Daniel Bloch: «Schokolade machen ist wie ein Balanceakt auf dem Seil»


Der Schokoladehersteller Camille Bloch im Berner Jura feiert am 4. Oktober sein 75-jähriges Bestehen. Im Moneycab-Interview hält CEO Daniel Bloch Rückschau und erzählt, wie sich sein Unternehmen durch hohe Qualitätsansprüche in einem stetig härter werdenden Markt behauptet.


Von Peter Stoeferle

Moneycab: Herr Bloch, wir gratulieren dem Unternehmen Camille Bloch zum 75-jährigen Bestehen. Der Name Chocolats Camille Bloch hat für viele Schweizerinnen und Schweizer einen ähnlich hohen Stellenwert wie einst die Armbrust als Qualitätszeichen. Wie erfüllt Ihr Unternehmen diesen Anspruch Tag für Tag?

Daniel Bloch: Vielen Dank für die Glückwünsche und für das schöne Kompliment. Das Vertrauen unserer zahlreichen Fans haben wir vom ersten Moment unserer Existenz an durch die tägliche Umsetzung einer kompromisslosen Qualitätskultur aufgebaut. Bei uns weiss jeder Mitarbeiter, dass jedes Produkt, welches unsere Firma verlässt, die hohen Erwartungen der Konsumenten erfüllen muss: Dabei sind die Erwartungen enorm vielschichtig: Wer eine Camille Bloch Schokolade isst, erwartet ein sicheres Produkt, denn Lebensmittel gehen ans Lebige. Unsere Kunden erwarten eine transparente Information über die Beschaffenheit des Produktes, stimmige Produktionsbedingungen bei uns, aber auch bei unseren Lieferanten. Und schliesslich erwartet der Kunde, dass ein Ragusa oder ein Torino immer gleich gut schmeckt. Wir erfüllen diese Erwartungen mittels eines modernen Qualitätsmanagements, welches die Qualität unserer Rohstoffe, Verarbeitungsprozesse und Services umfassend misst und uns Anhaltspunkte gibt, wie wir uns noch verbessern können. Bei allen Faktoren, die stimmen müssen, ist Schokolade machen wie ein Balanceakt auf einem Seil: Je höher das Vertrauen des Konsumenten, desto höher ist das Seil gespannt.

Sie sind vor 10 Jahren in die Firma Ihres Vaters eingetreten und haben 1997 die Geschäftsleitung übernommen, zusammen mit Ihrem Bruder Stéphane Bloch, welcher als stellvertretender CEO für das Marketing zuständig ist. Welches waren Ihre persönlichen Meilensteine bei Camille Bloch in den vergangenen zehn Jahren?

1994 war ich einige Monate Assistent und habe verschiedene Projekte betreut, so beispielsweise die Ausweitung unseres Qualitätssystems von der Produktion auf alle Bereiche der Firma, die Organisation von Events (60 Jahre in Courtelary) usw.
1995/1996 war ich ein Jahr in Fontainebleau um ein MBA INSEAD zu absolvieren.
1997 wurde ich Vorsitzender der Geschäftsleitung. Schnell durfte ich feststellen, dass ich einer gut eingespielten Organisation vorstand, die das Tagesgeschäft, «run the business», weitgehend im Griff hatte. Das gab mir Freiraum, um mich dem Change managment zu widmen: Projekte, Organisationsentwicklung, strategische Fragen.
1997 -2000 In den ersten drei Jahren habe ich mit meinem Bruder und dem technischen Direktor ein Führungsteam aufgebaut: Unsere Entscheidungen betrafen vor allem die Optimierung interner Abläufe und Investitionen in die Produktion.
2000-2002 Reorganisation und Erweiterung der Geschäftsleitung. Einführung einer CFO- Position. Einstieg in das Segment der sogenannten Monopralines (Kleinformate) mit der Lancierung von Ragusa Praline «Délice» und Torino Praline «Tentation». Eröffnung eines factory outlets.
2003-2004: Neue Markenstrategie: Zusammenführung der Produktemarken Ragusa, Torino und der Likörlinie unter der neuen Dachmarke «Camille Bloch mon chocolat Suisse» mit dem Ziel: einheitlicher Premium Auftritt für alle Camille Bloch Schokoladen. Redesign aller Produktelinien (Ragusa, Likör Linien, Torino).
2004 Wahl in den Verwaltungsrat von Chocolats Camille Bloch SA. Viele Jubiläumsaktivitäten

