Credit Suisse-Ökonomen prognostizieren Erholung vom tiefen Fall

Die Situation auf dem Arbeitsmarkt bleibt hingegen angespannt. Im Jahresmittel 2010 rechnen die Ökonomen der Credit Suisse mit einer Arbeitslosenquote von 5,2%.


Die weltweite Rezession ist am Abklingen. Die Finanzmärkte sind dank weitgreifender Interventionen auf dem Weg zur Genesung, und die weltweiten Konjunkturpakete beleben die realwirtschaftliche Nachfrage. Wachstumsimpulse für die Weltwirtschaft kommen zudem von einem Wiederaufbau von Lagerbeständen und Produktionskapazitäten. Diese waren in Erwartung einer noch längeren Rezession oder als Folge von Finanzierungsproblemen stark zurückgefahren worden. Einige Volkswirtschaften, insbesondere wichtige Absatzmärkte der Schweiz wie Deutschland oder Frankreich, sind bereits auf einen moderaten Wachstumspfad zurückgekehrt.

Schweizer Wirtschaft wächst 2010 wieder
Mit dem Auslaufen der globalen Rezession hellen sich die Aussichten für die stark exportorientierte Schweizer Volkswirtschaft auf. Sowohl die USA als auch die Eurozone werden gemäss den Ökonomen der Credit Suisse im kommenden Jahr ein positives Wirtschaftswachstum aufweisen. Die Schweiz folgt diesem Trend und wird nach Einschätzung der Credit Suisse 2010 um 0,6% wachsen (unverändert gegenüber Prognose vom 11. Februar 2009). Für 2009 rechnen die Ökonomen der Credit Suisse nach wie vor mit einer Schrumpfung des realen Bruttoinlandprodukts um 2%. Demnach ist die Rezession in der Schweiz allen Unkenrufen zum Trotz im internationalen Vergleich milde verlaufen. Einerseits fiel die Schweizer Exportwirtschaft dank einem hohen Anteil an weniger zyklischen Produkten nicht ganz so tief wie beispielsweise diejenige Deutschlands oder der USA. Andererseits dämpfte die relativ robust gebliebene Binnenwirtschaft den Abschwung.


Erholung, aber kein «richtiger» Aufschwung
Das positive Wachstum im kommenden Jahr ist gemäss den Credit-Suisse-Ökonomen allerdings noch nicht der Anfang eines breit abgestützten Aufschwungs. 2010 wird sich die Volkswirtschaft lediglich etwas vom tiefen Fall des Vorjahres erholen. Zwar könnte diese Erholung unter Umständen deutlich stärker ausfallen als aktuell prognostiziert. Denn Produktion und Lagerbestände waren angesichts der wegbrechenden Nachfrage und der vielerorts düsteren Prognosen dermassen rasch und stark abgebaut worden, dass diese nun erhöht werden müssen, um die ? vormals vielerorts zu negativ eingeschätzte ? Nachfrage befriedigen zu können. Dennoch wird das Vorkrisenniveau der Produktion noch nicht annähernd erreicht. Das Wirtschaftswachstum wird somit bis auf Weiteres unter dem Potenzialwachstum liegen.

Diese Expansion der Schweizer Wirtschaft ist vorerst noch zu schwach, um eine weitere Zunahme der Arbeitslosigkeit verhindern zu können. Die Ökonomen der Credit Suisse gehen deshalb davon aus, dass der Anstieg der Arbeitslosenquote bis Mitte 2010 schrittweise weitergehen und im Jahresdurchschnitt 5,2% betragen wird. Dies ist der höchste Stand seit 1997. Damals war allerdings die Arbeitslosenquote ab 1990 von einem tiefen Niveau aus (0,5%) für damalige Schweizer Verhältnisse ungewöhnlich stark angestiegen. Heute ist der Anstieg der Arbeitslosigkeit zwar ebenfalls rezessionsgetrieben, das höhere Niveau indes auch das Resultat der gestiegenen Sockelarbeitslosigkeit.

Konsum wirkt auch 2010 stützend, vermittelt aber kaum Wachstumsimpulse
Die Verschlechterung der Arbeitsplatzsicherheit lastet auf dem Konsum. Dennoch wird dieser auch 2010 schwache Wachstumsimpulse senden (+0,6% gegenüber Vorjahr). Immerhin besteht der private Konsum zu knapp zwei Dritteln aus Gütern und Dienstleistungen, auf die bei einer Verschlechterung der Arbeitsplatzsicherheit nicht unmittelbar verzichtet wird oder verzichtet werden kann. Zudem federn die Zahlungen der Arbeitslosenversicherung den Einkommensverlust infolge Arbeitslosigkeit zumindest ab und sichern so den Grundkonsum. Weiter sind die Haushalte in der Schweiz nicht überschuldet und auch 2010 nimmt die Konsumbasis durch die Einwanderung zu. Der staatliche Konsum wird wie schon im Vorjahr einen positiven Wachstumsbeitrag leisten, da die Konsumausgaben 2010 um 1% zunehmen; dies vor allem wegen den höheren Betreuungslast in den Arbeitsämtern und im Sozialwesen sowie personellen Mehrausgaben infolge der konjunkturellen Stabilisierungsmassnahmen.

