CH: Tourismusbranche kämpft gegen Annullationsflut an

Urs Kamber, der Direktor von Luzern Tourismus, rechnet mit einer täglichen Umsatzeinbusse von zwei bis vier Mio. Franken. Verglichen mit der Situation in anderen Gegenden, wo Menschen ums Leben kamen, sei das zwar nicht dramatisch, sagte Urs Kamber am Freitag gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Doch in Luzern sei gegenwärtig «touristische Höchstsaison».


Annullationen sind sprunghaft angestiegen
Nach den Meldungen über das Hochwasser und den Aufrufen der Behörden, Reisen nach Luzern zu unterlassen, sei die Zahl der Annullationen sprunghaft angestiegen. Sowohl Gruppen wie Einzelreisende wollten ihre Reise nach Luzern stornieren, was versicherungstechnisch gar nicht so einfach sei. Die Aufrufe seien in der Anfangsphase zwar durchaus berechtigt gewesen. «Nun müssen wir aber andere Signale aussenden», sagte Kamber. Mit wenigen Ausnahmen seien alle Hotels in Betrieb und gut zugänglich.


Touristische Infrastruktur funktioniert
Nun gelte es, mit Touristen und Tour-Operators zu kommunizieren. «Wir erklären ihnen die Lage und zeigen Möglichkeiten auf, das Programm eines Luzern-Besuchs entsprechend zu gestalten.» Diese Strategie sei auch mit den Behörden abgesprochen. Auch im Berner Oberland kämpfen die Hotelliers gegen eine Annullationswelle an. «Wir erklären den Gästen, dass die touristische Infrastruktur funktioniert, dass die Hotels offen sind und auch zahlreiche Angebote in der Region zur Verfügung stehen, sagte Stefan Otz, Direktor von Interlaken Tourismus auf Anfrage.


100 000 Unspunnenfest-Besucher erwartet
Die Tendenz zu Annullationen sei vorhanden. Wie viele Leute man mit Aufklärung davon abhalten könne, sei im Moment noch schwer abzuschätzen. Dramatischere Auswirkungen auf die Annullationen als das Unwetter habe das abgesagte Unspunnenfest, sagte Otz weiter. Für das traditionelle Trachten- und Alphirtenfest hätte die Region am 3./4. September rund 100 000 Besucher erwartet. Die Hotels waren ausgebucht. Diese Gäste sagten nun natürlich ab.


Annullationen vor allem bei Gruppenreisen
Auch Wengen, Mürren und Lauterbrunnen melden funktionierende Infrastrukturen. In den vergangenen Tagen habe man schon weniger Leute im Dorf gesehen als normal, sagte der Grindelwalder Tourismusdirektor Sämi Salm auf Anfrage. Annullationen verzeichne man vor allem bei den Gruppenreisen, da die Reisecars nicht auf der provisorischen Strecke nach Grindelwald fahren könnten. Vielen sei ein Umsteigen auf den regulären Bus zu kompliziert. Manche Hotels seien von den Annullationen der Gruppenreisen sehr stark betroffen, sagte Salm. (awp/mc/ab)

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