Die Firma Camille Bloch legte in Zeiten, während denen es eng werden zu drohte, viel Erfindergeist an den Tag und wusste so stets aus der Not eine Tugend zu machen. Gehört dies nach wie vor zu den herausragenden Eigenschaften von Camille Bloch und wo helfen diese Fähigkeiten heute weiter?

Wir befinden uns heute glücklicherweise nicht in einer Notsituation. Der Druck ist aber gestiegen; die Konkurrenz im Schokoladegeschäft wird spürbar härter, unser Hauptmarkt wächst kaum mehr, der Handel konzentriert sich. Da hilft es, uns daran zu erinnern, dass wir in der Vergangenheit noch schwierigere Zeiten durchgestanden haben. Ich denke zum Beispiel an den Zweiten Weltkrieg, als die Lage für meinen Grossvater persönlich und wirtschaftlich bedrohlich war. Ausgerechnet in dieser Zeit hat die Firma mit der Lancierung von Ragusa die grössten Fortschritte erzielt. Heute sind die Zeiten wiederum härter geworden – wir sind bereit für weitere «Erfindungen».

Sie sind heute auf dem Markt unter der Dachmarke «Camille Bloch – Mon Chocolat Suisse» mit drei starken Markenspezialitäten vertreten: Camille Bloch, Ragusa und Torino. Lässt Ihrer Meinung nach der in- und ausländische Markt überhaupt noch die Lancierung eines neuen Schokolade-Markenprodukts zu?

Es ist richtig, dass es heute schon viele Schokolade-Marken und Schokolade-Produkte gibt. Es ist auch richtig, dass der Schokolade-Konsument seiner Marke und seinem Produkt ziemlich treu ist und die unzähligen Innovationen nur beschränkt wahrnimmt. Wir glauben aber auch, dass immer mehr Menschen im In- und Ausland ihre Schokolade bewusster geniessen wollen und offen sind für neue, authentische Spezialitäten. Da sehen wir für uns als Anbieter von Schweizer Schokoladespezialitäten noch viel Platz.

Qualität zu produzieren heisst auch, sich unentwegt auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verlassen zu können. Wie erreicht dies Camille Bloch und behält obendrein den Ruf eines hervorragenden und sehr beliebten Arbeitgebers im Berner Jura?

Die Mitarbeiter bestimmen das Potenzial einer Firma. Camille Bloch kann sich auf seine Mitarbeiter verlassen, weil auch die Mitarbeiter sich auf Camille Bloch verlassen können. Das Vertrauen beruht also auf Gegenseitigkeit. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Nach der Ölkrise im Jahre 1973 verlor der Schokolademarkt und auch Chocolats Camille Bloch innerhalb von zwei Jahren 25 Prozent Umsatz. Trotz miserabler Auslastung der Produktion hatte mein Vater keinen einzigen Mitarbeiter entlassen, sondern sie mit anderen Aufgaben beschäftigt. Die Krise ist vorbeigegangen, der gute Ruf als Arbeitgeber hat sich bis heute gehalten.

Ausser Zucker und Milch beziehen sie den grössten Teil der Rohstoffe aus dem Ausland, so zum Beispiel Kakao aus Afrika und Südamerika oder Haselnüsse aus Italien und aus der Türkei. Wie sichern Sie deren konstante Qualität?

