CH-Verlauf: Anfangsgewinne ausgebaut – Warten auf EZB

Nachdem die Risikoaufschläge für Staatsanleihen finanzschwacher Euro-Länder bereits am Mittwoch spürbar zurückgegangen waren, setzte sich der Trend am Donnerstag fort.


Vor allem in Spanien und Italien gaben die Renditen weiter nach, was laut Händlern zu erneuten Käufen bei den Dividendenpapieren sorgte. Mit Spannung erwartet würden nun neue Aussagen der Europäischen Zentralbank (EZB) nach der Ratssitzung am Nachmittag.


Das wichtigste Aktienbarometer, der Swiss Market Index (SMI), notierte zur Berichtszeit 0,63% höher bei 6’449,80 Punkten. Der 30 Titel umfassende, gekappte Swiss Leader Index (SLI) avancierte derweil um 0,71% auf 1’017,18 Zähler, der breite Swiss Performance Index (SPI) um 0,62% auf 5’778,81.


Mit Abstand grösster Gewinner unter den 30 SMI/SLI-Titeln ist die Aktie des Raffinerie-Betreibers Petroplus. Nach bereits sehr festem Start notiert sie unterdessen bereits 10,8% höher. Die Aktien profitieren laut Händlern von einer Hochstufung durch Goldman Sachs, welche die Titel ausserdem als einen der Top Picks im Öl-Sektor empfehlen. Die Analysten machen eine steigende Nachfrage nach Öl und den entsprechenden Produkten wie Diesel in den Schwellenländern aus. Das sei auch für die Raffinerien positiv, daher wird der gesamte Sektor angehoben.


Petroplus ist allerdings eine der schwächsten Schweizer Aktien dieses Jahr. Auch nach dem heutigen Kurssprung notiert das Papier immer noch 43% tiefer als zum Jahresbeginn. Ein weiteres Börsensorgenkind, nämlich Nobel Biocare, gehört am Donnerstag ebenfalls zu den besten Werten. Trotz heutigem Anstieg um 3,3% ist die Aktie aber immer noch lediglich halb soviel wert wie Anfang Jahr. Lange vernachlässigt waren auch Clariant, die mit einem Plus von 2,1% ebenfalls zu den heutigen Siegern gehören. Diese Aktie notiert allerdings auf dem höchsten Stand seit Mitte 2007 und derzeit 58% höher als zu Jahresbeginn.


Unternehmensnews gibt es am Donnerstagmorgen nur wenige. Im Fokus stehen u.a. die Aktien von ZFS (+1,7%). Der Erstversicherer hält heute seinen Investoren-Tag ab. Das Management gibt sich überzeugt, den Herausforderungen erfolgreich begegnen zu können. Am Ziel einer mittelfristigen operativen Eigenkapitalrendite nach Steuern von 16% hält die Gruppe fest, ausserdem soll das laufende Effizienzsteigerungsprogramm intensiviert werden.


Die kommunizierten Ziele werden von Analysten begrüsst. Zwar seien sie zumeist nicht neu, es werde aber nun dargelegt, wie der Versicherer diese erreichen wolle. ZFS habe für die nächsten Jahr die Messlatte hoch angesetzt, was für die Aktionäre positiv zu werten sei, heisst es in den meisten Kommentaren. Parallel zur ZFS-Aktie legen weitere Versicherer klar zu, wie etwa Swiss Life (+2,1%), Baloise (+1,7%) oder Swiss Re (+1,4%).


Aber auch bei den Grossbanken-Aktien geht die Erholung vom Vortag weiter: CS notieren 1,5% und UBS 0,9% höher. Noch fester zeigen sich Julius Bär (+1,7%), obwohl deren Aktien bereits am Vortag nach positiven Aussagen von VR-Präsident Raymond Bär 5,6% zugelegt hatten.


Am Schluss der Tabelle sind Sonova (-1,3%), Syngenta (-0,5) und SGS (-0,5%) platziert. Sonova wurden von Morgan Stanley u.a. wegen des Produkterückrufes in den USA zurückgestuft, SGS von Merrill Lynch wegen hoher Bewertung. Etwas Mühe in diesem optimistischen Umfeld haben auch die defensiven Index-Schwergewichte Roche (-0,3%) und Novartis (+0,2%). Besser hält sich Nestlé (+0,7%).


Im breiten Markt profitieren die Aktien von Georg Fischer von einer Kurszielerhöhung durch die UBS auf 710 (von 570) CHF und legen 7,0% auf 535,00 CHF zu. Mitgezogen werden auch Rieter (+3,0%) und Forbo (+3,7%).


Kuoni verlieren nach Bekanntgabe einer kleineren Akquisition in Italien um 0,4% zu. Und Burckhard Compression reagieren auf die Bekanntgabe einer Nachfolgeregelung an der Spitze des Unternehmens eher negativ (-1,5%). Die schwächsten Werte sind derzeit Inficon (-2,9%), Affichage (-2,6%) und Swisslog (-2,3%). (awp/mc/ss/19)

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