David Becher, CEO Glarner Kantonalbank

von Patrick Gunti


Herr Becher, Sie haben Ihr Amt als CEO in stürmischen Zeiten für die Glarner Kantonalbank angetreten. Mit welcher Zielsetzung?


Wie Sie es schon in Ihrer Frage formulieren: Ich will zusammen mit meinen Mitarbeitenden die GLKB aus dem Sturm führen und sie wieder zu einer soliden, profitablen Kantonalbank machen.


Eine Analyse der Risikopositionen im Kreditgeschäft der GLKB hat einen erheblichen Wertberichtigungsbedarf vor allem bei ausserkantonal gewährten Krediten zu Tage gefördert – mit welchen finanziellen Folgen für Ihr Institut?


Die finanziellen Folgen sind insbesondere Wertberichtigungen von über CHF 64 Mio. im ersten Halbjahr 2008, was zu einem deutlichen Verlust der Bank per 30. Juni 2008 geführt hat.


Welche Fehler wurden bei der Beurteilung und Vergabe von Krediten gemacht?

Die Strategie der GLKB in den Jahren 2003 und folgende war, Wachstum auch ausserhalb des engeren Wirtschaftsgebietes mittels Geschäftskundenkrediten zu erzielen. Es zeigte sich nun, dass diese Strategie mit gewissen Risiken verbunden war. Es ist nicht an mir, Fehler der Vergangenheit zu kommentieren. Das Kreditgeschäft ist und bleibt ein Risikogeschäft, auch wenn Bonitätsprüfungen und Analysen über den Kunden banküblich vorgenommen werden.



«Die Haupterkenntnis muss aus meiner Sicht sein, dass eine Kantonalbank in der Grösse der GLKB sich sehr bewusst sein muss, welche Risiken eine solche Expansion beinhaltet.« (David Becher, CEO Glarner Kantonalbank)


Dass diese Fehler nicht frühzeitig erkannt worden sind, deutet auf Mängel im Risikomanagement hin. Welche Anpassungen werden im Risikomanagement und der Risikopolitik der Glarner Kantonalbank vorgenommen?

Die Risikopolitik und die Kompetenzordnung wurden nun angepasst und auf die Verhältnisse und Risikotragfähigkeit der GLKB abgestimmt. Grundsätzlich will die GLKB primär im Kanton Glarus und den angrenzenden Gebieten (Linthebene) tätig sein und Kredite vergeben. Für ungedeckte Engagements ausserhalb dieses Rayons wurden spezifische, höhere Anforderungen an die Bonität der Schuldner gemacht. Daneben haben wir viele Details zur Portfoliosteuerung und zum Risikoreporting verbessert.


Der Eigenmitteldeckungsgrad der GLKB hat sich seit Jahresbeginn um 17 % verringert liegt aber mit 127 % immer noch über den EBK-Vorschriften. Sie wollen den Eigenmitteldeckungsgrad nun wieder verbessern. Welche Möglichkeiten ziehen Sie in Betracht?

Die Gespräche mit unserem Eigner, dem Kanton Glarus, wurden gestartet. Zum jetzigen Zeitpunkt möchte ich hier keine weiteren Details bekannt geben, da wir noch am Anfang dieses Prozesses stehen.


Die bis Ende 2007 verfolgte Expansionsstrategie der GLKB ist gescheitert. Welche Lehren lassen sich daraus ziehen?

Die Haupterkenntnis muss aus meiner Sicht sein, dass eine Kantonalbank in der Grösse der GLKB sich sehr bewusst sein muss, welche Risiken eine solche Expansion beinhaltet.


Wie lauten die neuen strategischen Eckpfeiler der Glarner Kantonalbank?

Die Schwerpunkttätigkeit der GLKB erfolgt künftig primär im eigenen Kanton und in den angrenzenden Gebieten. Die Risiken werden besser gesteuert und rapportiert (Portfoliosteuerung/Risikokennzahlen). Die Kreditorganisation wird angepasst, um Kreditrisiken professioneller als bisher beurteilen zu können.


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Ohne die Wertberichtigungen hätte die GLKB einen operativen Halbjahresgewinn von 15,5 Mio. Franken nach 18,35 Mio. Fr. in der Vorjahresperiode verzeichnet. Die Bilanzsumme verringerte sich um 1,2 % auf 3,182 Mrd. Franken. Wie werten Sie das Resultat des operativen Geschäfts insgesamt?

Operativ hat die GLKB auch im Vergleich mit ähnlich grossen Instituten ansprechend gearbeitet, obwohl unsere Budgetvorgaben operativ nicht ganz erreicht worden sind. Die Reduktion der Bilanzsumme erfolgte im Rahmen der Rückführung gewisser Kreditengagements im ungedeckten Bereich bewusst. Im hypothekarischen Ausleihungsgeschäft erzielten wir sogar einen leichten Zuwachs, was erfreulich ist.


Was hat das Zinsengeschäft, geprägt?

Das Zinsengeschäft ist der Hauptpfeiler unseres Institutes. Dabei ist es uns wichtig, dass wir eine gute Balance zwischen Kundengeldern/Kassenobligationen und getätigten Ausleihungen erreichen. Künftig werden wir versuchen, das Kommisionsgeschäft zu stärken und die Abhängigkeit vom Zinsengeschäft nach Möglichkeit etwas zu verringern.


In welchem Rahmen erwarten Sie das Resultat für das Gesamtjahr?

Es wird uns leider aufgrund unserer Grösse und unseres Geschäftsvolumens nicht möglich sein, das signifikant negative Halbjahresresultat bis Ende 2008 aufzuholen. Ich rechne damit, dass wir das Geschäftsjahr mit einem Reinverlust von ca. CHF 25 Mio. abschliessen werden. Selbstverständlich werden wir alles unternehmen, den Verlust möglichst zu verringern; dies hängt aber unter anderem auch von der weiteren Entwicklung an den Finanz- und Kapitalmärkten ab. Ab 2009 will die GLKB wieder nachhaltig profitabel sein.


Herr Becher, herzlichen Dank für das Interview.





Zur Person:
David Becher – CEO Glarner Kantonalbank (seit 1.8.2008)
Geboren, 14. September 1957
Verheiratet, keine Kinder
Hobbies: Jogging, Golf, Reisen, Musik


Beruflicher Werdegang
-1963 – 1976 Schulen/Gymnasium, Zürich
-1976 – 1981 Studium der Rechtswissenschaften, Zürich (lic.iur.)
-1981 – 1985 Einstieg ins Bank- und Finanzgeschäft (SBV, Finanzgesellschaft)
-1986 – 2004 Diverse Fach- und Führungsfunktionen bei der SKA / Credit Suisse u.a. Kommerzchef, Stabschef, Leiter Filialgruppe/Region/Marktgebiet
-2004 – 2005 Bank Coop GL-Mitglied / CEO
-2006 – 2008 Credit Suisse, Projektleiter, Prozessoptimierung, strategische Neuausrichtung von Geschäftsfeldern

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