Diese konstante Qualität ist wichtiger Bestandteil unseres Qualitätsmanagements. Wir garantieren unsere Qualität durch Auswahl der besten Rohstoffe, konsequente Qualitätskontrollen, traditionelle Produktionsmethoden von der Kakaobohne an, und der Verarbeitung unserer Schokolade in relativ kleinen Chargen. Gerade die Verarbeitung in kleinen Chargen erlaubt eine optimale Steuerung für eine konstante Qualität.

Rund 80 Prozent Ihrer Produktion ist für den einheimischen Markt bestimmt. Ins Ausland liefern Sie zur Hauptsache nach Frankreich, Deutschland, Dänemark und in die USA. Wie kommt es, dass in Dänemark für Camille Bloch ein Absatzmarkt entstanden ist und warum nicht zum Beispiel in Schweden oder in Norwegen?

In Schweden machen wir grosse Fortschritte, aber Dänemark bleibt unser stärkster skandinavischer Markt. Das hat historische Gründe. Mein Grossvater begann schon in den fünfziger Jahren mit dem Export von Ragusa nach Dänemark und zwar damals ausschliesslich für den bedeutenden Duty-free-Markt auf den Fährschiffen. Heute ist Ragusa in Dänemark auch im klassischen Lebensmittelhandel erhältlich.

Ihr Vater Rolf Bloch ist im In- und Ausland eine sehr bekannte Persönlichkeit. Nebst als Unternehmer war er unter anderem als Präsident des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds und des Holocaust-Fonds tätig. Nun gibt er bei Camille Bloch auch das VR-Präsidium ab. Werden Sie dennoch ab und zu seinen Rat einholen?

Der Erfahrungsaustausch mit meinem Vater war bisher meistens informell, vielseitig und deswegen toll. Ich glaube nicht, dass die Qualität leiden wird, weil er nicht mehr VR- Präsident ist. Wir werden uns aber in Zukunft wahrscheinlich häufiger ausserhalb von Courtelary sehen.

Was wünschen Sie dem Unternehmen Chocolats Camille Bloch für die nächsten 75 Jahre?

Dass die Firma mit ihren Produkten weiterhin so viele Augen zum Glänzen, so viele Gesichter zum Lächeln bringen wird wie bisher.

Sie sind bekennender Schoggi-Liebhaber. Welchem Camille-Bloch-Produkt gehört Ihre persönliche Präferenz?

Ich bin – ein weiteres Bekenntnis – in dieser Beziehung nicht monogam und leicht verführbar. Zum Espresso mag ich unsere Torino Monopraliné sehr gerne. Nach dem Abendessen esse ich gerne Likörschokolade, zum Beispiel ein Whiskypraline.


Moneycab Interviews Daniel Bloch 
Seit 1997 CEO Chocolats Camille Bloch SA

Jus-Studium Uni Bern
Associate Lawyer in New Yorker Anwaltskanzlei
Geschäftsführer Camille Bloch Corp., New York
1994 Einstieg ins Familienunternehmen Chocolat Camille Bloch SA
1997 Übernahme des Vorsitzes der Geschäftsleitung von Vater Rolf Bloch
2004 Eintritt in den Verwaltungsrat des Unternehmens 
Chocolat Camille Bloch SA
 
Das 1929 gegründete Familienunternehmen befindet sich seit 1935 in Courtelary im Berner Jura. Weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt geworden ist Camille Bloch mit der Traditionsmarke Ragusa. Firmengründer Camille Bloch machte dabei eine Not zur Tugend: Während des Zweiten Weltkrieges wurden Kakao und Zucker knapp. Bloch fügte der Schokolade eine Praliné-Masse aus Haselnüssen bei und schaffte damit das Erfolgsprodukt Ragusa. Dieses wird bis zum heutigen Tag nach dem ursprünglichen Rezept hergestellt.

Camille Bloch beschäftigt heute 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, stellt im Jahr 2600 Tonnen Schokolade-Spezialitäten her und setzte mit den Marken Ragusa, Torino sowie mit weiteren Spezialitäten im vergangenen Jahr 47 Millionen Franken um.

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