (-2,1%); Ypsomed schlossen ebenfalls nach Zahlen unverändert. Überdurchschnittlich verkauft wurden Sonova (-7,4%); gemäss Händlern hat die gestern erfolgte Gewinnwarnung des Konkurrenten William Demant ebenso belastet, wie Kurszielsenkungen durch Helvea und Citigroup.


Daneben wurden auch in der zweiten Reihe die Titel exportorientierter Unternehmen deutlich verkauft. So verloren beispielsweise Rieter (-13,9%), Georg Fischer (-12,2%) Burckhardt (-11,6%) kräftig.


Von den vorgelegten Ergebnissen profitierten hingegen die Aktien von Barry Callebaut (+6,8%). Das dreimal schnellere Wachstum als der Markt und die Kompensation der hohen Rohstoffkosten habe die Investoren erfreuen, hiess es am Markt. Auch Santhera (+2,4%) stiegen; vorbörslich war bekannt geworden, dass sich die Bertarelli Familie im Rahmen einer Privatfinanzierung am Unternehmen beteiligt. (awp/mc/pg/33)

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