Citigroup: Chef tritt zurück – Weitere Milliardenbelastungen durch Kreditkrise

Die Bank muss zudem über ihre bisherigen milliardenschweren Bereinigungen hinaus bei den Erträgen weitere acht bis elf Milliarden US-Dollar (7,6 Milliarden Euro) abschreiben. Den Gewinn werde die Kreditkrise um weitere bis zu sieben Milliarden Dollar belasten, teilte die Citigroup am Sonntagabend nach einer Krisensitzung des Verwaltungsrates in New York mit. Es gebe dennoch keine Pläne, die Dividende zu kürzen. Bis Mitte 2008 will die Bank zudem wieder die angepeilte Spanne bei den Kapitalquoten erreichen.


Sir Win Bischoff zum Interims-Chef berufen
Zum Interims-Unternehmenschef wurde der in Deutschland geborene, derzeitige Vorsitzende des Europa-Geschäfts der Citigroup, Sir Win Bischoff, berufen. Der ehemalige US-Finanzminister Robert Rubin wurde zum neuen Vorsitzenden des Verwaltungsrates ernannt. Der scheidende, 57 Jahre alte Prince hatte auch dieses Amt inne. Eine Findungskommission soll die Suche nach einem dauerhaften Nachfolger übernehmen. In Frage kämen interne wie externe Kandidaten, sagte Rubin.


Zweiter Rücktritt innert zwei Wochen
Der vier Jahre lang amtierende Prince sagte der Mitteilung zufolge, angesichts des Ausmasses der jüngsten Verluste im Geschäft mit Kreditpapieren sei für ihn der Rücktritt «der einzige ehrenhafte Weg». Citigroup hatte bereits vor wenigen Wochen rund 6 Milliarden Dollar abschreiben müssen – davon allein 2,2 Milliarden Dollar wegen Problemen durch die Kreditkrise. Damit summieren sich die Abschreibungen aus der Kreditkrise jetzt auf bis zu 17 Milliarden Dollar.


Bereinigungen nicht in diesem Ausmass erwartet
Experten hatten zwar weitere Bereinigungen erwartet – aber kaum in diesem Ausmass. Eine spezielle neue Abteilung soll sich künftig um die problematischen Kreditpapier-Geschäfte kümmern, kündigte Rubin an. Binnen weniger als einer Woche musste damit bereits der zweite Chef einer amerikanischen Grossbank wegen der Kreditmarkt-Turbulenzen seinen Hut nehmen. Erst am vergangenen Dienstag war Merrill-Lynch-Chef Stan O’Neal nach den höchsten Abschreibungen in der Geschichte der Investmentbank zurückgetreten.


Spekulationen über Nachfolge
Der 66 Jahre alte Bischoff war zuvor Chef der Asset Management-Gesellschaft Schroders in London, bis sie von der Citigroup gekauft wurde. Bischoff solle im Amt bleiben, bis ein dauerhafter Nachfolger gefunden ist, hiess es. Der 68-jährige Rubin arbeitet seit 1999 in sehr hoher Position ebenfalls ausserhalb des unmittelbaren Tagesgeschäfts für die Bank und gehörte bereits dem Verwaltungsrat an. Er gilt als enger Vertrauter von Prince. Laut «New York Times» wird sein Rückzug aus der Bank erwartet, sobald ein neue Führung gefunden sei.


Heiss gehandelte Kandidaten
Zu den heiss gehandelten Kandidaten für den dauerhaften Spitzenjob zählen der derzeit für das laufende Geschäft verantwortliche Top- Manager Robert Druskin (COO) und der für das Investment Banking zuständige Vikram Pandit, der erst vor gut einem halben Jahr von der Investmentbank Morgan Stanley zur Citigroup kam. Als externe Lösung im Gespräch ist der frühere Goldman Sachs-Präsident und heutige Chef des weltgrössten Börsenbetreibers NYSE Euronext, John Thain.


Aktienkurs deutlich im Minus
Citigroup hatte wegen der Kreditmarkt-Krise im dritten Quartal einen drastischen Gewinneinbruch um mehr als die Hälfte verbuchen müssen. Wie andere Grossbanken weltweit nahm sie milliardenschwere Bereinigungen vor. Die US-Börsenaufsicht SEC prüft bereits bei Citigroup und anderen Banken, ob alle Risiken richtig eingeschätzt und bekanntgegeben wurden. Mit dem Abgang von Prince steht laut Bankexperten auch das Citigroup-Geschäftsmodell eines Allfinanz-Konzerns zur Debatte. Die Wall Street spekuliert bereits über eine mögliche Aufspaltung des Giganten. Der Aktienkurs der Bank war allein vergangene Woche um rund zehn Prozent und seit Jahresbeginn um fast ein Drittel gefallen – auf zuletzt 37,73 Dollar. Der Druck von Aktionären und Analysten war daher immer grösser geworden. (awp/mc/ab)

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