Claude R. Cornaz, CEO Vetropack Holding AG

Von Radovan Milanovic


Moneycab: Vetropack konnte den Reingewinn für das Geschäftsjahr 2007 fast verdoppeln und erreichte das beste Resultat in seiner Firmengeschichte. Zudem erwartet Sie im laufenden Geschäftsjahr wiederum ein erfreuliches Resultat. Was steckt hinter der Erfolgsstory von Vetropack?
 
2007 war für Vetropack ein sehr gutes Jahr. Wir hatten optimale Markt- und Produktionsbedingungen. Unsere «Erfolgsformel», wenn Sie es so nennen wollen, basiert auf drei Faktoren: langfristiges Denken und Handeln, Markt- und Kundenorientierung sowie hoch motivierten Mitarbeitenden. Wir setzten unsere Strategie konsequent um, indem wir mit den Märkten in Zentral- und Osteuropa wachsen, ohne unsere angestammten Inlandmärkte zu vernachlässigen. Zudem konzentrieren wir uns auf unser Kerngeschäft, das Verpackungsglas.


Sie produzieren am oberen Ende der Kapazitätsauslastung. Vetropack erhöht die Kapazität nur in kleinen Schritten, indem sie die Wannen, in denen Sie das Glas Ihrer Produkte herstellen, bei Revisionen erweitern. Bringt dieses «langsame», jedoch finanziell kostengünstigere Wachstum der Kapazitäten nicht eine Abwanderung der Kunden zur Konkurrenz?


Es gibt aus technischen Gründen keine andere Möglichkeit, als schrittweise die Kapazität auszubauen. Die Grösse der Schritte variiert allerdings von Jahr zu Jahr, denn wir bauen unsere Kapazitäten sukzessive bei Wannenrevisionen und Wannenneubauten aus. Im Herbst 2007 haben wir in unserem ukrainischen Werk in Gostomel eine neue Grünglaswanne mit einer Schmelzleistung von 380 Tonnen pro Tag in Betrieb genommen. Diese Wanne ersetzte zwei veraltete Wannen und bringt diesem Werk eine Kapazitätssteigerung von rund 40 Prozent.


Das Stückwachstum, als Mass der Produktionsausstosses von Vetropack, hat bei den verschiedenen Produktionsstandorten  in 2007 sehr stark variiert: In der Schweiz betrug dieses 18,1%, wovon Sie sicher vom Heimvorteil profitieren konnten. Jenes in Tschechien lag bei «nur» 3,2%, in Österreich bei 5,3%, in Kroatien bei 5,9% und in der Slowakei bei 13,7%. Eindrücklich zeigte sich das Wachstum mit 33,8% in der Ukraine. Wieso zeigen sich solche grosse Wachstumsunterschiede? Was sind Ihre Wachstumsprognosen dieser Länder?


Diese Unterschiede haben ganz spezifische Gründe, die mit dem Kapazitätsausbau zusammenhängen. Das Stückwachstum ist also produktionsbedingt und nicht primär durch das Marktwachstum gesteuert. Im Schweizer Werk St-Prex konnte dank dem Wannenneubau (2006) die Produktion gesteigert werden. Das Werk in der Ukraine profitierte erstmals vollumfänglich von der im 2006 komplett erneuerten Weissglaswanne und der im Herbst 2007 in Betrieb genommenen Grünglaswanne. Zu den Wachstumsprognosen: Die Märkte in Zentral- und Osteuropa werden weiter deutlich im höheren einstelligen Prozentbereich wachsen. Der Markt Westeuropa wächst langsamer und im tiefen einstelligen Bereich, was aber sehr erfreulich ist für einen Markt, der bis vor kurzem noch stagnierte.


Wie sieht die Energiebilanz von Vetropack aus und was sind Ihre diesbezüglichen Aktivitäten?
 
Die Glasproduktion ist sehr energieintensiv. Entsprechend hoch sind auch unsere Energiekosten und die steigenden Energiepreise sind ein grosses Thema für uns. Deshalb ist die Verbrauchsreduktion eine Daueraufgabe, die alle unsere Aktivitäten beeinflusst.



«In einem Markt mit Nachfrageüberhang können die gestiegenen Rohstoffkosten teilweise auf die Produktpreise abgewälzt werden.» Claude R. Cornaz, CEO Vetropack Holding AG


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In welchem Masse ist Vetropack beim Preisanstieg der Rohstoffe betroffen? Inwieweit können Sie diese Kosten auf die Produktpreise abwälzen?
 
Die Kosten für unsere Rohstoffe sind massiv gestiegen, auch deshalb, weil für ihre Herstellung, Aufbereitung und Transport viel Energie notwendig ist. In einem Markt mit Nachfrageüberhang können die gestiegenen Rohstoffkosten teilweise auf die Produktpreise abgewälzt werden. Die Möglichkeit zur Anpassung ist allerdings limitiert, da wir in der Regel ein-, teilweise sogar mehrjährige Verträge haben.


Die aktuelle Marktkapitalisierung von Vetropack beträgt über 900 Mio. Franken. Sie haben anderseits liquide Mittel von knapp 100 Mio. Franken und eine äusserst gesunde Bilanz mit ausgezeichneten Finanzkennzahlen. Fürchten Sie sich nicht vor einer Übernahme? Wie schützen Sie sich davor?


Theoretisch ist jedes börsenkotierte Unternehmen dieser Gefahr ausgesetzt. In der Praxis: Wir haben einen stabilen Hauptaktionär mit der stimmenmässigen Mehrheit. Das gibt Sicherheit und schützt vor einer Übernahme.



«Mit einer relativ tiefen Ausschüttungsquote bleiben die Mittel ja im Unternehmen, damit die Investitions- und Wachstumsmöglichkeiten wahrgenommen werden können.»


