Das Kloster Fahr stellt die Milchproduktion ein

Zum Klostergut Fahr gehören ein Landwirtschaftsbetrieb mit 55 Hektaren Fläche, eine Bäuerinnenschule sowie ein Restaurant. Laut einer Pressemitteilung sind diese Betriebe seit Jahren unrentabel. Die Defizite muss die 28-köpfige Gemeinschaft der Benediktinerinnen aus ihrem vor allem aus AHV-Beiträgen geäufneten Kapitalstock berappen. Seit der Bund 2002 die Direktzahlungen an Klöster mit einem ökologischen Leistungsnachweis (IP) eingestellt hat, ist das Defizit des Landwirtschaftsbetriebs in die Höhe geschnellt. 2005 hat das Gesamtdefizit der Klosterbetriebe 160 000 Franken betragen, davon entfallen 90 000 Franken auf die Bereiche Tierhaltung und Ackerbau. Die Schwesterngemeinschaft will aber den Landwirtschaftsbetrieb nicht verpachten, um ihren Einfluss auf eine naturnahe Produktionsweise geltend machen zu können, wie Priorin Irene Gassmann sagt. Auch wirtschaftlich sei eine Verpachtung keine Lösung.


Mehr Mitbestimmungsrechte
Die Schwesterngemeinschaft hat deshalb nach eingehenden Beratungen im Consilium (Rat) und im Kapitel (Gemeinschaft aller Schwestern) dem Kloster Einsiedeln den Antrag gestellt, die Milchproduktion einzustellen und neben dem Ackerbau vermehrt auf vom Bund subventionierte Naturwiesen und Buntbrachen zu setzen. Mit grossem Mehr haben sich auch das Consilium und der Rat der Klostergemeinschaft Einsiedeln für extensive Landwirtschaft ausgesprochen, wie es heisst. Er wolle den Entscheid nicht kommentieren, sagte Pater Hilarius auf Anfrage. Der 79-jährige Agronom hat während 47 Jahren im Auftrag des Klosters Einsiedeln die weltlichen Betriebe des Klosters Fahr verwaltet. Vor zwei Jahren wurde der Propst «pensioniert» und die schon länger anstehende Reorganisation der Buchhaltung und des Rechnungswesens von einer weltlichen Fachperson an die Hand genommen. Der Grund für die Anstellung eines externen kaufmännischen Leiters liegt darin, dass das Kloster Einsiedeln keinen Nachfolger für Pater Hilarius stellen konnte. Gleichzeitig nutzte Abt Martin Werlen die neue Ausgangslage für die Ausarbeitung eines neuen Klosterreglementes. Dieses inzwischen auch von der Mönchsgemeinschaft Einsiedeln genehmigte Statut gibt der Fahrer Schwesterngemeinschaft mehr Mitbestimmungsrechte.


Fälliger Emanzipationsschritt
Der 40-jährigen Priorin Irene, die vorher wie ihre Vorgängerinnen ausschliesslich für die spirituellen Belange der Klostergemeinschaft zuständig war, wurde neu auch die Verantwortung für die weltlichen Bereiche übertragen. «Das ist eine klare Machtverteilung zugunsten der Frauen und letztlich ein Vertrauensbeweis», sagt sie. Früher konnte der Propst bis zu einer Grenze von 200 000 Franken als selbständiger Unternehmer wirken. Allfällige Anträge stellte er direkt dem Kloster Einsiedeln. Nach neuem Reglement ist nun die Schwesterngemeinschaft in weitreichende Entscheidungsprozesse einbezogen. Bei Grundbucheinträgen zum Beispiel braucht es die Unterschrift sowohl des Abts als auch der Priorin.


Pater Hilarius sieht in der Abberufung kein Problem
Zu diesem Emanzipationsschritt der Nonnen im Fahr wäre es ohnehin gekommen, sagt Pater Othmar Lustenberger, Pressesprecher des Klosters Einsiedeln. Man müsse Priorin Irene nun das Vertrauen geben. Den in einer Petition formulierten Widerstand gegen die Abberufung von Pater Hilarius, der während der letzten zwei Jahre als Seelsorger im Fahr tätig war, nach Einsiedeln relativiert Pater Othmar: Mit seiner persönlichen Ausstrahlung habe Pater Hilarius vor allem die äussere Seite des Klosters Fahr stark geprägt. Auch seine guten Kontakte zu Organisationen und Behörden hätten dazu geführt, dass man ihn ungern ziehen lasse. Für Pater Hilarius selber ist die Abberufung kein Problem: «Ich gehöre zum Kloster Einsiedeln. Wenn man mich ruft, komme ich zurück.»


Beneditktinische Liturgie wieder vermehrt im Zentrum
Nach seinem Weggang Anfang November können wegen des zu grossen administrativen Aufwandes im Kloster Fahr keine Taufen und Hochzeiten mehr durchgeführt werden. Zudem gibt es am Sonntag nur noch einen Gottesdienst. Im Unterschied zur Geschäftsführerin des Restaurants befürchtet Priorin Irene deswegen keine gravierenden Umsatzeinbussen. Zudem sei es falsch, einen Kirchenraum wegen ein paar Apéros vermarkten zu wollen. An den Gedanken, dass es weniger Messen geben wird, hätten sich die meisten Schwestern gewöhnt. Mindestens so wichtig sei die sechsmal täglich stattfindende öffentlich zugängliche benediktinische Liturgie, sagt sie.

(NZZ/mc/hfu)

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