Exporte stabilisieren sich nach Einbruch ? erste Wachstumsimpulse 2010
Die Exportstatistik wird 2009 laut Prognose der Ökonomen der Credit Suisse mit 12,7% den stärksten Rückgang seit Beginn der Messreihe 1949 ausweisen. Dieser spektakuläre Wert verstellt jedoch den Blick auf die tatsächliche Entwicklung. Der Einbruch des Exportniveaus hatte bereits Ende 2008 eingesetzt. Mittlerweile hat sich das Exportniveau stabilisiert, wenn auch auf tiefem Niveau. Die negative Jahreswachstumsrate 2009 wird demnach durch einen Basiseffekt überzeichnet. So wie die Rezession importiert worden ist, springt auch der Funke zur Erholung aus dem Ausland auf die Schweiz über. Dank ihrer Wettbewerbsfähigkeit kann die Schweizer Exportwirtschaft unmittelbar von der wieder erwachenden Nachfrage in den Abnehmerländern profitieren. Die Ökonomen der Credit Suisse veranschlagen das Exportwachstum für 2010 auf 5,0%. Damit brummt der Exportmotor wieder, allerdings noch immer auf tiefer Tourenzahl.

Ausrüstungsinvestitionen bis 2010 rückläufig
Viele Unternehmen sehen sich nach den Turbulenzen mit leeren Auftragsbüchern und unsicheren Bestellungsaussichten konfrontiert. Des Weiteren sind die Aussichten über 2010 hinaus noch zu vage für namhafte Investitionen. 2010 werden demnach mehrheitlich Ersatzinvestitionen getätigt. Die Nachfrage nach Erweiterungsinvestitionen wird noch länger schwach bleiben. Die Schweizer Industrie ist ähnlich tief ausgelastet wie in der Rezession 1976. Der Rückgang der Ausrüstungsinvestitionen wird sich daher gemäss Prognose der Credit Suisse 2010 lediglich abschwächen, aber fortsetzen (-1,5% gegenüber -7.4% im Vorjahr).


Teuerung zieht langsam an
Die Teuerung in der Schweiz wird dieses Jahr negativ ausfallen (Prognose: -0,4%). Dieser Teuerungsrückgang beschränkt sich aber auf wenige Güter, hauptsächlich auf solche, die auf Erdöl basieren. Die Erdölpreise haben sich mittlerweile von ihrem Rückgang erholt und werden 2010 teuerungstreibend sein. Zudem verlieren die inflationsdämpfenden Faktoren angesichts der wieder besseren Kapazitätsauslastungen an Einfluss. Die erfolgte Verdoppelung der Geldmenge sowie Zinssätze nahe Null bergen erhebliches Inflationspotenzial. Im Zuge der wirtschaftlichen Erholung müssen die Geldmenge zweifellos wieder abgeschöpft und die Zinsen erhöht werden. Die Kunst wird darin bestehen, den richtigen Zeitpunkt zu treffen. Für das kommende Jahr rechnen die Credit-Suisse-Ökonomen angesichts der fragilen Erholung mit einer moderaten Zinserhöhung um 50 Basispunkte. Die durchschnittliche Jahresteuerung 2010 wird auf 1,0% prognostiziert.

Verzerrtes Jahr 2010 verunmöglicht verlässliche Prognose für Folgejahre
Das Jahr 2010 wird durch den massiven Vorjahreseinbruch und die staatlichen Hilfspakete in noch nie gesehenem Umfang verzerrt. Dabei drängt sich die Frage auf, ob 2011 der private Sektor den Wegfall der staatlichen Wachstumsimpulse kompensieren kann. Vor diesem Hintergrund verzichten die Ökonomen der Credit Suisse bewusst im jetzigen Zeitpunkt auf eine Vorhersage für die Folgejahre. Dazu Martin Neff, Leiter Economic Research Schweiz der Credit Suisse: «Eine einigermassen verlässliche, seriöse Prognose für 2011 ist gegenwärtig schlichtweg nicht möglich und wäre schon fast fahrlässig. Immerhin: Die Schweiz kann in jedem Konjunkturszenario zu den Gewinnern gehören. Ihre hohe Wettbewerbsfähigkeit und die Tatsache, dass sie sich in der Krise weniger Ballast in der Form von öffentlicher Verschuldung aufgebürdet hat als andere Volkswirtschaften, sind beste Voraussetzungen dafür.» (Credit Suisse/mc/pg)

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