CH-Schluss: Verluste – Ungarn und US-Arbeitsmarkt als Spielverderber

Aussagen aus der ungarischen Regierung über die Finanzsituation des Landes wurden nach Angaben von Händlern mit Sorge aufgenommen. Ein hochrangiger Vertreter wurde mit den Worten zitiert, Ungarn habe nur eine «geringe Chance, eine Situation wie in Griechenland zu vermeiden», was auch den Euro stark unter Druck setzte.


Das Blue-Chips-Barometer SMI verlor 1,87% auf 6’298,97 Punkte, womit sich ein Wochenminus von 0,4% ergab. Der 30 Titel umfassende, gekappte Swiss Leader Index (SLI) gab 2,0% nach auf 958,44 Punkte, und der breite Swiss Performance Index (SPI) 1,63% auf 5’545,77 Punkte.


Als weitere Belastung entpuppte sich später am Nachmittag der jüngste US-Arbeitsmarktbericht. Dort ist die Arbeitslosenquote im Mai zwar überraschend deutlich zurückgegangen, allerdings handelt es sich bei einem Grossteil der neuen Stellen um kurzfristige Jobs im Zusammenhang mit einer derzeit laufenden Bevölkerungszählung. Dagegen fiel der Zuwachs im privaten Sektor enttäuschend aus. Am Markt hatte sich zuvor eine positive Erwartungshaltung für den Arbeitsmarkbericht aufgebaut.


Dank der mit Ungarn wieder in den Mittelpunkt gerückten Sorgen um die Staatsfinanzen in Europa, gerieten einmal mehr die Finanzwerte überdurchschnittlich unter Druck. So beendeten CS (-3,9%), Swiss Life (-3,6%) und UBS (-4,6%) den Handel am Tabellenende. Weitere Finanzwerte wie Julius Bär (-2,6%), Swiss Re (-2,6%) oder Bâloise (-2,4%) hielten sich nicht viel besser.


Stark unter Druck standen auch Adecco (-3,0%) oder Richemont (-2,7%), denen eine «Buy»- Empfehlung und eine Kurszielerhöhung durch die Citigroup wenig half, sowie Nobel Biocare (-2,9%) oder Swatch (-2,5%).


Etwas besser als der Gesamtmarkt schlossen Nestlé (-0,7%) oder Novartis (-1,5%). Roche (-1,6%) wurden von Neuigkeiten zur Produktepipeline kaum beeinflusst. Roche-VR-Präsident Humer hat in einem Interview seinen Willen bekräftigt, «strategisch sinnvolle» Akquisitionen in den Bereichen Pharma und Diagnostika vorzunehmen, was aber ebenfalls kaum kursrelevant war.


Auch Geberit (-1,6%) fielen nach starkem Beginn mit dem Gesamtmarkt ins Minus zurück. In einem Interview mit AWP liess CEO Albert Baehny verlauten, dass ihm die Euro-Schwäche «keine Kopfschmerzen» bereite, dass aber die hohen Staatsschulden wohl den Bausektor im öffentlichen Bereich belasten werde.


Als Tagessieger und einziger Bluechip ohne Verluste fielen Givaudan (+1,2%) auf.


Im breiten Markt gaben Rieter (-5,1%) oder Sulzer (-4,5%) – trotz der bestätigten Kaufempfehlung durch Goldman Sachs – stark nach, wobei beide am Vortag sehr gesucht waren, hier also Gewinne mitgenommen wurden.


Meyer Burger zogen nach einem weiteren Auftrag aus China um 1,8% an und u-blox nach Produktenews um 0,8%. Beide gaben am Nachmittag aber einen Teil noch grösserer Gewinne wieder ab.


Coltene (+1,7%) profitierten von einer Heraufstufung auf «Buy» durch die Bank Vontobel. (awp/mc/ps/31)

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