Vetropacks Expansionsmöglichkeiten sind im Inlandgeschäft aufgrund des kontrollierten Wachstums Grenzen gesetzt. Sehen Sie Ihre Chancen in der Schweiz deshalb auch in Anbetracht des hohen Kassabestandes von 87 Mio. Franken in der Diversifikation Ihrer Aktivitäten? Oder sehen Sie sich nach «lohnenden» Investitionen im Kerngeschäft um?
 
Unsere Strategie ist klar definiert und auf Verpackungsglas ausgerichtet. Diversifikationen sind kein Thema. Aber selbstverständlich halten wir die Augen offen und prüfen sich bietende Gelegenheiten im Kerngeschäft – so wie es jedes andere Unternehmen auch macht.


Trotz voller Schatullen führt die tiefe Ausschüttungsrate (Verhältnis des erwirtschafteten Gewinns zur Dividende) auch bei der angekündigten kräftigen Dividendenerhöhung auf 35 von 16 Franken für die Inhaber- und auf 7 von 3,20 Franken für die Namenaktie zu einer tiefen Dividendenrendite. Wie begründen Sie Ihre Dividendenpolitik?
 
Die der Generalversammlung beantragte Dividende ist mehr als verdoppelt. Aber die Dividendenrendite ist nur eine Seite der Medaille. Die andere ist die Kursentwicklung. Wir sind überzeugt, dass unsere Aktionäre die Kurssteigerung ebenfalls in ihre Gesamtrendite einrechnen. Und zudem: Mit einer relativ tiefen Ausschüttungsquote bleiben die Mittel ja im Unternehmen, damit die Investitions- und Wachstumsmöglichkeiten wahrgenommen werden können.


Aufgrund des hohen Kassabestandes könnte Vetropack – zum Schutz unfreundlicher Übernahmen – auch eine (steuerfreie) Nennwertrückzahlung vornehmen. Kann der Aktionär in Zukunft mit solchen Leistungen rechnen?


Richtig, Nennwertrückzahlungen wären eine – auch steuerlich attraktive –  Möglichkeit, aber für uns war das bisher kein Thema.


Bewertungsmodelle von Finanzanalysten sehen Potenzial in Vetropack Aktien, das erwartete P/E für 2008 liegt bei optimistischen Wachstumsprognosen bei nur rund 10. Entsprechend konnte sich auch die Inhaberaktie von ihrem Tief von 1661,00 Franken vom 22.01.2008, sogar im Umfeld schwacher Börsen, überdurchschnittlich erholen und liegt jetzt bereits um die 2170,00 Franken. Bank Vontobel hat nach Ihrer Bilanzpressekonferenz das Kursziel von 2500,00 auf 2700,00 Franken erhöht. Würden Sie als Kleinaktionär die Aktie kaufen?
 
Wenn Sie mich als Kleinaktionär fragen, würde meine Entscheidung zum Kauf davon abhängen wie sehr ich den Analysten glaube. Fragen Sie mich jedoch als CEO, so muss ich bekennen, dass ich wahrscheinlich nicht objektiv wäre. Letzten Endes ist Aktienkauf und -verkauf immer eine Frage der persönlichen Beurteilung.


Was sehen Sie  als CEO einer erfolgreichen Unternehmung, welche den Turnaround nachhaltig gefestigt hat, als persönliche Herausforderung?
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Wir wollen das erreichte Ertragsniveau halten. Das ist anspruchsvoll, wenn man sich in einem Zyklus befindet, der auf dem Höhepunkt ist. Aber ebenso wichtig ist für mich, dass wir als internationale Gruppe noch weiter zusammenwachsen und vor lauter «schönen Zahlen» unsere Hauptaufgabe nicht vergessen, nämlich die Bedürfnisse und die Zufriedenheit unserer Kunden.


Herr Cornaz, Moneycab.com dankt Ihnen vielmals für dieses Interview.nbsp;






Der Gesprächspartner:
Claude Cornaz ist promovierter dipl. Masch.-Ing. ETH/BWI und war 1987-89 Assistent Bereichsleiter «Management Services» bei Contraves und 1989-93 Projekt-Ingenieur bei Nestec SA, Vevey, zwei Jahre davon in Thailand, Asien. Seit 1993 leitete er bei Vetropack Holding AG den Gruppenstab Unternehmensentwicklung und ab 1995 den Fachführungsbereich Technik/Produktion/Logistik. 1996 wurde er zusätzlich zum Mitglied der Gruppenleitung ernannt und wurde 1998 Stellvertreter des Vorsitzenden der Gruppenleitung. 1998 erfolgte die Wahl in den Verwaltungsrat der Vetropack Holding AG. Seit 2000 ist er Delegierter des Verwaltungsrates.&


Das Unternehmen:
Vetropack ist ein börsenkotiertes Familienunternehmen mit Gruppenmanagement in der Schweiz. Vetropack zählt zu den führenden Verpackungsglasherstellern in Europa. Für die Herstellung und den Vertrieb von Verpackungsglas verfügt die Vetropack über eigene Gesellschaften in der Schweiz, in Österreich, in Tschechien, in der Slowakei, in Kroatien und in der Ukraine. Die Vetropack-Gruppe beschäftigt 3100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. In 7 Glaswerken steht mit insgesamt 17 Schmelzwannen eine Produktionskapazität von über 4000 Tagestonnen Verpackungsglas zur Verfügung. 2007 wurde ein Umsatz von 699,6 Mio. Franken und ein Reingewinn von 100,9 Mio. Franken erzielt. Die Aktien der Gesellschaft werden mit dem Kürzel VET an der SWX gehandelt.

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