CH-Schluss: Gewinne nach Erholung – Swiss Life nach Gerücht gesucht

Im späten Geschäft erhielt der Markt zunächst durch die freundliche Eröffnung der Wall Street weiter Auftrieb, bevor die rückläufige Entwicklung an den amerikanischen Börsen für ein leichtes Abflachen der Kurse sorgte.


Angesichts der Flut von Unternehmensergebnissen traten heute die schlechten Nachrichten aus dem Finanzsektor, die zu Wochenbeginn für Verkäufe gesorgt hatten, etwas in den Hintergrund. Die Zweifel und Befürchtungen um weitere Abschreibungen im Zusammenhang mit der Kreditkrise seien jedoch keineswegs verschwunden, hiess es im Handel. Die Stimmung sei daher trotz der technischen Erholung von einer gewissen Nervosität geprägt gewesen; am Markt würde mit weiteren Hiobsbotschaften aus dem Bankensektor gerechnet.


Bis Börsenschluss gewann der Swiss Market Index (SMI) 62,54 Punkte bzw. 0,72% auf 8’770,29 Zähler. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI) stieg um 0,79% auf 1’351,40 Punkten. Der Swiss Performance Index (SPI) schloss um 0,71% höher auf 7’181,73 Zähler.


Angesichts der wieder erstarkten Ängste im Zusammenhang mit der Kreditkrise bekamen die Finanzwerte die Zurückhaltung – und auch Unentschlossenheit – der Anleger zu spüren. Die Kursbewegungen der Grossbankenwerte zeigten sich entsprechend eratisch und alternierten zwischen Gewinn- und Verlustzone. UBS (+0,9% auf 55,10 CHF) rückten im späten Handel weit an die Tabellenspitze vor. CS (-0,4% auf 70,95 CHF) schlossen nach einer vorübergehenden Erholungsbewegung im negativen Terrain; gemäss dem Kommentar einer Grossbank seien die technischen Voraussetzungen für eine Erholung der Aktie derzeit nicht gegeben. Julius Bär schlossen um +0,8% auf 95,70 CHF.


Die deutlichsten Avancen unter den SMI-Werten verzeichneten zu Börsenschluss Swiss Life (+5,33% auf 326,00 CHF). Die Titel vermochten kurz vor Handelsende markant zuzulegen. Im Handel wurde auf Gerüchte über den Verkauf der Swiss Life-Tochter Banca del Gottardo verwiesen. Die Gerüchte seien zwar alt, neu sei jedoch, dass die Mitarbeiter der Tessiner Bank heute Abend oder morgen über die neuen Besitzer orientiert würden. Angesichts des signifikanten Kurssprunges scheinen die Anleger das Gerücht als realistisch zu taxieren, meinte der Händler.


Swiss Re (+0,9% auf 102,70 CHF) waren am Dienstag nach Zahlen gesucht, büssten jedoch ihre Position als Tabellenführer im späten Geschäft ein. Der weltgrösste Rückversicherer hat mit dem Quartalsausweis überzeugt und die Analystenerwartungen deutlich übertroffen. Analysten hoben vor allem die gute Verfassung des Nichtlebengeschäfts hervor. Aber auch mit dem Lebengeschäft vermochte Swiss Re zu überzeugen, während das Finanzservicegeschäft unter den Turbulenzen an den Finanzmärkten litt.


Einer deutlichen Nachfrage erfreuten sich die Industrietitel. ABB (+2,4% auf 36,52 CHF) und Holcim (+1,9% auf 129,60 CHF) beendeten den Handel weit oben an der SMI-Tabellenspitze, OC Oerlikon (+4,3% auf 550,00 CHF) unter den höchsten SLI-Gewinnern. Absoluter Spitzenreiter waren die im SLI geführten Geberit mit einem Plus von 8,6% auf 161,30 CHF. Die Zahlen zu den ersten neuen Monaten waren besser als erwartet ausgefallen. Zudem hat der Sanitärtechnik-Konzern die Guidance für das Gesamtjahr bestätigt und einen Reingewinn von rund 450 Mio CHF in Aussicht gestellt, was einer Steigerung gegenüber dem Vorjahr von knapp 27% entsprechen würde.


Neben Holcim werden morgen auch Swisscom (+0,5% auf 422,00 CHF) und Clariant (+0,1% auf 14,32 CHF) Zahlen ausweisen.


Am Ende des Bluechip-Tableaus gingen Swatch (-3,2% auf 347,00 CHF) aus dem Handel. Händlern zufolge standen die Valoren erneut im Zusammenhang mit den in den letzten Tagen publizierten verhaltenen Unternehmensstudien und Analystenkommentare unter Druck. Zudem hätte der schwache US-Dollar auf das Titelsentiment gedrückt. Richemont (-0,2% auf 78,25 CHF) verbilligten sich etwas weniger stark.


Auch von Novartis (-0,2% auf 60,55 CHF) trennten sich die Anleger. Im Berufshandel wurde auf Befürchtungen verwiesen, dass sich die Zulassung von Galvus in der Europäischen Union aufgrund der vorliegenden Studienergebnisse um 3 bis 6 Monate verzögern könnte.


Im breiten Markt standen Schulthess (-8,5%) nach Neunmonatszahlen unter Druck. Der Ausweis blieb insbesondere bezüglich Profitabilität des Geschäftes hinter den Erwartungen der Analysten zurück. Belastend wirkte nicht zuletzt die Wachstumsschwäche im deutsche Wärmepumpengeschäft.


Barry Callebaut avancierten dagegen nach überzeugenden Zahlen dagegen um 2,4%. Der Schokoladenhersteller hat gleichzeitig mit dem Ergebnis neue, höhere Finanzziele für die nächsten vier Jahre bekannt gegeben. Die neuen Ziele seien durchaus realistisch, da im laufenden Jahr mehrere grössere Outsourcing-Aufträge verbucht worden seien, hiess es in Marktkreisen.


Ebenfalls nach Zahlen notierten Lem (+0,8%) und Eichhof (+1,0%) in der Gewinnzone, während sich die Luzerner KB unverändert zeigten.


U-Blox (-9,4%) standen nach einer Lizenzklage eines Partners im Fokus. Die Mitteilung über die Schadenersatzforderung in unbekannter Höhe habe den Anlegern angeblich eine willkommene Gelegenheit für Gewinnmitnahmen geboten, hiess es am Markt. (awp/mc/gh)

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