CH-Schluss: Knapp gehalten – Nestlé und Roche drücken

Nach einem festeren Start hatten erst fehlende Anschlusskäufe und der eher enttäuschend ausgefallene Index der ZEW-Konjunkturerwartungen aus Deutschland dafür gesorgt, dass die Börse ins Minus drehte. Am Nachmittag konnte der Markt die Abgaben im Zuge von besser als erwartet ausgefallenen Konjunkturdaten in den USA wieder korrigieren, bevor erneut zu leichten Abgabe geschritten wurde. Die US-Wirtschaft hat nach Einschätzung der US-Notenbank Federal Reserve die Rezession überwunden. Aus technischer Sicht sei diese Phase wahrscheinlich vorüber, erklärte am Dienstag Fed-Chef Ben Bernanke.


Der SMI-Index der wichtigsten Schweizer Blue Chips schloss um 0,20% tiefer auf 6’213,19 Punkten. Der 30 Titel umfassende, gekappte Swiss Leader Index (SLI) stieg um 0,03% auf 962,98 Punkte, und der breite Swiss Performance Index (SPI) sank um 0,09% auf 5’373,55 Zähler.


Auf die Kurse drückten vor allem die Index-Schwergewichte Nestlé (-0,6%) und Roche (-0,5%). Nestlé wurden vom Aktienresearch der Citigroup von der «Most Favoured Stock List» gestrichen. Dagegen vermochten Novartis (+0,3%) alleine nicht viel auszurichten.


Novartis hatte vorbörslich positive Daten aus Phase-III-Studien zum Produktekandidaten Indacaterol für die Behandlung einer chronischen Lungenkrankheit publiziert. Analysten sprachen von einem möglichen neuen Blockbuster mit einem Spitzenumsatz von 1,3 Mrd USD, der Mitte nächsten Jahres auf den Markt kommen könnte. Auch hatte sich das Novartis-Management an einem Analystentreffen bezüglich des Geschäftsganges der Pharmadivision im laufenden Jahr sowie der Kompensation der durch den Diovan-Patentablauf 2012 sinkenden Produktumsätze optimistisch gezeigt.


Die prozentual grössten Einbussen im SMI/SLI erlitten Swatch (-1,7%). Der Uhrenkonzern ist ins Visier der Wettbewerbsbehörden geraten. Die Weko hat eine Untersuchung gegen die Swatch-Tochtergesellschaft ETA eröffnet und prüft, ob das Unternehmen auf dem Markt für mechanische Uhrwerke gegen das Kartellgesetz verstossen hat. Die Branchenkollegen Richemont (+0,7%) sind ohne solche Sorgen und waren gesucht.


Unter den weiteren Zyklikern gaben – ohne News – Geberit (-1,7%) nach. Givaudan (-0,9%), Holcim (-0,4%) und Syngenta (-0,4%) verloren ebenfalls.


Konjunktursensitive Valoren gehörten aber auch zu den grössten Gewinnern. So legten Petroplus um 5,5% zu. In den Titeln sorgten gemäss Marktbeobachtern Deckungskäufe für Gewinne, nachdem die Werte seit Montag ex-Bezugsrechte gehandelt werden. Zahlreiche Baissiers seien auf dem falschen Fuss erwischt worden, hiess es dazu.


Deutlich im Plus schlossen auch Adecco (+4,0%). Dabei profitierten die Titel von den jüngsten Zahlen der französischen Behörden zur Temporärarbeit. Diese seien zwar erneut schwach ausgefallen, würden aber den Trend einer Stabilisierung bestätigen. Marktteilnehmer berichteten auch hier von teilweise aggressiven Deckungskäufen. Ebenfalls gesucht waren Clariant (+3,1%), OC Oerlikon (+0,8%), Logitech (+0,6%), Lonza (+0,6%) oder ABB (+0,1%).


Im Finanzsektor gaben die Versicherungswerte zumeist deutlicher nach. So verloren Bâloise (-1,1%), Swiss Life (-0,8%), Swiss Re (-0,7%) und ZFS (-0,5%) überdurchschnittlich. Bei den Banktiteln lagen CS (-1,1%) im Angebot, während UBS (+0,1%) und Julius Bär (+1,7%) avancierten.


Im breiten Markt fielen Arpida (-5,0%) durch weitere Gewinnmitnahmen und dementsprechend grössere Einbussen auf. In der Vorwoche noch konnten die Valoren im Zuge der angekündigten Fusion mit Evolva markant zulegen. Grösstere Gewinne erzielten u.a. Also (+9,9%), Publigroupe (+8,5%), LifeWatch (+6,7%) oder Georg Fischer (+6,1%).


Die Städteentwicklerin Orascom treibt mit einem neuen Projekt im englischen Cornwall ihre Diversifizierung nach Europa voran. Zudem hat das Andermatter Tourismusprojekt mit dem Erhalt der Baubewilligung für den Bau eines ersten Hotelkomplexes eine weitere Hürde genommen. Die Orascom-Aktie reagierte mit plus 4,2%


Edipresse (-0,04%) haben einen Verlust für das erste Semester 2009 vorgelegt. Allerdings wurden die Zahlen stark von der Teil-Übernahme durch Tamedia geprägt. Einen Turnaround erwartet das Verlagshaus erst 2010. (awp/mc/pg/32)

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